Böckwitz l Laut Verordnung des Landesverwaltungsamtes Sachsen-Anhalt über das Naturschutzgebiet Ohre-Drömling ist die Jagd in der Schutzzone I grundsätzlich verboten. Eine Beruhigungsjagd auf Schwarzwild muss gegenüber der Oberen Naturschutzbehörde vier Wochen vorher angezeigt werden und darf nur im Zeitraum vom 1. Oktober bis zum 31. Dezember stattfinden. Das ist die Realität. Doch die Jagdgenossenschaft Böckwitz erhofft sich eine Ausnahme von der Regel. Denn die Schwarzwildpopulation in der Gemarkung nimmt extreme Ausmaße an, wie es bei der Jahreshauptversammlung in der Alten Molkerei hieß. Das führt zu massiven Wildschäden, die unter den aktuellen Gegebenheiten nicht verhindert werden können.

Pächtersprecher Jan-Christian Jakobs listete eine Reihe von Problemen auf, mit denen man zu kämpfen habe. So werde das Schwarzwild in den gemeinschaftlichen Jagdbezirken Böckwitz und Jahrstedt derzeit nur an einem Tag im Jahr bejagt. Gleichzeitig. Dann gebe es aber zu wenige Jäger, zu wenige Treiber und zu wenige Hunde, führte Jan-Christian Jakobs aus. Außerdem sei die Drückjagd weder sicher noch effektiv, weil die zugewucherten und matschigen Wege nicht befahrbar seien und durch die nassen Flächen auch keine Schuss-Schneisen angelegt werden könnten. Aus diesen Gründen, so bilanzierte Jan-Christian Jakobs, habe man keine Chance, dem Schwarzwild wirklich habhaft zu werden. Dieses könne im Mais sein Unwesen treiben und sich danach wieder in die Schutzzone I zurückziehen. Zuletzt sei ein Landwirt aus Croya (Samtgemeinde Brome) der Leidtragende gewesen.

Finanzielle Folgen

„In die Schutzzone I darf das ganze Jahr über keiner rein. Das Schwarzwild ist ungestört und hat eine hohe Reproduktionsrate“, fasste Jan-Christian Jakobs zusammen. „Ich will den Teufel nicht an die Wand malen, aber wenn wir nicht langsam aktiv werden, dann wird es hier ein Riesenproblem geben“, machte er deutlich und wies auf die möglichen finanziellen Folgen hin. So hätten die ständigen Wildschäden negative Auswirkungen auf den Zins für die Landpacht, da die Flächen zunehmend unattraktiver würden. Davon seien die Jagdgenossen als Landeigentümer direkt betroffen. Noch dazu werde die Verpachtung des Jagdausübungsrechts erschwert. Fänden sich keine Jagdpächter, bliebe der Jagdgenossenschaft nichts anderes übrig, als Jäger mit der Durchführung der Bejagung zu beauftragen und diese aus eigenen Mitteln zu bezahlen.

Ferner erklärte Jan-Christian Jakobs, dass die Ersatzpflicht der Jagdpächter für Wildschäden auf den dreifachen Pachtzins pro Jahr gedeckelt sei. Aktuell seien das 2388 Euro pro Jahr. Reiche das nicht aus, dann stünde die Jagdgenossenschaft in der Pflicht. „Zurzeit haben wir 4679 Euro in der Kasse. Aber dieser Betrag ist schnell aufgebraucht“, betonte der Pächtersprecher. In dem Fall müssten alle Jagdgenossen entsprechend ihrer Flächenanteile den Wildschaden begleichen.

Resolution verabschiedet

Das soll vermieden werden. Darum haben Jan-Christian Jakobs und Hartmut Jakobs, der Vorsitzender der Jagdgenossenschaft Böckwitz ist, vor einigen Wochen das Gespräch mit der Naturparkverwaltung Drömling in Oebisfelde gesucht. Außerdem wurde von den Jagdgenossen bei ihrer Jahreshauptversammlung einstimmig eine Resolution verabschiedet, die eine intensivere Bejagung des Schwarzwildes zum Ziel hat. „Nur so kann der Schwarzwildbestand langfristig auf Maß gehalten und dafür gesorgt werden, dass die Wildschäden nicht ausufern“, stellte Jan-Christian Jakobs klar.

Indes äußerte Hartmut Jakobs die Hoffnung, dass von dem Beschluss eventuell ein Signal an benachbarte Jagdgenossenschaften ausgehen könnte.

Gesetz müsste geändert werden

Anwesend war Wolfgang Sender von der Naturparkverwaltung (NPV). Er räumte ein, dass die Flächen 2017 infolge der anhaltenden Niederschläge tatsächlich sehr feucht gewesen seien. Dies dürfte aber eine Ausnahme gewesen sein. Zudem sei ihm und seinen Kollegen das Problem mit dem Schwarzwild und den Wildschäden sehr wohl bewusst. Ursächlich dafür seien auch die milden Winter, die kaum zu Verlusten bei den Sauen führten, sowie die Monokulturen, die den Schwarzkitteln Nahrung und Deckung böten.

Sender stellte klar, dass es von heute auf morgen wohl keine grundlegenden Änderungen bei den Richtlinien über das Naturschutzgebiet geben werde. „Die Verordnung hat Gesetzeskraft, das Gesetz müsste geändert werden.“ Gleichwohl habe die NPV, die über die Verordnung wache, Verständnis für die Sorgen der Böckwitzer und sei deshalb zu Kompromissen bereit. So könne er zu 80 Prozent versprechen, dass künftig zwei voneinander getrennte Termine erlaubt würden, sodass die Drückjagd in Böckwitz und Jahrstedt künftig nicht mehr an einem Tag erfolgen muss. Außerdem wolle die NPV bei Anträgen und Fristen flexibler sein, damit die Jagden besser auf die Witterung ausgerichtet werden können.

Neue Arbeitsgruppe

„Wir wollen uns nicht sperren“, sagte Sender. „Ich möchte aber darauf hinweisen, dass es die Schwarzwild-Problematik in ganz Deutschland gibt. Und zwar nicht nur in Gebieten mit Schutz-Status.“ Darüber hinaus forderte Sender, dass noch mehr der Austausch mit dem benachbarten Niedersachsen gesucht werden soll, um auf einen Nenner zu kommen. „Alles muss auf den Prüfstand. Es kann nicht sein, dass es unterschiedliche Interessen und Regeln gibt.“ Der NPV-Mitarbeiter kündigte auch die Bildung einer neuen Arbeitsgruppe an, der Jan-Christian Jakobs angehören werde.

Vorsitzender Hartmut Jakobs zeigte sich erleichtert. „Ich bin froh, dass es auch bei der Naturparkverwaltung das Bestreben gibt, die Schwarzwild-Population in Grenzen zu halten.“ Und Michael Neumann, er ist neben Jan-Christian Jakobs und Udo Gädicke einer von drei Jagdpächtern in Böckwitz, resümierte: „Damit sind wir schon ein ganzes Stück weiter.“