Unendlicher Streit

Gefahr für Schwiesauer Wassertretstelle wegen Diskussion über mögliche Sperrung eines Weges

Wie geht es an der Schwiesauer Wassertretstelle weiter? Diese Frage steht seit einigen Monaten im Raum. Der Ortschaftsrat wünscht, dass der Lockstedter Weg, der zu dem Ausflugsziel führt, für den öffentlichen Verkehr gesperrt wird.
Wie geht es an der Schwiesauer Wassertretstelle weiter? Diese Frage steht seit einigen Monaten im Raum. Der Ortschaftsrat wünscht, dass der Lockstedter Weg, der zu dem Ausflugsziel führt, für den öffentlichen Verkehr gesperrt wird. Foto: Tobias Roitsch

Schwiesau

Von Tobias Roitsch

Schöne Zeit in der Natur können die Besucher an der Schwiesauer Wassertretstelle verbringen. Die Eintragungen in den Gästebüchern würden belegen, dass sich die Leute über das Ausflugsziel im Grünen freuen, sagte der Klötzer Wilfried Schielke kürzlich im Gespräch mit der Volksstimme. Er ist Ehrenvorsitzender des Freundeskreises Altmärkische Schweiz. Der Verein hatte vor einigen Jahren die Tretstelle auf- und im Laufe der Zeit immer weiter ausgebaut. Dort gibt es nicht nur die Möglichkeit, durch das kühle Nass zu laufen. Bänke laden Ausflügler dazu ein, eine Rast einzulegen. Es ist ein friedlicher Ort der Erholung.

Weniger friedlich läuft hingegen der Streit über die Wassertretstelle ab, der seit November 2020 öffentlich geführt wird. Eigentlich geht es dabei gar nicht um das Ausflugsziel an sich, sondern um die Schotterpiste, die dorthin führt. Diese trägt den Namen Lockstedter Weg und führt vorbei an Feldern und am Wald. In Zukunft sollte der Weg nicht mehr von jedem befahren werden dürfen, da es kein öffentlicher Weg sei, so der Vorschlag des Ortschaftsrates und anderer Beteiligter. Mitgeteilt hatte das Schwiesaus Ortsbürgermeister Manfred Hille im November. Seitdem schlägt das Thema hohe Wellen. „Da es sich um den einzigen Zufahrtsweg zur Wassertretstelle handelt, würde das den Tod der Kneipp-Anlage bedeuten“, ist sich Wilfried Schielke vom Freundeskreis sicher.

Nur Wanderer, Radfahrer und Kremser-Ausflügler sollten die Tretstelle künftig ansteuern, lautete kürzlich der Vorschlag aus dem Ortschaftsrat. „Dies wäre im Sinne der Erhaltung unserer Schwiesauer Natur und des Schwiesauer Waldes und entspräche auch dem Zeitgeist in Anbetracht einer drohenden Klimakatastrophe“, hatte Manfred Hille in der jüngsten Zusammenkunft des Gremiums gesagt.

Unterschiedliche Interpretationen

Er kündigte außerdem an, dass die Klötzer Verwaltung eine Einigung am Runden Tisch anstrebe. Gespräche sollen geführt werden. Zu den Beteiligten würden neben der Verwaltung auch der Freundeskreis Altmärkische Schweiz, der Schwiesauer Ortschaftsrat, der Vorstand der Trägergemeinschaft des Bodenordnungsverfahrens, die Landeigentümer, ein örtlicher Agrarbetrieb, Jäger sowie Einwohner des Dorfes gehören, wie es hieß.

Für die Argumentation zieht der Ortschaftsrat das Landeswaldgesetz heran. Das Befahren der freien Landschaft mit Kraftfahrzeugen sei demnach verboten, es gibt aber Ausnahmen. Auf das Waldgesetz ging jetzt auch Wilfried Schielke ein und erklärte, wie er die Sache sieht. Der Ehrenvorsitzende des Vereins möchte zur „Beruhigung“ einige Korrekturen vornehmen, wie er mitteilte. Der Schwiesauer Ortschaftsrat sowie der Vorstand der Trägergemeinschaft des Bodenordnungsverfahrens hätten „nur eine beratende Funktion, die Entscheidung über die Befahrbarkeit des Lockstedter Weges trifft allein der Rat der Einheitsgemeinde Stadt Klötze“, fasste Schielke seine Sicht der Dinge zusammen. Dass in der Angelegenheit der Stadtrat das letzte Wort hat, hatte auch Manfred Hille bereits im November im Gespräch mit der Volksstimme gesagt.

Antrag an Vorsitzenden des Stadtrates übergeben

Schielke beruft sich auf die Ausnahmen, die das Landeswaldgesetz aus seiner Sicht für das Befahren des Lockstedter Weges zulasse. Demnach könne die zuständige Behörde, also die Stadt Klötze, eine Genehmigung zum Befahren erteilen, wenn „bei Abwägung die Interessen der Antragstellenden diejenigen der Grundbesitzer überwiegen“, wie es in dem Gesetzestext heißt, den Schielke zitierte.

Der Freundeskreis Altmärkische Schweiz habe einen solchen Antrag im Februar an den Vorsitzenden des Klötzer Stadtrates, Klaus Ewertowski, übergeben. „Die Antwort steht aber bis heute noch aus“, so Wilfried Schielke.

Der Ehrenvorsitzende sehe auch nicht, dass öffentliche Interessen einem Befahren des Weges entgegenstehen könnten. Wäre das der Fall, könnte wohl eine Genehmigung verweigert werden. „Im Gegenteil ist der Freundeskreis der Wahrer öffentlicher Interessen“, ist Schielke sich sicher.