Siedengrieben l Noch gibt es 40 Feuerwehren in der Verbandsgemeinde (VG) Beetzendorf-Diesdorf. Doch mit der Siedengriebener Wehr könnte schon bald eine weitere Brandschutztruppe ihre Eigenständigkeit verlieren. Ortswehrleiter Marco Zander, der seit sechs Jahren an der Spitze steht, steht nicht für eine weitere Amtszeit zur Verfügung. Führungskräfte, die in die Lücke springen könnten, sind nicht in Sicht.

In seinem letzten Bericht als Wehrleiter malte Zander während der Jahreshauptversammlung ein deprimierendes Bild vom Zustand der Truppe, deren Leitung ihm immer Spaß gemacht habe. Zwar habe man sich durch ein neues Mitglied auf ein Durchschnittsalter von 45,1 Jahre verjüngt und habe sieben aktive Truppmänner, vier Truppführer, je einen Gruppenführer, Maschinisten, Atemschutzgeräteträger und zwei Kameraden mit dem absolvierten Lehrgang Technische Hilfe in den Reihen. Doch wurden im vergangenen Jahr weder Lehrgänge besucht noch habe sich die Beteiligung an den Diensten gebessert.

Beteiligung immer geringer

„Im Gegenteil: Die Beteiligung ist nochmal nach unten gegangen. Höhepunkt war im Juli, als nur zwei Kameraden kamen. Das war sehr enttäuschend“, beklagte sich Zander. Auch bei den Alarmierungen, 2018 immerhin sieben, sei es vorgekommen, dass sich niemand am Gerätehaus einfand. „Die Dienstbeteiligung spiegelt sich beim Verhalten im Einsatz wider. Es kann doch nicht sein, dass, wenn der Pieper geht, zum Telefon gegriffen und gefragt wird: ‚Was sollen wir jetzt tun?“, meinte der Wehrleiter.

Ganze 14 Kameraden waren bei allen sieben Einsätzen 157 Minuten in Aktion. Dazu kamen gemeinsame Ausbildungseinheiten mit Stapen und Beetzendorf, bei denen der Aufbau von langen Wegestrecken geübt wurde und Veranstaltungen für das Dorf wie das Neujahrs- und das Osterfeuer.

Ausbildung mangelhaft

Marco Zander begründete seinen Rückzug vom Wehrleiteramt damit, dass er es für sich nicht weiter verantworten könne. „Die Situation ist oft genug angesprochen worden, aber sie hat sich nicht gebessert. Einige sind schon über Monate, wenn nicht Jahre nicht mehr zu den Diensten erschienen“, erklärte der scheidende Feuerwehrchef.

Mahnende Worte gab es auch von Johannes Fritsche, der die Abordnung der Beetzendorfer Wehr anführte. „Wenn ich das sehe, dass im Einsatzfall die nötige Ausbildung nicht da ist, wird mir angst und bange. Die Kameraden werden damit zu einer Gefahr für sich selbst und für diejenigen, mit denen sie ausrücken“, zeigte sich der Beetzendorfer entsetzt.

Entscheidung fällt in Sondersitzung

Verbandsgemeinde-Bürgermeister Michael Olms sprach ebenfalls von einer schwierigen Situation, in der sich die Siedengriebener Wehr befinde. „Basis ist die Ausbildung. Wenn die erforderlichen 40 Dienststunden nicht abgeleistet sind, kann ich die Wehr nicht rausschicken, weil dann auch kein Versicherungsschutz besteht“, erklärte er. Die Teilnahme an den Diensten sei somit auch eine Art Selbstschutz für die Kameraden.

Ob die Siedengriebener Wehr noch „die Kurve kriegt“, wie es Henning Müller, Ortsbrandmeister der Partnerfeuerwehr Groß Süstedt, den Kameraden wünschte, ist zweifelhaft. Während der Jahreshauptversammlung gab es jedenfalls niemanden im Raum, der die Initiative ergriff und einen Ausweg aus der Krise aufzeigte. So kommt jetzt alles auf die von Olms angekündigte gesonderte Zusammenkunft in den nächsten Tagen an, in der entschieden werden soll, wie es weiter geht. Wahrscheinlichste Lösung: Die Wehr verliert ihre Eigenständigkeit und wird als Löschgruppe der Beetzendorfer Feuerwehr angegliedert.