Kusey l Am 5. August hielt Pfarrer Bernd Schulz in der Köbbelitzer Kirche in Kusey seine letzte Predigt und ging in den Ruhestand. Herbst und Winter seines Lebens möchte der 64-Jährige in Berlin verbringen. Daher ist die Pfarrstelle für den Bereich Steimke-Kusey, zu dem neben diesen beiden Orten auch Altferchau, Böckwitz, Dönitz, Immekath, Jahrstedt, Kunrau, Neuferchau, Röwitz, Schwarzendamm und Wenze gehören, seit dem 1. September vakant. Die Suche nach einem Nachfolger gestaltete sich schwierig. Auf die Ausschreibung gab es keinen Bewerber, bedauerte Superintendent Matthias Heinrich am Mittwoch beim Regionalen Frauenkreis in Kusey.

Gleichzeitig hielt er aber auch gute Nachrichten parat. Demnach wird ein gewisser Thomas Piesker aus Niedersachsen die Pfarrstelle ab dem 1. November übernehmen, zunächst für die Dauer von sechs Monaten. „Er kann Sie kennenlernen und Sie können ihn kennenlernen“, erklärte Heinrich der Runde. Anschließend soll gemeinsam entschieden werden, ob es für beide Seiten passt – oder eben nicht.

Wanderungen durch die Altmark

Ähnlich ist auch mit Dr. Michael Nolte verfahren worden, der seit dem 1. Januar 2018 vertretungsweise die Pfarrstelle in Klötze bekleidet. Diese ist seit dem Abgang von Johannes-Michael Bönecke, der Mitte 2017 zum Kirchenkreis gewechselt war, ebenfalls unbesetzt. Ursprünglich wurde Nolte bis zum 30. Juni 2018 beauftragt, dann kam die Verlängerung bis zum 31. Dezember 2018. Nolte ist auch der einzige Aspirant für die Pfarrstelle in Klötze. Andere Interessenten blieben nämlich aus und weitere Bewerbungen sind nicht zugelassen. „Das läuft gut mit Pfarrer Nolte“, schätzte Heinrich ein und informierte darüber, dass das Besetzungsverfahren für die Klötzer Pfarrstelle im November fortgesetzt wird.

Doch zurück zur Pfarrstelle für Steimke-Kusey und Thomas Piesker. Ebenjener, so wusste der Superintendent, kennt sich durch seinen privaten und beruflichen Werdegang in „Ost und West“ gut aus. „Das ist eine gute Voraussetzung, um in die Arbeit zu starten.“ Weiterhin teilte Heinrich mit, dass Piesker nicht komplett in die Altmark ziehen, sondern für die Dauer seiner Abordnung einige Räume des Pfarrhauses in Steimke bewohnen und dort auch sein Amtszimmer einrichten wird.

Aber wer ist dieser Thomas Piesker? Die Volksstimme erreichte ihn am Donnerstag am Telefon. „Ich bin ein Wassermann“, verriet er. Geboren am 18. Februar 1960 in Hannover, wo er auch aufwuchs und in einer florierenden kirchlichen Jugendarbeit groß wurde. Als Kind und Jugendlicher verbrachte er seine Zeit gerne am Mittellandkanal. Übrigens: Die Altmark ist ihm keineswegs fremd. Denn ein Großonkel mütterlicherseits lebte in Beetzendorf. „Wir haben ihn regelmäßig besucht“, erzählte Piesker, der sich die Region damals erwandert hat. Seither sind ihm Orte wie Klötze, Kunrau und Kusey durchaus ein Begriff. Und: „Ich sehe noch den Wegweiser nach Immekath vor mir.“

Seelsorge

Evangelische Theologie studierte der 58-Jährige in Göttingen und Heidelberg. Theologiestudenten waren eigentlich davon befreit, doch Piesker wollte keine Ausnahmeregelung und leistete 1987 und 1988, nach dem ersten Examen, freiwillig seinen Zivildienst im Fachkrankenhaus für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie in Moringen bei Göttingen ab. In diesem Maßregelvollzug werden psychisch kranke Straftäter betreut. „Das war meine Seelsorger-Ausbildung“, erinnerte er sich.

1989 bis 1991 folgte das Vikariat in Osnabrück. Seine erste Stelle trat Piesker im Spätsommer 1991 im Wolfsburger Stadtteil Westhagen an, „einem sozialen Brennpunkt, dem ich mich aber gerne angenommen habe“. 1994 ging er als Seelsorger in die Justizvollzugsanstalt Zeithain (Landkreis Meißen) und blieb bis 2005. „Dort wurde ich auch ordiniert.“ Im September 2005 übernahm Piesker, der Vater einer Tochter ist, eine Landgemeinde in Sachsen, ehe es ihn 2012 auf eigenen Wunsch wieder in den Nordwesten verschlug. Ab März 2012 war er Pfarrer in Bockhorn (Landkreis Friesland), Ende 2015 wurde er dann mit der vakanten Pfarrstelle in Elsfleth (Landkreis Wesermarsch) betraut.

In die Altmark kommt er als Abgeordneter der Landeskirche Oldenburg. Auf seine neue Aufgabe im Pfarrbereich Steimke-Kusey freut sich Piesker schon sehr. Zumal ein Gesprächsabend am 27. September mit den Kirchenältesten „positiv verlaufen“ ist. Sich selbst und seine Motivation beschrieb Piesker am Ende des Telefonats folgendermaßen: „Da kommt einer, der die Altmark seit Kindertagen kennt und die Gemeinde näher kennenlernen möchte.“

Dazu bietet sich am Sonntag, 4. November, eine erste Gelegenheit. Dann findet in der Immekather Kirche ab 10 Uhr ein Begrüßungsgottesdienst statt. Beginn ist um 10 Uhr.