Klötze l Monika Raapke aus Hohenhenningen ist verärgert. In einem Brief an die Volksstimme kritisiert sie, dass die Bibliothek bereits seit mehr als einem Monat wegen Krankheit geschlossen ist. Fast zeitgleich traf in der Redaktion aus dem Büro des Bürgermeisters die Mitteilung ein, dass die Buchausleihe noch bis voraussichtlich 12. November 2018 nicht genutzt werden kann.

Unter der Überschrift „Bibliothek und Bildungsauftrag“ schreibt Monika Raapke: „Früher waren zwei Mitarbeiterinnen beschäftigt, die sich bei Krankheit gegenseitig vertreten haben.“ Jetzt würde aber nur eine Bibliothekarin dort arbeiten. Eine Stellenausschreibung sei nach Meinung von Monika Raapke zudem zu spät erfolgt. „Frau Wienecke ging schon am 29. August in Rente. Es war also lange genug bekannt, dass die Stelle neu zu besetzen ist“, betont die Hohenhenningerin.

Und an Bürgermeister Uwe Bartels gerichtet, fragt sie: „Waren Sie schon einmal in der Bibliothek und haben sich die Arbeit der Angestellten dort angeschaut? Was ist mit den Fördermitteln?“ Es sei gut, dass die Stadt die Babys regelmäßig begrüßt. „Was ist aber, wenn sie größer werden und Nutzer der Bibliothek werden wollen? Die Stadt hat doch einen Bildungsauftrag.“

Mehrfach versucht nachzuhaken

Im Gespräch mit der Volksstimme berichtet Monika Raapke, dass sie bereits mehrfach im Rathaus deswegen angerufen habe. „Mit dem Ergebnis bin ich nicht zufrieden“, sagt sie deutlich. „Ich habe den Eindruck, man wird dort nicht ernst genommen. Ich bin entsetzt, dass es mit der Bibliothek so weit gekommen ist. Die Arbeit der Frauen wird den Bach runter gekehrt.“

Eines ist aber klar: Eine dauerhafte Schließung der Bibliothek ist keinesfalls beabsichtigt. Im Gegenteil. Doch die Gründe für die derzeitige Misere der Bücherei sind vielschichtig. Eine angestrebte interne Lösung ist rund eine Woche vor dem Ausscheiden der bisherigen Chefin Iris Wienecke, die in den Ruhestand wechselte, geplatzt.

Gespräche zur Neubesetzung der Stelle führte Hauptamtsleiter Christian Hinze-Riechers, der inzwischen aus dem städtischen Dienst ausgeschieden ist, bereits im März. Über eventuelle Abmachungen oder Zusagen gibt es aber offenbar keine Protokolle. Denn kurz vor dem beabsichtigten Wechsel kam es nach Informationen der Volksstimme zum Zerwürfnis der da schon neuen Verhandlungspartner: Beide Seiten fanden bei den Punkten Arbeitszeit und Gehalt nicht mehr zueinander.

Über eine Stellenausschreibung sollte deshalb sehr kurzfristig eine neue Bibliotheksleiterin gefunden werden, erläuterte Bürgermeister Uwe Bartels auf Anfrage der Volksstimme. Die Frist endet Anfang Oktober, acht Bewerbungen gehen im Rathaus ein. „Die sind inzwischen gesichtet worden“, berichtet Bartels. Es habe Vorgespräche gegeben. Noch in dieser Woche soll die Entscheidung fallen, wer den Chefposten bekommt. Allerdings machte der Bürgermeister darauf aufmerksam, dass es wegen bestehender Arbeitsverträge und anderer Dinge keinen „Soforteinsteiger geben wird“. Im Klartext: Es ist weiter unsicher, wann die Bibliothek wieder öffnet.