Böckwitz l „Alle Augen warten auf dich und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit.“ Dieser Psalm war am Dienstag das Motto beim Erntedankgottesdienst auf dem Gelände des Böckwitzer Museums. In der Festschrift war das Foto eines Mädchens zur sehen, das genüsslich in eine Birne beißt. Der erfrischende Duft und das saftige Fruchtfleisch seien etwas Einzigartiges, sagte Pastor Andreas Salefsky aus Zasenbeck. Vieles, so meinte er, sei in der heutigen Zeit zur Selbstverständlichkeit geworden. Eine warme Wohnung, fließendes Wasser, Elektrizität und vor allem ein voller Kühlschrank. Die Gesellschaft kenne es nicht anders. Doch das sei längst nicht immer so gewesen, betonte Salefsky und verwies auf die Nachkriegszeit. Er selbst sei in Ost-Berlin aufgewachsen und damals von seiner Mutter beauftragt worden, an den Bahndämmen Brennesseln zu schneiden, um wenigstens ein bisschen was in den Magen zu bekommen. Wenn jemand vorbeikam, so Salefsky, dann schämte er sich und behauptete, die Brennesseln seien für den Hund.

Kollekte für Tafel

Zugleich erinnere ihn das Bild vom Mädchen und der Birne an Herrn Ribbeck auf Ribbeck im Havelland. In dem bekannten Gedicht von Theodor Fontane geht es um einen Gutsherrn, der für seine Mitmenschen ein Herz hat und Birnen verteilt. Sein Sohn hingegen war von einem anderen Schlag. Also verfügte der alte Ribbeck, dass man ihm eine Birne in sein Grab legen solle. „Und die Jahre gingen wohl auf und ab, längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab. Und in der goldenen Herbsteszeit, leuchtet‘s wieder weit und breit. Und kommt ein Jung‘ übern Kirchhof her, so flüstert‘s im Baume: ‚Wiste ne Beer‘. Und kommt ein Mädel, so flüstert‘s: ‚Lütt Dirn, kumm man röwer, ick gew di ne Birn.‘ So spendet Segen noch immer die Hand, des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.“

Salefsky bat die Gesellschaft darum, sich daran ein Beispiel zu nehmen und die Armen mit Achtung und Respekt zu behandeln. Die Kollekte soll an die Tafel-Ausgabestelle in Jahrsteht gehen.