Klötze l Die Welt sieht plötzlich ganz anders aus, wenn man sie vom Beifahrersitz eines Feuerwehr-Tanklöschfahrzeugs aus betrachtet. Schaut man durch die riesige Windschutzscheibe des Lastwagens nach draußen, macht die Breite Straße in Klötze ihrem Namen plötzlich überhaupt keine Ehre mehr. Sie erscheint eher so schmal wie ein Fahrradweg.

Geht es mit dem roten Laster jedoch in enge Wohnstraßen, kriegt das ungeübte Auge beim Blick durch die Scheibe Panik. Es erscheint eigentlich unmöglich, ohne Blechschäden vorwärts zu kommen. Die Spur kann kaum breiter als das Feuerwehrauto selbst sein. Links und rechts parken Autos. Auf der einen Seite stehen die Fahrzeuge halb auf dem Gehweg, halb auf der schmalen Straße. Kommt doch noch jeder durch, werden sich die Fahrer der Wagen gedacht haben, als sie sie so für die Nacht abgestellt haben.

Auch Platz für Rettungswagen

Tatsächlich schafft es das Feuerwehrauto durch die Engstellen. Doch Matthias Veit, der am Steuer des Tankers sitzt, muss sich sichtlich konzentrieren und die großen Außenspiegel seines Einsatz-Fahrzeuges im Blick haben. Schnell geht es nun nicht mehr vorwärts. Bei Falschparkern hilft eben auch kein Blaulicht. Wäre dies eine echte Einsatzfahrt, wäre wertvolle Zeit verloren gegangen. Zeit, die vielleicht über Leben und Tod entscheiden kann.

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Zum Glück war Matthias Veit, der Klötzer Stadt- sowie Ortswehrleiter ist, nicht auf dem Weg zu einem Brand oder Unfall. Blaulicht und Martinshorn blieben aus. Mit der Fahrt durch die Purnitzstadt demonstrierte er, mit welchen Problemen es die ehrenamtlichen Klötzer Brandbekämpfer manchmal zu tun bekommen, wenn sie mit ihren Einsatzfahrzeugen auf den Straßen der Stadt unterwegs sind.

Slalom-Parcours für Retter

Dass es Probleme mit zugeparkten Straßen und falsch abgestellten Autos gibt, ist regelmäßig im Klötzer Ortschaftsrat zu hören. Wie wirkt sich das auf die Arbeit der Feuerwehr aus, wollte die Volksstimme wissen und fragte bei den Klötzer Kameraden nach. Matthias Veit und Zugführer Stefan Lange, der für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, schilderten im Gespräch ihre Erfahrungen. Tatsächlich gibt es einige Engstellen in der Stadt, die aus Sicht der Einsatzkräfte für Probleme sorgen. Als Beispiele nannte Stefan Lange unter anderem die Straße Kapellenberg, die Bergstraße und die Salzwedeler Straße. Letztere sei besonders stadteinwärts problematisch, da am rechten Fahrbahnrand häufig Autos in einer langen Reihe geparkt sind. „Da muss man einmal auf der anderen Straßenseite fahren“, wusste er aus Erfahrung. Relativ eng gehe es auch in der Friedensstraße zu. Aufgrund von Bauarbeiten gilt dort aktuell ein Parkverbot. „Sonst zirkelt man von links nach rechts.“ Ähnlich sieht es am Kapellenberg aus, den auch viele Autofahrer als echten Slalom-Parcours kennen dürften. Dort sind die Autos abwechselnd in kleinen Reihen mal auf der einen, mal auf der anderen Straßenseite geparkt. Mit einem Pkw gestaltet sich das Durchkommen schon schwierig. Mit einem Lkw wird es nicht besser. Nur langsam rollt der rote Tanker an den Hindernissen auf vier Rädern vorbei.

Kommt es dort zum Ernstfall, kann es heikel werden. „Am Kapellenberg würden wir es gerade schaffen, auszusteigen“, machte Stefan Lange deutlich. Denn dass die abgestellten Autos die Einsatz-Fahrzeuge der Feuerwehr ausbremsen, ist nur eine Seite der Medaille. Manchmal behindern sie die Brandbekämpfer aber auch am Einsatzort bei ihrer Arbeit. „Es geht um die Sicherheit der Bürger“, machte Matthias Veit deutlich. Wird es auf der Straße zu eng, kommen die Kräfte im schlechtesten Fall nicht an die dringend benötigten Werkzeuge und Geräte, die hinter Klappen und Türen im hinteren Bereich einiger Fahrzeuge verstaut sind. Ein paar Meter Platz müssen ringsherum bleiben. Ist das nicht der Fall, muss das Feuerwehrauto woanders abgestellt und die Ausrüstung dann im Zweifelsfall über viele Meter zum Einsatzort getragen werden. Damit gehen wieder Zeit und Kraft der Retter verloren. Ohne ausreichende Fläche kann auch die Drehleiter nicht zum Einsatz kommen. Denn das Fahrzeug steht auf Stützen, die links und rechts abstehen. Wie viele Fahrzeuge rausfahren, hängt von der Art des Einsatzes ab, in der Regel seien es drei. Coronabedingt dürften aktuell jedoch weniger Kräfte in den Autos sitzen. Also werde häufig ein weiteres Fahrzeug eingesetzt.

Gaffer werden zum Problem

Reicht der Platz am Einsatzort hingegen, müssten die Feuerwehr-Fahrzeuge mit Bedacht abgestellt werden. Parke man sie eng in einer Reihe, könnte das Problem auftreten, dass man nicht mehr schnell wegkommt, nannte Matthias Veit als Beispiel. „Wir müssen auch Platz für Rettungswagen lassen“, ergänzte Stefan Lange. Oder für nachrückende Kräfte, die im Laufe des Einsatzes zum Ort des Geschehens eilen. „Das muss der Einsatzleiter alles im Kopf haben“, erklärte Matthias Veit. „Ist der erste Angriff gestartet und liegen die Leitungen, wird nichts mehr aus dem Umsetzen der Fahrzeuge“, so der Wehrleiter. Und dann versperren vielleicht noch Schaulustige den Weg. Auch die gibt es in Klötze, berichtete Stefan Lange aus Erfahrung. Als Beispiel nannte er eine eigentlich unspektakuläre Türöffnung, zu der die Kameraden kürzlich gerufen worden sind. „Nach wenigen Minuten standen fünf Leute da und guckten zu.“

Für Behinderung sorgen manchmal nicht nur geparkte Autos. Einige Fahrer würden beim Erblicken der Feuerwehrautos, die mit Blaulicht unterwegs sind, einfach auf die Bremse treten. Nur ist das nicht unbedingt hilfreich für die Retter. „Abruptes Anhalten stört. Wenn sich in der Stadt plötzlich alles staut, geht es auch für uns nicht mehr weiter“, betonte Matthias Veit. In der Stadt sei das das Ungünstigste, was passieren könne. Manchmal sei es besser, weiterzufahren und die Feuerwehr an geeigneter Stelle vorbeizulassen. Die Autofahrer müssten auch nicht über Bordsteine fahren und dabei ihre Autos kaputtmachen, um Platz zu machen. Gesunder Menschenverstand sei gefragt und ein Blick für die Lücke. „Die Leute müssen auch an sich denken, dass sie vielleicht auch mal in eine Notsituation kommen könnten“, appellierte der Wehrleiter an die Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmer. „Das betrifft ja auch den Rettungsdienst“, fügte Stefan Lange hinzu. „Wir hatten schon mal die ein oder andere Gefahrenbremsung“, sagte Veit. Von einem Unfall auf einer Alarmfahrt sei ihm bis jetzt nichts bekannt.