Klötze l Über Jahrzehnte hinweg war Roland Gille das Gesicht des Klötzer Waldbades. Am Montag ist sein letzter Arbeitstag. Der Nachfolger steht bereits in den Startlöchern. Sein Name: Thorsten Sierck. Er ist 55 Jahre alt und kommt aus Wittingen. Sein beruflicher Werdegang begann 1992 in Uelzen, führte ihn zuletzt nach Brome und nun in die Altmark. Am Freitag wurde Sierck von Bürgermeister Uwe Bartels und Hauptamtsleiter Matthias Reps vorgestellt.

„Wir machen das, um der Bevölkerung die Angst zu nehmen, dass es nach dem Ausscheiden von Herrn Gille nicht weitergehen könnte“, erklärte Reps. Der neue Schwimmmeister sei eine Woche lang von Gille, „der sich hier auskennt wie in seiner Westentasche“, eingearbeitet worden. Dadurch könne eine ordnungsgemäße Übergabe gewährleistet werden.

„Herr Gille geht jetzt in seinen wohlverdienten Ruhestand“, bedankte sich Bartels. Seit 1980 hatte Gille im Klötzer Waldbad gearbeitet, zunächst ehrenamtlich, ab 1992 in leitender Funktion, wobei er die Qualifikation zum Schwimmmeister nach der Wende erneuern musste, dieses Mal nach bundesdeutschem Recht.

Lange hatte sich die Stadt Klötze darum bemüht, seine frei werdende Stelle zu besetzen. Ein Dilemma, von dem viele Kommunen betroffen seien, wie es in der Runde unisono hieß. „Überall wird gesucht. Das Problem ist, dass am Wochenende keiner mehr arbeiten möchte“, vermutete Gille. Aufgrund des Personalmangels müssten in ganz Deutschland Hunderte Bäder geschlossen bleiben.

Letzte Formalitäten

Umso glücklicher, so sagte Bartels, sei die Stadt Klötze darüber, dass mit Sierck ein geeigneter Kandidat gefunden werden konnte. Der Wittinger stehe bereits seit dem 1. November 2019 unter Vertrag und sei zunächst für die Stadtwirtschaft rund um Kunrau im Einsatz gewesen. Nun werde er sich im Waldbad um die Saisonvorbereitung kümmern.

Doch damit nicht genug der Neuigkeiten. „Auch das Kunrauer Freibad wird aufgemacht“, kündigte Bartels an. So stehe die Suche nach einem Schwimmmeister kurz vor dem Abschluss, mit dem Bewerber seien nur noch letzte Formalitäten zu klären. Erst dann könne, um dem Datenschutz genüge zu tun, der Name bekanntgegeben werden. Somit wäre auch in Kunrau die Nachfolge geregelt, in diesem Fall für Rettungsschwimmer Fred Steffens, der im Dezember 2019 in Rente gegangen ist.

Möglicherweise, so deutete der Bürgermeister an, werde noch eine Saisonkraft eingestellt, um beide Schwimmmeister entlasten und auf etwaige Ausfälle reagieren zu können. In diesem Zusammenhang erwähnte Reps die Wasserwacht. „Toi, toi, toi, dass wir die in Klötze haben. Das ist Gold wert“, hob er hervor.

Sobald alle Personalien final geklärt sind, dürfte den Verantwortlichen eine Last von den Schultern fallen. Schließlich hatte sich die Stellenausschreibung über Monate hingezogen. Und die Öffentlichkeit bangte mit, sorgte sich, dass die Bäder geschlossen bleiben könnten. Immer wieder gab es Nachfragen in den politischen Gremien. Diese Zweifel sind nun vom Tisch.

Indes steht die Stadt Klötze vor der nächsten Herausforderung, muss mit einem defizitären Haushalt klarkommen. „Wir schauen überall, wo es Einsparpotenziale gibt“, sagte Bartels und schloss nicht aus, dass die Tarife für die Bäder erhöht werden. Die Verwaltung könnte vorschlagen, dass die Satzung geändert wird, entscheiden müsste dann der Stadtrat. Ob auch die Öffnungszeiten neu geregelt werden, ließ der Bürgermeister offen. Diese seien aber ohnehin flexibel und vom Wetter abhängig. Hier ist auch keine Satzung betroffen. In der Badeordnung heißt es lediglich, dass die Öffnungszeiten am Eingang der Bäder bekannt gemacht werden.