Kusey l 80 Jahre hat die Kuseyer Kirche auf dem „Buckel“, und in dieser Zeit hat das Gotteshaus viel gesehen. Dass der Bau in den 1930er Jahren keine Selbstverständlichkeit war, davon zeugen originale Bauanträge und andere Dokumente, die Andreas Gericke zum Teil in einer kleinen Ausstellung im Eingangsbereich der Kirche zeigte. Darin ist ersichtlich, dass die NSDAP, die Partei der Nationalsozialisten, einen Kirchenneubau ablehnte. Über das Verbot setzten sich aber einige Kuseyer hinweg. Sogar ein Original der „Festfolge zu der Einweihungsfeier der evangelischen Kirche in Kusey am 14. Juli 1938“ konnten die Besucher sich ansehen. Analog in Schrift und Diktion der damaligen Zeit ist eine Festfolge zum 80-jährigen Jubiläum der Kirche verteilt worden.

„Die Baukosten belaufen sich auf 35.000 Reichsmark“, heißt es in dem Bauantrag. „Davon entfallen auf Arbeitslöhne an der Baustelle rund 14.000 Reichsmark...“ In der noch erhaltenen Baubeschreibung ist zu lesen: „Der Bau ist in seinem einfachen architektonischen Aeußeren der bodenständigen Bauweise (Fachwerk), der Umgebung und den verfügbaren, verhältnismässig geringen Geldmitteln angepasst... Die Kirche soll als Fachwerksbau aus 14/20 cm strk. Säulen und ebenso starken Riegeln hergestellt werden... Als Schutz gegen aufsteigende Erdfeuchtigkeit ist eine horizontal Isolierung des Mauerwerks aus Isolierpappe ca. 30 cm über Erdoberkante vorgesehen.“

Pfarrer Bernd Schulz machte in seiner Predigt darauf aufmerksam, dass die Kirche auf den Tag genau vor 80 Jahren mit 400 Gästen eingeweiht worden war. „Pfarrer Bein in Klötze unterschrieb damals sämtliche Papiere mit ,Heil Hitler‘.“ Fast zeitgleich sei ein anderer Pfarrer aus der Region von den Nazis drei Tage gefoltert worden, machte Bernd Schulz auf die Situation damals aufmerksam. „Die NSDAP wollte den Neubau der Kirche verhindern. Doch Gemeindekirchenrat und Bürgermeister Martin Schulz setzten sich darüber hinweg.“ Sie hätten das Verbot lediglich zur Kenntnis genommen, aber nicht befolgt. „Eine mutige Entscheidung“, betonte der Pfarrer. „Ihre Standhaftigkeit sollte uns zur Mahnung dienen.“ Mit der Kirche hätten sie einen Ort schaffen wollen, an dem Gottes Wort verkündet werde. Die Jahrzehnte seither sollen Zeugnis ablegen von dem, was Kirche aushält.

Pfarrer Schulz erinnerte an die mit großem Aufwand Anfang der 1990er Jahre betriebene Rekonstruktion der Kirche. 20.000 Euro hätten die Kuseyer in späteren Jahren für die Sanierung des Kirchturms gespendet. Bernd Schulz stellte die Frage nach dem Sinn der Kirche heute. „Sie müssen entscheiden: Ist die Kirche ein Denkmal oder kann sie wieder zu einem Ort werden, an dem sich die Gemeinde unter Gottes Wort gerne versammelt?“

Für einen würdigen musikalischen Rahmen der Jubiläumsfeier sorgte der Kuseyer Männerchor Concordia unter der Leitung von Andrea Jürges. Die Männer sangen das Drömlingslied, Glocken der Heimat und Still ruht die Welt. Nach dem Gottesdienst verbrachten die Gäste gemütliche Stunden bei Kaffee und Kuchen im Schatten der Kirche.