35 Teilnehmer aus 23 Ländern absolvierten internationales Seminar im Ökodorf Sieben Linden

Holzofenidee soll Nachhaltigkeit in Kongos Dörfer bringen

Von Dirk Andres

Poppau. "Dieser Kurs ist aus dem Erfahrungsschatz der weltweiten Ökobewegung entstanden", sagt Eva Stützel. Sie hat das internationale Seminar "Ecovillage Design Education" im Ökodorf Sieben Linden mit konzipiert und die 35 Teilnehmer aus 23 verschiedenen Ländern während ihrer Zeit in der Altmark betreut. Die Männer und Frauen aus Ländern wie Finnland, Italien, Kolumbien, Südafrika, Kongo aber auch China haben bereits erste Erfahrungen mit Nachhaltigkeitsprojekten gesammelt und haben während des vierwöchigen Seminars ihre Kenntnisse erweitert. Die Referenten gingen während ihrer Seminare auf die vier Dimensionen der Nachhaltigkeit ein: Soziales, Ökologie, Ökonomie und Kultur.

Erfahrungen in die Heimat mitgenommen

Die Motivation war für die Teilnehmer je nach Herkunft, sehr verschieden. "Jeder findet seine eigenen Lösungen, die für die jeweilige Region passen", erzählte Stützel. Während Teilnehmer aus Europa in ihren Ländern ähnliche Projekte wie das Ökodorf Sieben Linden verwirklichen wollen, geht es anderen Weltbürgern darum, Prinzipien der Nachhaltigkeit in ihren Dörfern umzusetzen. "Sie wollen nicht die Fehler der Modernisierung nachmachen, sondern nachhaltige Lösungen entwickeln", sagte die Projektbetreuerin.

Dieses Ziel verfolgt auch der 40-jährige Luca Lutala Kyad‘i aus dem Kongo. Während des Seminars hat er gelernt, wie ein Gemeinschaftsleben im Einklang mit der Natur aussehen kann. Ein wichtiger Faktor sei dabei die Mülltrennung. An so etwas sei in Afrika nicht zu denken. Beeindruckt war er auch von Komposttoiletten, die es an vielen Plätzen im Ökodorf gibt. Doch nicht nur das Mülltrennprinzip, sondern auch die Bauanleitung von effizienten Holzöfen wird er mit in den Kongo zurücknehmen. Teilweise werden Speisen in seinem Land noch über offenem Feuer erwärmt. Die aus Dosen gebauten Öfen seien viel effektiver und damit auch umweltfreundlicher.

Seine Erfahrungen aus Deutschland will er über die nationale Organisation "Hoffnung für Alle" auch als Trainer für andere Einheimische weitergeben. Afrika habe in vielen Bereichen Nachholbedarf. Das beginne bei keimfreiem Wasser und ende bei der Elektrizität, die es auf dem schwarzen Kontinent im Gegensatz zu Europa nicht flächendeckend gibt. "Mir ist bewusst geworden, dass wir die Natur respektieren müssen und wie man eine Gemeinschaft um diese Werte herum aufbauen kann", sagt der Kongolese.

Erfahrungen wurden den Teilnehmern nicht nur von Referenten vermittelt, sondern sie konnten sich auch gegenseitig austauschen. Außerdem teilten sie verschiedene Gewohnheiten und unterstützten sich dabei gegenseitig. "Ein Mann hat immer auf einen Ägypter mit dem Essen gewartet, damit er wegen des Ramadans nach Sonnenuntergang nicht allein speisen muss", erzählte Stützel. Den internationalen Kurs gibt es in Sieben Linden seit dem Jahr 2007. Er soll im nächsten Jahr fortgesetzt werden, um den Ökodorfgedanken auch in Zukunft in der Welt weiter zu verbreiten.