Quarnebeck l Stehlampen, Sessel und Sofas – wie ein gemütliches Wohnzimmer war der Platz am Quarnebecker Schützenhaus hergerichtet. Anders als daheim in der guten Stube, fehlten aber die vier Wände und das Dach über dem Kopf. Und der Fernseher. Vermisst hat die Flimmerkiste am Freitagabend aber garantiert niemand. Denn für beste Unterhaltung sorgte die Band Nobody Knows mit ihrer Musik, die eine Mischung aus deutscher Folklore, Country, Polka und irischer Musik ist. Mit dem Open-Air-Wohnzimmerkonzert wurde das „RoQ keeps equality“-Festival in Quarnebeck eingeläutet, das ganz im Zeichen des zehnjährigen Geburtstags der Veranstaltungs-Reihe stand. Rund 400 Gäste hatten die Organisatoren der Jungen Gemeinschaft Altmark (JGA) am ersten Abend gezählt. Viele kamen am Sonnabend noch einmal dazu.

„Einen besseren Auftakt kann es nicht geben“, zog Verena Treichel vom Organisationsteam im Gespräch mit der Volksstimme eine Bilanz zum Eröffnungsabend. Bis in die frühen Morgenstunden sei auf dem Gelände gefeiert worden. Und trotzdem seien viele vom Team schon wieder gegen 7 Uhr vor Ort gewesen, um den zweiten Tag des Festivals vorzubereiten. Denn gleich am Vormittag ging das Spektakel mit dem Familienfest weiter, das von der JGA in Zusammenarbeit mit mehreren Vereinen und Institutionen aus der Region auf die Beine gestellt wurde. Ohne die Unterstützung gehe dabei gar nichts. Ehrenamtliche würden am Sonnabend ihre Zeit investieren, um den Kindern etwas anbieten zu können, lobte Verena Treichel das Engagement. Die erste Ausgabe gab es vor zwei Jahren, ebenfalls in Quarnebeck. „Das Familienfest passt zur Entwicklung“, so Treichel. Denn in den vergangenen zehn Jahren gab es bei vielen Mitgliedern schon Familienzuwachs.

Regenschauer sorgt für Unterbrechung

Am Sonnabend wurde den kleinen und großen Besuchern dabei einiges geboten: Für die musikalische Unterhaltung sorgte die Gruppe Chapeau, es wurde genäht, gebastelt und gemalt, Tiere aus dem Wald konnten beim Glücksrad benannt werden, zum Toben stand eine Hüpfburg bereit, Kameraden von der Feuerwehr erklärten ihr großes Einsatzfahrzeug.

Improvisiert worden sei bei dem Wasserspielplatz und bei der Festivaldusche, durch die die Besucher laufen konnten, um sich abzukühlen. Überflüssig wurde das allerdings am frühen Nachmittag, als ein heftiger Regenschauer, der von Blitz und Donner begleitet wurde, Teile des Geländes unter Wasser setzte. Als die grauen Wolken verschwunden waren und die Sonne wieder strahlte, gab es so für die Kinder, die durch die riesigen Pfützen liefen, gleich noch eine neue Attraktion.

Fünf Bands

Bis zum Abend war das Wasser wieder verschwunden und so konnte schließlich Runde drei des Festivals beginnen. Zum Beben brachten die Jungs von „My Best Antic“ aus Dresden den Boden vor der Bühne mit ihren rockigen Gitarren- und Schlagzeug-Klängen. Nach dem Trio „The Electric Coast“ gehörten die Musiker zur zweiten von insgesamt fünf Gruppen, die bis spät in die Nacht auf der Bühne standen. Stündlich wurde gewechselt, mit dabei waren noch die „Hafensaengers“, „Alex Mofa Gang“ und „Kolari“. Im Laufe des Abends füllte sich der Bereich vor der Bühne immer mehr mit Musik-Fans. Besucher, die selbst zum Mikro greifen wollten, konnten dies im Karaoke-Bus, einem alten Barkas, der mit entsprechender Technik ausgestattet wurde, tun.

Gegen 4 Uhr morgens, so blickte Verena Treichel am Sonnabendnachmittag voraus, werde wohl Schluss sein. Am Sonntag sollte der Abbau beginnen. Insgesamt, so schätzte sie, bekamen die Mitglieder des Teams wohl nur wenig Schlaf am Wochenende. „Priorität hat das Festival“, sagte Treichel und ergänzte, dass alles laufen müsste. So mancher habe sogar seinen Urlaub geopfert, um beim Auf- und Abbau mit anpacken zu können. Wie viele Mitglieder zum Organisationsteam gehören, lasse sich gar nicht sagen. Das sei immer offen.

In zwei Jahren geht es weiter

Neue Gesichter seien in der JGA immer gerne gesehen. Alle, die gern lernen möchten, wie man Bands bucht, Flyer gestaltet oder Stände baut, könnten mitmachen. Zu tun gebe es reichlich. Schon kurz nach dem Abbau würden die Planungen für die nächste Veranstaltung beginnen. Das RoQ-Festival findet alle zwei Jahre in Quarnebeck statt, so Treichel. Dort ist vor gut zehneinhalb Jahren in einem Jugendraum auch die Idee dazu entstanden. Die Musik sei als kleinster gemeinsamer Nenner ausgemacht worden, um Menschen an einem Ort zusammenzubringen. „RoQ ist ein Quarnebecker Thema“, so Verena Treichel. Deshalb werde der Name auch mit „Q“ geschrieben. In zwei Jahren wird es in dem Ort also weitergehen. Dazwischen findet das „Open Yeah“ statt, mit dem die Veranstalter durch die Region reisen. Zuvor wird es aber erst einmal eine Feier für das Team und die Helfer geben, als Dankeschön und Abschluss des diesjährigen Festivals.