Jahrstedt l In der 1980er Jahren sind die Bäume an dem sogenannten sauren Regen in den Wäldern gestorben. Seit einigen Jahren sind es der zu hohe CO2-Ausstoß und der Borkenkäfer, die den Waldbesitzern und Forstleuten mächtig zu schaffen machen. „Dass sind alles Anzeichen des Klimawandels“, betonte Prof. Dr. Ernst-Detlef Schulze, Gründungsdirektor des Max-Planck-Institutes für Biogeochemie und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates Globale Umweltveränderungen der Bundesregierung. Er referierte am Donnerstag in Jahrstedt zu diesem Thema bei der Mitgliederversammlung des Vereins Familienbetriebe Land und Forstwirtschaft Sachsen-Anhalt.

Der Ort wurde für das Treffen der aktuell 85 Mitglieder, die insgesamt über etwa 50 000 Hektar Waldfäche in Sachsen-Anhalt verfügen, bewusst gewählt. Wie der Geschäftsführer Nicolaus von Zitzewitz betonte, wollen die Waldbesitzer damit ein Zeichen für den grenznahen und lebenswerten Raum am Grünen Band setzen. „Die Region mit der unmittelbaren Anbindung an Wolfsburg ist lebenswert. Die Luft und das Wasser sind in diesem Gebiet sehr sauber“, lobte Nicolaus von Zitzewitz die westliche Altmark.

Positive Worte für die Arbeit der Waldbesitzer fand auch Sachsen-Anhalts Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch bei ihrer einstündigen Stippvisite am Donnerstag. Nicht nur, dass Forst- und Landwirte die besten Umweltschützer im Land seien, würdigte die CDU-Politikerin. Auch, dass sie den Finger zum Thema Waldsterben in die Wunde legen und immer wieder auf die Probleme hinweisen, erkannte sie positiv an. „Wir stehen in Sachen Klimaveränderungen in der Natur kurz vor dem Abgrund. Den Veränderungen müssen wir schnellstmöglich entgegenwirken. Doch dazu benötigt es in der Politik auch Mehrheiten“, stellte sie klar.

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Dringende Entscheidungen sind nötig

Auch Entscheidungen, welche Bäume im Zuge des Klimawandels in Zukunft gepflanzt werden sollen, bedürfen dringender Entscheidungen, so Brakebusch.

In seinem Vortag hatte zuvor Prof. Dr. Ernst-Detlef Schulze auf die Veränderungen in den Wäldern und der Natur hingewiesen. „Von den etwa 2500 Pflanzenarten in Deutschland ist jede zweite Art auf irgendeine Weise gefährdet. Das ist das Ergebnis von Naturschutzverbänden“, stellte der Experte fest.

Allerdings enthält der Wald, so Schulze, nur zehn Prozent der Arten. „Dennoch muss es ein Umdenken auch in der Politik in Bezug auf Förderrichtlinien bei der Neubepflanzung in Wäldern geben“, merkte er an. Dabei nannte Schulze das Beispiel mit 50 Prozent Neuanpflanzungen von Buchenbäumen, was im Zuge der Erderwärmung nicht mehr zeitgemäß sei.

Er selbst pflanze in seinen Wäldern nur Roteichen und Douglasien, die kaum Wasser benötigen. Er befürchte, dass es in 20 Jahren einige Baumarten am Grünen Band im Zuge des Klimawandels nicht mehr geben wird.