Öffnungen und Schließungen

Ja, was denn nun? Bundes-Notbremse stiftet auch in Klötze Verwirrung

Von Henning Lehmann
Thomas Wehmann darf sein Juweliergeschäft nur nach Terminvereinbarung öffen. Foto: Henning Lehmann

Altmarkkreis

Wie geht es in den Schulen des Altmarkkreises weiter? „Nichts Genaues weiß man nicht“, sagte zum Beispiel der stellvertretende Schulleiter der Lessing-Ganztagsschule in Salzwedel, Stefan Hübner gestern, 12 Uhr: „Nach aktuellem Stand sind wir auch noch Mittwoch im Wechselunterricht.“ Ob das so bleibt, wisse er aber nicht. „Die Hoheit liegt beim Landkreis.“ Der habe empfohlen, dass er sich auf der Kreishomepage informieren solle, wenn sich etwas ändere.

Für Hübner und sein Kollegium eine unbefriedigende Situation. Denn wenn es ab Mittwoch keinen Wechselunterricht mehr geben soll, hätte schon gestern begonnen werden müssen, die Eltern zu informieren. „Wir warten nur auf ein Signal.“ Das Kollegium sei entsprechend vorbereitet. Doch die Zeit werde knapp, denn die Abschlussprüfungen seien angelaufen, Lehrer dementsprechend eingebunden. „Wir hängen in der Schwebe.“ Eigentlich sei der heutige Tag als Karenztag gedacht. Da man aber nicht mehr wisse, verrinne wertvolle Zeit, um zu informieren. „Wir vertrödeln den Dienstag.“

Auch an der Perver-Grundschule wusste man zur Mittagszeit am Montag nicht, wie der Mittwoch aussehen wird. „Wir haben zwei Szenarien vorbereitet“, erklärte Schulleiterin Angela Ritter-Hundt. „Entweder wir machen mit Halbgruppen und Notbetreuung weiter oder nur noch Notbetreuung.“ Die Eltern würden wissen, dass sie sich auf der Internetseite der Grundschule belesen sollen. „Mittlerweile ist man zermürbt“, gesteht sie: „Wir bekommen den Frust der Eltern darüber ab.“

Am frühen Nachmittag wendet sich die Kreisverwaltung schließlich an ihre Schulen. Nach drei Tagen mit einem Schwellenwert über 165 sei davon auszugehen, dass ab Mittwoch kein Präzedenzunterricht stattfinden werde. Konkret ist diese Meldung auch noch nicht. Die Bekanntmachung soll erst später auf der Internetseite des Kreises veröffentlicht werden?...

Mit Unsicherheiten haben indes nicht nur die Schulen zu tun. Auch so mancher Kunde stand gestern wohl vor verschlossener Tür. Denn mit einer Inzidenz ab 150 funktioniert auch das Einkaufen mit Termin nicht mehr. Derzeit können Kunden nur noch online oder telefonisch bestellen und die Artikel dann an der Ladentür abholen. Click & Collect heißt das dann. Doch wer weiß das schon so genau?

Übergabe an der Tür

„Click & Collect? Was ist das, was muss ich denn jetzt machen?“, fragte eine ältere Dame gestern zwei Volksstimme-Reporterinnen in Gardelegens Innenstadt, und: „Wissen Sie Bescheid, was heute und morgen aufgrund der Inzidenzwerte noch möglich ist oder nicht?“ Unisono hieß es: „Nein, wir blicken nicht mehr durch. Ein einziges Chaos.“ „Ich habe gerade zu meinen Kollegen gesagt, ich habe nicht mehr den Überblick, was man darf und was nicht und ab wann“, ergänzte eine Passantin. Sie wisse nur sicher, dass man sich mit einer Person treffen dürfe. „Und ich glaube, ab einer Inzidenz über 165 an drei aufeinanderfolgenden Tagen müssen die Kindereinrichtungen schließen“, wusste die Frau, die namentlich nicht genannt werden wollte. Das sei mittlerweile alles zu viel.

Click & Collect – das gilt natürlich auch in Klötze. Der Klötzer Uhrmachermeister Thomas Wehmann praktiziert das Click & Meet zum Beispiel seit gestern. Damit kann er sein Juweliergeschäft weiter am Leben erhalten und seine Existenz sichern. „Ich muss meinen Laden schließen, darf aber Reparaturen jeglicher Art für meine Kunden annehmen und erledigen. Auch eine telefonische Beratung von Produkten und der Verkauf aus dem Schaufenster sind mir gestattet“, erläutert der Unternehmer. In der Praxis laufe das ganz gut. Die Kunden rufen an und vereinbaren einen Termin. An der Geschäftstür erfolgt die Übergabe und wenn die Reparatur erledigt ist, ruft der Geschäftsmann die Kunden an und es erfolgen die Abholung sowie die Bezahlung.

Nicht alle Geschäfte nutzen Angebot

Im Zuge der verschärften Bedingungen hat Wehmann sein Schaufenster an der Salzwedeler Straße umgestaltet und ein Fach mit neuen Produkten erweitert. So könne sich die Kunde Ware aussuchen, bestellen und dann kaufen. Alles etwas organisatorisch aufwendiger, aber aufgrund der aktuellen Regelungen der Bundesregierung bei einer Inzidenz ab 100 nicht anders möglich.

Auch das Geschäft von Harlem IT Systeme und Bürotechnik an der Klötzer Schulstraße praktiziert das Click & Meet. Allerdings werden keine neuen Produkte aus dem Geschäft nach außen verkauft, wie Mitarbeiter Klaus Strauß auf Nachfrage sagte. Derzeit ist nur die An- und Ausgabe von reparierten Gegenständen nach telefonischer Vereinbarung möglich, betonte er weiter. Dazu hat die Firma einen Tresen an der Eingangstür aufgebaut, damit die Kunden das Geschäft nicht betreten müssen. Kunden, die etwas Neues kaufen wollen, werden abgewiesen, hieß es weiter.

Komplett geschlossen sind hingegen die beiden Klötzer Textilgeschäfte an der Bahnhofstraße sowie am Busbahnhof. Hier ist also auch das eingeschränkte Einkaufen mit Click & Collect nicht möglich.