Klötze l Im Bezug auf ein modernes Internet sind die Ortsteile der Einheitsgemeinde Klötze mit Ausnahme der nicht förderfähigen „schwarzen Flecken“ fein raus. Sie werden nämlich vom Zweckverband Breitband Altmark (ZBA) mit einem zukunftsfähigen Glasfasernetz ausgestattet. Der symbolische Spatenstich soll noch im Jahr 2019 erfolgen. Auf der Strecke drohte jedoch die Kernstadt zu bleiben. Denn hier, so erklärte ZBA-Geschäftsführer Andreas Kluge am Dienstag im Klötzer Rathaus, dürfe der Zweckverband, der mit Steuermitteln agiere, nicht tätig werden, weil sonst der private Markt gestört werden würde. Das sei überall dort der Fall, wo schon gebaut wurde oder werden soll. „Und Klötze wurde als erschlossen markiert, obwohl die Bürger das anders sehen und Messungen etwas anderes ergeben.“

Doch nun können auch die Purnitzstädter aufatmen. So unterzeichneten Bürgermeister Uwe Bartels und Detlef Gieselmann, Geschäftsführer der Avacon Connect GmbH, eine Partnerschaftsvereinbarung zur Verbesserung der Breitband-Internetversorgung in Klötze. „Mit der Bereitstellung leistungsfähiger und zukunftsorientierter Breitband-Internetzugänge verbessern wir die Lebensqualität der Bevölkerung und stärken die Entwicklungs-Chancen ansässiger Betriebe“, wies Bartels auf die Vorteile des Glasfaserausbaus hin. Mit echter Glasfaser bis ins Haus werde auch Klötze zur „High-Speed-Zone“ in der Altmark. Damit war vor einigen Jahren noch nicht zu rechnen. Umso mehr freue er sich über den erfolgreichen Schulterschluss von ZBA und Avacon, der erst vor einem Jahr in die Wege geleitet worden sei, wie Jörn Schoof von Eon anmerkte. Klötze stelle das erste Projekt dar.

Alte Technologie stößt an ihre Grenzen

Was das Internet anbelange, bilde Sachsen-Anhalt im bundesweiten Vergleich das Schlusslicht, stellte Gieselmann fest. „Das darf nicht so bleiben.“ Darum habe sich die 1999 gegründete Avacon, die bisher als Strom- und Gasversorger in Erscheinung getreten sei, vorgenommen, die Altmark mit ihrem neuen Tochterunternehmen Avacon Connect voranzubringen. „Die Kommunikations-Infrastruktur der nächsten Generation basiert auf Glasfasernetzen. Avacon gestaltet diese Zukunft mit und unterstützt die Region beim zügigen Ausbau von echter Glasfaser bis ins Haus“, sagte Gieselmann. Klötze solle eine Modellregion sein, „eine zarte Pflanze, die wächst und gedeiht“.

„Wir wollen die Altmark nach vorne bringen“, betonte auch Andreas Kluge. Doch mit der derzeitigen Technologie, die auf Kupferkabeln basiere und an ihren Grenzen stoße, sei das nicht möglich. Zumal nur 17 Prozent der Nutzer die Leistung bekämen, für die sie auch bezahlen. „Wir müssen den nächsten Schritt gehen“, betonte der ZBA-Geschäftsführer. Und dieser Schritt habe einen Namen: Glasfaser. „Das ist die einzige Technologie, die zukunftsfähig ist“, machte Kluge, der das Engagement der Avacon ausdrücklich begrüßte, deutlich. Die beste Infrastruktur, so meinte der ZBA-Geschäftsführer, sei jene, die man nicht merke. „Das ist wie eine bei einer Klospülung. Da fragt sich doch auch keiner mehr, woher das Wasser kommt.“

Modernes Internet ist ein Standortfaktor

Laut Gieselmann werde es höchste Zeit für ein Update. Mit „Fiber-to-the-Home“ setze Avacon auf hochmoderne Leitungen, die bereits jetzt Geschwindigkeiten von mehr als einem Gigabit pro Sekunde zuließen und später aktualisiert werden könnten, „ohne nochmal die Straße aufreißen zu müssen“, wie Kluge erklärte.

Norbert Hartmann, Planungsleiter bei Avacon Connect, machte darauf aufmerksam, dass das Internet für die Wirtschaft ein wesentlicher Standortfaktor sei: „Früher haben die Firmen immer gefragt, ob eine Autobahn in der Nähe ist. Heute wird als erstes gefragt, ob ein gutes Internet vorhanden ist.“ Die Partnerschaft zwischen Avacon Connect und der Stadt Klötze sowie die Planungen des ZBA seien für ihn eine „historische Chance“, um das Leben auf der grünen Wiese lebenswert zu erhalten.

Um die Klötzer über den Ausbau des Glasfasernetzes zu informieren, laden Avacon und die Stadt Klötze am 7. und 16. Mai, jeweils um 18.30 Uhr in den Altmarksaal ein. Wer möchte, kann dann gleich einen Vorvertrag unterschreiben. „Wir gehen davon aus, in der Vermarktungsphase, die bis Ende Juni laufen soll, etwa 40 Prozent der Bürger zu gewinnen“, rechnete Gieselmann vor. Ziel sei es, im dritten Quartal 2019 mit dem Ausbau zu beginnen. Voraussetzung dafür sei jedoch ein ausreichendes Interesse von Privat- und Geschäftsleuten. Genau wie beim ZBA würden alle, die umgehend einen Vorvertrag unterschreiben, den Hausanschluss kostenfrei bekommen.