Quarnebeck l Opa Neugebauer hat es nicht leicht. Immer wieder klingeln Vertreter an der Tür des 80-Jährigen. Die versuchen dann, dem Rentner, der nur ein Radio und keinen Fernseher besitzt, alles mögliche aufzuschwatzen. Doch der sächselnde Opa weiß sich zu wehren, mit bissigen Sprüchen hält er die Vertreter in Schach. Und sorgt damit für beste Stimmung und viele Lacher im Publikum. Denn der Senior ist die Hauptfigur im Programm „Opa twittert“, mit dem das Dresdener Kabarett-Theater „Die Herkuleskeule“ am Freitagabend im Quarnebecker Saal zu Gast war. Freie Plätze gab es bei der Veranstaltung – eingeladen hatte der örtliche Heimatverein – keine mehr.

Aus besorgt wird besorgniserregend

Geboten wurde den Zuschauern von Rainer Bursche sowie Brigitte Heinrich und Michael Rümmler ein knapp zweistündiges Programm mit viel Witz, aber auch nachdenklichen Momenten.

Komisch wurde es etwa immer dann, wenn Vertreter in die Stube von Opa Neugebauer traten. So verkündeten einmal zwei Vertreter Gottes, wie sie sich nannten, den bevorstehenden Weltuntergang. Was er denn tun wolle, wenn der Untergang vor der Tür steht, wollten sie von dem Rentner wissen. „Die Türe zu“, antwortete dieser prompt. Vielleicht kaufe er sich dann doch noch ein TV-Gerät, das er bislang noch nicht besitzt. „Dann kann ich mir den Untergang im Fernsehen anschauen.“

Angesprochen wurden aber auch ernstere Themen. Etwa der zunehmende Rechtspopulismus im Land. Aus besorgten Bürgern werden so schnell besorgniserregende Bürger, fassten die Kabarettisten treffend zusammen. In einem Lied wurde ein düsteres Bild für die Zukunft gezeichnet, wenn sich eben diese besorgniserregenden Bürger doch durchsetzen sollten. Dann könnte ein Chef mit Visionen für 80 Millionen regieren, der alleine entscheidet, was gemacht wird. Dann will ihn keiner gewählt haben, doch los kriegt das Volk den starken Mann nicht mehr.

Wähler sollten besser überlegen

Mächtig sei auch Bundeskanzlerin Angela Merkel. Immerhin habe ein amerikanisches Magazin sie zum wiederholten Male zur „Powerfrau“ gewählt. Und so widmete ihr Brigitte Heinrich ein Loblied, quasi eine Ode an Frau Merkel. „Angela, unsere Kanzlerin, wir knien vor dir hin“, hieß es da über die „eiserne Jeanne d‘Arc aus der Uckermark“.

Mehr Verantwortungsbewusstsein wünschten sie sich von den Wählern. Für so gut wie alles brauche man in Deutschland eine Erlaubnis oder Genehmigung. Wählen dürfe aber jeder, der 18 Jahre alt geworden ist und es geschafft hat, nicht vor ein Auto zu laufen. So würden viele immer wieder auf die gleichen Wahlversprechen hereinfallen. „Wählen ist für sie wie Urlaub buchen, Hauptsache billig.“

Und Opa Neugebauer? Der bekommt zum Schluss Besuch von zwei Reise-Vertretern, die ihm Urlaub in Afrika schmackhaft machen wollen. Am Horizont erblicken sie eine „schwarze Wand“, die näher kommt. Es ist kein Tsunami und auch keine Atomwolke. Sie erkennen, dass es flüchtende Afrikaner sind. Opa sieht es von der praktischen Seite: „Wenn die alle herkommen, muss ich nicht mehr hinfahren.“