Schwarzendamm l „We love Darts“ steht auf dem T-Shirt von Matthias Licht aus Schwarzendamm. Das beste Geschenk hat sich der Bankkaufmann zu seinem 50. Geburtstag wohl selbst gemacht. Gemeinsam mit seinen Söhnen Louis (15) und Julian (19) verfolgte Matthias Licht die Darts-Weltmeisterschaft in London als Zuschauer. Live. Im legendären Alexandra Palace, der „Ally Pally“ genannt wird. Das Gebäude im Norden der Stadt wurde 1873 errichtet, seit 2007 trägt die Professional Darts Corporation (PDC) dort ihre WM aus.

Stars der Szene sind Millionäre

Spötter halten Darts vielleicht für eine Freizeitbeschäftigung von zumeist übergewichtigen Kerlen, die mit drei kleinen Pfeilen auf eine runde Scheibe werfen. Doch aus dem Kneipenspiel ist längst eine Trendsportart geworden. Die Stars der Szene sind umjubelte Multimillionäre. Am Neujahrstag wurde der Niederländer Michael van Gerwen zum dritten Mal Weltmeister und kassierte für seinen Finalsieg gegen den Engländer Michael Smith ein Rekordpreisgeld von 500.000 Pfund (rund 550.000 Euro).

„Wir sind riesige Fans“, betont Julian Licht. Der Verwaltungsfachangestellte ist Mitglied der vor einem Jahr gegründeten Darts-Sparte in Neuferchau und nahm 2018 sogar an einem Turnier mit mehr als 100 Teilnehmern in Hildesheim teil. Die Leidenschaft für das Spiel haben er und sein Bruder sicher vom Vater übertragen bekommen. Der begründete die Passion vor einiger Zeit, als er sich stets am 30. Dezember mit seinen Kumpels Sven Köneke aus Immekath sowie den Ristedtern Holger Reuschel und Thomas Reiche zum Darten traf. Mal in Schwarzendamm, mal in Ristedt. Aus Jux, weil es Spaß macht.

Schönes Hobby

Da erscheint es logisch, dass im Hause Licht oft und gerne gedartet wird. Fast überall hängen Scheiben und Souvenirs. „Das ist einfach ein schönes Hobby. Und bestimmt günstiger als Angeln“, meint Matthias Licht, der seinen Söhnen beim Darten mittlerweile unterlegen ist.

Seit einigen Jahren wird die Darts-WM auf Sport 1 (früher: DSF) im frei empfangbaren Fernsehen übertragen. Infolgedessen wuchs das Interesse bei Matthias Licht und seinen Söhnen stetig an. Sie verpassten kaum ein Spiel und waren schon vom bloßen Zugucken fasziniert. Vor allem die einmalige Atmosphäre im restlos ausverkauften Alexandra Palace, die locker mit jedem Fußballstadion mithalten kann, imponierte ihnen. Das wollten sie einmal aus nächster Nähe erleben. Bereits 2017 war Matthias Licht mit Julian in London zugegen, damals hatten sie Karten für einige Achtelfinals und die Runde der letzen Acht.

Stimmung im Publikum ist grandios

Dieses Mal kam auch Louis mit. Am 28. Dezember flogen sie von Hamburg aus in die englische Metropole und blieben dort bis zum 31. Dezember. Um überhaupt eine Chance auf die begehrten Karten zu haben, schloss Julian ein Abo bei der PDC ab und ergatterte Tickets für den Familienblock. Kostenpunkt: je 64 Pfund, das sind umgerechnet gut 72 Euro. Nicht die besten Plätze, weil seitlich zur Bühne gelegen, aber immerhin.

„Pro Session sind 3500 Leute im Ally Pally. Die Stimmung ist grandios“, berichtet Louis Licht, erinnert sich an die lauten Gesänge des Publikums, das geschätzt zu 50 Prozent aus Holländern und Deutschen besteht und zur anderen Hälfte aus Briten. Sein Papa pflichtet ihm bei: „Das muss man erlebt haben.“ Zwar fand er es 2017/18 generell besser, weil die Spiele mehr Qualität hatten, aber auch die Duelle zwischen Favoriten und Außenseitern sind für ihn reizvoll. In diesem Jahr mussten nach der zweiten Runde bereits 15 der 32 gesetzten Akteure ihre Koffer packen, darunter auch Mit-favoriten wie Peter Wright und Raymond van Barnefeld.

Wiedersehen ist geplant

Besagter Wright ist übrigens der Liebling von Julian Licht. Der Schotte ist für seine schrillen Frisuren und bunten Outfits bekannt. Sein Bruder Julian hält es dagegen mit Michael van Gerwen. Indes ist Papa Matthias immer noch ein bisschen traurig darüber, dass sein großes Idol Phil Taylor (Spitzname: „The Power“) die Karriere nach 16-WM Titeln am 1. Januar 2018 beendet hat.

Die Schwarzendammer waren bei der Darts-WM nicht nur Augenzeugen der Viertel- und Halbfinals, sondern machten auch eine Stadtrundfahrt. Außerdem besichtigten sie die Fußball-Arena von Chelsea London. Und natürlich durfte auch ein Abstecher zu Steve, ein Kneipenwirt, den Matthias Licht 2017 kennengelernt hatte, nicht fehlen. „Wir haben ihm versprochen, dass wir nächstes Jahr wiederkommen“, sagt Matthias Licht. Es wird also ein Wiedersehen mit dem „Ally Pally“ und den besten Darts-Spielern der Welt geben.