Klötze l Draußen am Feuerwehrauto heißt es für die Brandbekämpfer: Masken aufsetzen. Damit jeder aus der Gruppe sieht, welche Ausrüstüngsgegenstände Zugführer Stefan Lange an den geöffneten Klappen des Fahrzeugs erklärt, müssen alle dichter zusammenrücken. Vor ein paar Monaten wäre das kein Problem gewesen. Doch in Zeiten von Corona läuft ja erfahrungsgemäß einiges anders. Das gilt auch für die Ausbildungsdienste bei der Klötzer Ortsfeuerwehr. Da heißt es nun: Wird ein Mindestabstand von 1,50 Metern zwischen den Kameraden unterschritten, muss ein Mund-Nasen-Schutz angelegt werden. Das ist nicht die einzige neue Regel, die zu beachten ist, erfuhr die Volksstimme am Freitagabend, als sie eine Ausbildung am und im Klötzer Gerätehaus besuchte.

Solche Dienste waren lange Zeit coronabedingt überhaupt nicht möglich. Seit zwei Wochen dürfen sie bei den Ortsfeuerwehren in der Einheitsgemeinde wieder stattfinden. Bei der Klötzer Feuerwehr stand am Freitag der zweite Dienstabend nach der Zwangspause auf dem Programm, berichtete Stefan Lange, der auch für die Öffentlichkeitsarbeit der Ortswehr zuständig ist. Bei der ersten Veranstaltung gab es eine Einweisung in die Hygieneregeln und einen Überblick über die Vorgaben von der Stadt, die umgesetzt werden müssen. „Am 13. März hatten wir unseren letzten Ausbildungsdienst vor der Pause“, wusste Stefan Lange. Mehr als drei Monate lang konnten die Feuerwehrleute also nicht in der Gruppe ihr theoretisches und praktisches Wissen auffrischen.

Vegetationsbrände als Thema

Wenn sie im Notfall gebraucht wurden, rückten die Brandbekämpfer in der Zeit aber natürlich aus. „Wir hatten nicht so viele Einsätze“, blickte der Zugführer im Gespräch mit der Volksstimme zurück. Da kann die Routine schon mal kurz verloren gehen. „Manchmal läuft man einmal mehr ums Auto, um zu gucken, wo was ist“, nannte er ein Beispiel. Doch das sei eine Sache von wenigen Sekunden, die Handgriffe kämen schnell wieder ins Gedächtnis. „Das ist wie Fahrrad fahren, das verlernt man nicht“, sagte Stefan Lange.

Am Freitag stand die Bekämpfung von Vegetationsbränden als erstes Feuerwehr-Thema nach der Pause auf dem Plan. „Das passt gut in die Jahreszeit, wir hatten kürzlich schon einen brennenden Häcksler“, sagte Lange. Mit Blick auf die Ausbildung ergänzte er: „Wir achten auf einen Mindestabstand von 1,50 Metern untereinander.“ Zunächst gab es einen Theorieteil in der großen Fahrzeughalle. Alle Teilnehmer standen weit auseinander, während Lange Waldbrandeinsatzkarten erklärte, die an der Wand hingen.

Keine Austritte wegen Corona

Anschließend ging es nach draußen, um die vorhandene Technik aus dem Feuerwehrauto zu zeigen. Da schrumpfte der Abstand zwischen den Brandbekämpfern, daher setzten sich alle Masken auf. Auch bei Einsätzen habe jeder eine solche dabei und lege sie an, wenn etwa für den Rettungsdienst Menschen getragen werden müssen. Denn dann könne der vorgeschriebene Abstand nicht garantiert werden. Sonst achte man bei Einsätzen immer darauf, weit genug auseinander zu stehen.

Abstand halten die Kameraden ebenfalls in den Fahrzeugen, wenn sie im Notfall zum Ort des Geschehens eilen. „Die Fahrzeugbesatzungen sind noch reduziert. Das bleibt weiter bestehen“, sagte Stefan Lange. Diese Regelung war vor Wochen zum Schutz vor dem Coronavirus eingeführt worden. Meldet der Pieper einen Alarm, kämen noch genauso viele Kräfte wie vor Corona zum Gerätehaus, lobte Stefan Lange. Nicht immer können alle mitfahren, da es jetzt weniger Plätze in den Autos gibt. Austritte seien in der Klötzer Wehr durch die Krise nicht zu verzeichnen.

Die Ausbildungen erfolgen in Klötze immer freitags in der Zeit von 19 bis 21 Uhr, andere Ortswehren in der Stadt hätten einen anderen Rhythmus. Dabei tragen die Teilnehmer ihre Einsatzkleidung. Damit es vor den Spinden nicht zu eng wird, wartet man beim Umziehen, bis andere fertig sind, um den Abstand einzuhalten. Untersagt habe die Stadt, dass alle nach den Diensten zusammensitzen, um sich zu unterhalten. „Früher haben wir im Anschluss eine Bockwurst gegessen“, berichtete Stefan Lange. Geht da nicht das Kameradschaftliche in der Truppe verloren? Man sehe sich ja trotzdem und die Einschränkungen haben einen ernsten Hintergrund, so Lange. Schwer falle es manchmal, gewisse Angewohnheiten abzulegen. „Früher haben wir uns alle zur Begrüßung beim Reinkommen die Hände geschüttelt, das machen wir nicht mehr.“

Ein großes Thema ist die Hygiene. Gleich am Eingang gibt es Spender mit Desinfektionsmittel. Wer ins Gerätehaus kommt, muss sich in eine Liste eintragen. Für die Ausbildungen gibt es extra Anwesenheitslisten, die auch schon vor der Corona-Krise geführt wurden. Diese werden aufbewahrt. „Die Dienste sind jedes Mal drei Tage vorher bei der Stadt anzumelden“, sagte Lange. So könne die Reinigung der Sanitäranlagen im Gebäude organisiert werden. Auch einen Ausbildungsplan reiche man ein. Einzelduschen stehen zur Verfügung. Für die Kinder- und Jugendwehren in der Einheitsgemeinde Stadt Klötze finden übrigens bis nach den Sommerferien keine Dienste statt, informierte Bürgermeister Uwe Bartels im Hauptausschuss.