Klötze l Einer der letzten wirklich großen Auftritte des Feuerwehr-Nachwuchses aus der Einheitsgemeinde Stadt Kötze liegt nun schon ein paar Monate zurück. Am 29. Februar trafen sich Kinder und Jugendliche zum alljährlichen Manöver Schneeflocke, das dieses Mal in Wenze über die Bühne ging. Auf einer sechs Kilometer langen Strecke galt es, neun Stationen zu absolvieren.

Gefragt waren Wissen rund um die Feuerwehr, Kenntnisse in Erster Hilfe und Geschicklichkeit beim Bau eines Gerätebaumes. Außerdem stand ein Löscheinsatz auf dem Programm. Die dafür nötigen Kenntnisse und Handgriffe hatte sich der Nachwuchs zuvor in Ausbildungsstunden angeeignet.

Diese gibt es in der Zeit von Corona allerdings nicht mehr, die Kinder- und Jugendwehren aus der Einheitsgemeinde sind in der Pandemie-Zwangspause. Und das schon seit gut einem Dreivierteljahr. Mitte März wurden die Dienste für die Mädchen und Jungen abgesagt und seitdem nicht wieder aufgenommen. Bis Ende 2020 sollte sich daran auch nichts ändern, die Ausbildung werde mindestens bis 31. Dezember nicht mehr stattfinden. Darüber wurde im Oktober im Stadtrat informiert. Eine Entspannung der Lage zeichnet sich nicht ab.

Wie geht es nun weiter für die Kinder- und Jugendwehren aus der Einheitsgemeinde? Bei der Klötzer Ortsfeuerwehr fragte die Volksstimme nach, wie aktuell die Stimmung beim Nachwuchs ist. Dort gibt es eine Jugendwehr mit derzeit zehn Mitgliedern. Die Gruppe steht Mädchen und Jungen im Alter von zehn bis 16 Jahren offen. „Nach aktuellem Stand wollen alle bleiben“, konnte Jugendwart Florian Paul berichten. Die Mädchen und Jungen wollen trotz langer Pause nicht die Flinte ins Korn werfen. Eventuell werde ein Mädchen wegziehen und deshalb die Gruppe verlassen. „Zwei 16-Jährige treten zu den Aktiven über“, zog Paul Bilanz. „Wir sind recht stolz auf uns. Bei jedem Jugendlichen, den wir zu den Aktiven kriegen, haben wir was richtig gemacht“, so der Jugendwart.

Die Kinder und Jugendlichen von heute in der Feuerwehr sind die Brandbekämpfer von morgen. So ist zumindest die Theorie. Praktisch sieht die Sache anders aus, wusste Klötzes Stadt- und Ortswehrleiter Matthias Veit. Früher seien ganze Gruppen von Jugendlichen in den aktiven Dienst gewechselt.

Er erinnerte zum Beispiel an die Arbeitsgemeinschaft Junge Brandschutzhelfer, die es zu DDR-Zeiten gab. „Heute sind es eher wenige, die übertreten“, so Veit. „Viele gehen noch zum Grundlehrgang“, ergänzte Zugführer Stefan Lange, der bei der Ortsfeuerwehr für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Doch hinterher würde man einige der Lehrgangsteilnehmer nie wieder sehen.

Wegen Ausbildung oder Studium verließen viele der jungen Leute die Region Klötze, wusste Matthias Veit. Es liege eher an den Veränderungen im persönlichen Umfeld und weniger daran, dass man keine Lust mehr auf die Arbeit in der Feuerwehr hätte, wenn der Nachwuchs irgendwann nicht mehr an Bord ist, schätzte der Wehrleiter. Jugendwart Florian Paul rechnete vor: Würden von den aktuell zehn Mitgliedern der Jugendwehr bis zum Grundlehrgang zwei bis drei bleiben, wäre das gut. „Es ist schwierig, neue Kinder und Jugendliche für die Arbeit zu begeistern“, gab er zu. Viele würden vorher andere Angebote, etwa Fußball, ausprobieren.

„Die Feuerwehren sind einfach zu steif“, nannte der Wehrleiter einen weiteren Grund, warum es mit dem Nachwuchs vielleicht nicht mehr so klappt. Damit bezog er sich auf das Brandschutzgesetz. Sechs Jahre lang würde der Nachwuchs die Jugendwehr durchlaufen und vieles lernen, dürfe mit 16 aber noch nicht mit zum Einsatz. Früher sei das anders gewesen.

Von einer verlorenen Generation in der Corona-Krise wollte man aber nicht sprechen. „Das betrifft ja alle Vereine, die mit Kindern zu tun haben. Das kann nächstes Jahr wieder anders sein“, sagte Stefan Lange.

Die technischen Möglichkeiten, um mit dem Nachwuchs in der Zwangspause Kontakt zu halten, seien eingeschränkt, berichtete Wehrleiter Matthias Veit. Videochats zum Beispiel seien aufgrund des langsamen Internetanschlusses im Gerätehaus nicht möglich. Nicht alle Kinder und Jugendlichen seien technisch dafür auch ausgerüstet. „Die Jugendlichen wollen auch hier sein und was anfassen, wir machen viel Praxis“, erklärte Jugendwart Florian Paul. Er schreibe über das Handy Nachrichten an die Jugendlichen und bleibe so mit ihnen in Kontakt. Was ist neu, was hat sich geändert? Solche Fragen werden geklärt. „Viele fragen, wann es weitergeht“, so Florian Paul.