Klötze l Es wirkt ungewohnt, Uwe Bartels im Bürgermeisterzimmer des Klötzer Rathauses am Schreibtisch zu sehen. Zuvor hatte dort sieben Jahre lang Matthias Mann gesessen. Immerhin: Das Namensschild ist bereits ausgetauscht. „Sie sprechen mit Herrn Uwe Bartels, Bürgermeister“, ist dort zu lesen. Der 55-Jährige, bisher mit eigener Firma in der Baubranche tätig, ist sportlich gekleidet. Jeans, Hemd, Sakko. Die Jalousien sind heruntergelassen. Es ist dunkel im Raum. Aber im stillen Kämmerlein möchte er nicht sitzen, betont Bartels. „Ein gutes Betriebsklima ist mir wichtig,“, sagt er und versichert, Freude und Zuversicht vermitteln zu wollen, die Motivation zu steigern. Wer ihn bisher geduzt habe, könne das selbstverständlich auch weiterhin tun. Niemand solle vor Ehrfurcht erstarren. Ganz im Gegenteil. Bartels möchte sozusagen ein Bürgermeister zum Anfassen sein, anderen auf Augenhöhe begegnen. „Es geht sowieso nur gemeinsam“, meint er. „Alle müssen an einem Strang ziehen.“

Dass er jetzt Bürgermeister ist, sei zwar ein enormer Wandel in seinem Leben, doch gehe er diese Aufgabe mit großem Optimismus an. Und nein, nervös sei er vor seinem Amtsantritt nicht gewesen. „Ich habe gut geschlafen.“

Gleichwohl sei ihm bewusst, dass er vor allem in der Anfangsphase auf seinen Mitarbeiterstab angewiesen sein werde. Schließlich betrete er „Neuland“, müsse sich vieles erst aneignen. Und lernen.

Vor Ort ein Bild machen

Zunächst habe er vor, sich einen Überblick zu verschaffen. Daher werde er die Einladungen der Ortschaftsräte gerne annehmen, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Was liegt im Argen? Was ist gewünscht? Was muss besser werden?

Apropos Ortschaftsräte: Deren Arbeit will Uwe Bartels künftig wesentlich mehr Bedeutung beimessen. Das sei auch einer der Haupt-Gründe gewesen, für das Amt des Bürgermeisters zu kandidieren. Und diesem Anspruch wolle er auch gerecht werden. Ohne einen Ort zu bevorzugen oder zu benachteiligen. „Klar, Klötze ist das Zentrum. Das bestreitet auch niemand. Aber man darf die Dörfer nicht vernachlässigen“, macht Bartels deutlich. Dass dies vielleicht der Quadratur des Kreises gleichkomme, sei ihm klar. Ebenso wie der Umstand, dass eines Tages eventuell auch mal Kritik an ihm persönlich laut werden könnte.

Doch Bartels setzt auf die Kompromissbereitschaft aller Beteiligten und nennt die Bürgermeisterdienstberatungen zur Verwendung des 20 000-Euro-Budgets für Spielplätze und Dorfgemeinschaftshäuser als Beispiel. „Da herrscht immer ein gutes Miteinander. Es werden Prioritäten festgelegt und zugunsten des anderen steckt man auch mal zurück.“

Ein Thema, das die Ortschaftsräte in den vergangenen Jahren stark beschäftigt hat, ist die Stadtwirtschaft. Diese, so hieß es häufig, habe zu viel Arbeit und zu wenig Personal. Auch hier möchte Bartels direkt das Gespräch mit den Betreffenden suchen und herausfinden, wie eigentlich der Ist-Zustand ist. Und vor allem schauen, ob der Stadtwirtschaft geeignete Technik zur Verfügung steht. „Die Fahrzeuge müssen umrüstbar sein“, empfiehlt Bartels und befürwortet beispielsweise auch beheizbare Fahrerkabinen für den Winter. Außerdem könne er sich vorstellen, dass die Stadtwirtschaft, wie früher, wieder Außenposten hat, etwa in Kusey oder Kunrau. „Wenn alle immer erst zur Zentrale nach Klötze kommen müssen, dann geht Zeit verloren“, die schon längst für die Pflege der öffentlichen Flächen hätte aufgewendet werden können.

Chance auf Förderung nutzen

Bartels weiß, dass es in den Ortschaften einige Brennpunkte beziehungsweise Wünsche gibt. So wie den Anschluss des Kunrauer Freibades an die Biogasanlage zum Erwärmen des Wassers. „Hier gab es ja zuletzt den Beschluss des Stadtrates, dass die Verwaltung prüfen soll, ob man Fördermittel bekommen kann. Und wenn es diese Möglichkeit gibt, dann sollte man es auch machen“, meint er. Das Gleiche gelte für die Ruine in Immekath.

Positiv wertet Bartels, dass die Landesstraße 23 im Herbst an einigen Stellen repariert wurde. Nichtsdestotrotz erkennt er weiteren Handlungsbedarf, etwa im Bezug auf die Spurrillen zwischen Kusey und Neuferchau sowie zwischen Neuferchau und Kunrau. Hier hofft Bartels auf einen kurzen Draht mit dem Land beziehungsweise der Straßenmeisterei.

Darüber hinaus möchte er beim Kreis Gifhorn und dem Altmarkkreis Salzwedel in Erfahrung bringen, ob ein Radweg zwischen Steimke und Brome im Bereich des Möglichen wäre und – um den Kunrauern Genüge zu tun – bei der Personenverkehrsgesellschaft nachfragen, ob man die Rufbusverbindung nach Brome anders takten könnte.

Ebenfalls will sich Bartels über die Sportplatz-Situation in Kusey informieren und die Pläne zur Umrüstung der Straßenlampen auf LED für das gesamte Stadtgebiet wieder aus der Schublade holen. „Man darf solche Sachen nicht immer in Vergessenheit geraten lassen“, meint er und fügt hinzu: „Sicher, das ist eine Investition, aber langfristig gesehen spart man hier bestimmt bares Geld.“

Arbeit, so ahnt der neue Bürgermeister der Einheitsgemeinde Stadt Klötze, gibt es genug. Und der erste Arbeitstag war nur der Aufgalopp. Weitere werden folgen. Angst und bange ist Bartels davor nicht.