Klötze/Kunrau l Am 7. September ist in Klötze und Kunrau die Freibadsaison zu Ende gegangen. Seither sorgen sich die Bürger darum, ob die Einrichtungen 2020 überhaupt wieder geöffnet werden (können). Problem: Es fehlt das Personal. Sowohl der Klötzer Schwimmmeister Roland Gille als auch sein Kunrauer Kollege Fred Steffens haben das Rentenalter erreicht.

Einwohner machen sich Sorgen

„Kommt denn nun ein neuer Bademeister?“, wollte eine Einwohnerin bei der jüngsten Sitzung vom Kunrauer Ortschaftsrat wissen. „Das ist eine Personalfrage. Die gehört nicht in den öffentlichen Teil“, erwiderte Ortsbürgermeister Uwe Bock.

„Die Auschreibung für beide Stellen läuft nach nie vor“, informierte Klötzes Stadtoberhaupt Uwe Bartels im Gespräch mit der Volksstimme, hielt sich ansonsten aber bedeckt.

Somit bleiben weiterhin einige Fragen offen, zum Beispiel, ob es bereits Bewerber gibt und wie viele eigentlich eingestellt werden sollen. Stets war von zweien die Rede, allerdings lässt die Formulierung der Stellenausschreibung bei genauerer Betrachtung einen anderen Schluss zu. Darin heißt es nämlich: „Die Stadt Klötze sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt einen/ eine Schwimmmeistergehilfen/in beziehungsweise Fachangestellte/n für Bäderbetriebe.“

Handelt es sich einfach um eine unglückliche Formulierung, ein Versäumnis oder hat die Stadt Klötze schon/noch jemanden in der Hinterhand? Fragen, auf die es bisher keine Antworten gab.

Stadt beteiligt sich sogar an der Wohnungssuc

Das Aufgabengebiet für den Schwimmeistergehilfen/Fachangestellten für Bäderbetriebe – das ergibt sich aus der öffentlichen Stellenausschreibung – umfasst im Wesentlichen die Beaufsichtigung des Badbetriebes mit Eingreifen bei Notfällen sowie Rettung und Erstversorgung von Verletzten, die Kontrolle, Wartung und Steuerung der technischen Anlagen, Kassengeschäfte sowie Arbeiten zur Ein- und Auswinterung plus Pflege- und Reinigungsmaßnahmen. Erwartet werden eine erfolgreich abgeschlossene Berufsausbildung, gute Kenntnisse in der Bädertechnik, handwerkliches Geschick zur Durchführung von Wartungs-, Reparatur- und Unterhaltungsarbeiten, ein aktueller Rettungsschwimmerschein in Silber (nicht älter als zwei Jahre) sowie die Bereitschaft zur Wechselschicht-, Wochenend- und Feiertagsarbeit sowie Mehrarbeit.

Mit keiner Silbe wird erwähnt, dass es sich de facto um Saisonarbeit handelt. Das wirft die Frage auf, was der Neue oder die beiden Neuen vor und nach der Saison machen? Arbeitet er oder arbeiten sie bei der Stadtwirtschaft und kümmern sich um die Pflege kommunalen Eigentums, vom Winterdienst über das Rasenmähen bis hin zum Laubharken? Davon ist in der Stellenausschreibung aber keine Rede. Und fehlen durch den Abgang von Gille und Steffens künftig nicht zwei Leute bei der Stadtwirtschaft?

Fragen über Fragen, zu denen der Bürgermeister und seine Verwaltung bisher eine klare Antwort schuldig blieben.

Beim Blick auf die Stellenausschreibung fällt immerhin auf, dass sich die Stadt Klötze richtig ins Zeug legt. Geboten wird nicht nur ein vollzeitliches und unbefristetes Beschäftigungsverhältnis, wenn gewünscht auch in Teilzeit, sondern auch eine Wohnung, gegebenenfalls eine intensive Unterstützung bei der Wohnungssuche und nach Absprache auch eine finanzielle Unterstützung bei der Miete.

Selbst das Badeland tat sich schwer

Die Stadt Klötze weiß offenbar, dass sie sich Mühe geben muss. Denn „Bademeister“, wie es im Volksmund heißt, werden überall händeringend gesucht, so auch in der benachbarten Samtgemeinde Brome, wo die Stelle eines Fachangestellten für Bäderbetriebe und eines Schwimmmeisters ausgeschrieben ist. Hier fehlt übrigens das Angebot für eine Wohnung.

Dass „Bademeister“ echte Mangelware sind, zeigt sich auch am Badeland in Wolfsburg, das zu den größten Freizeitbädern in Deutschland zählt, auf der verzweifelten Suche nach Fachkräften aber neue Wege gehen musste und zum 1. Oktober vier Polen als Rettungsschwimmer angestellt hat.

Fred Steffens hört auf. Das ist definitiv. „Ich habe im Dezember meinen letzten Tag“, verriet er der Volksstimme. Zumindest mit Roland Gille wollte die Stadt, wie es im September hieß, aber noch einmal das Gespräch suchen, um ihn zum Weitermachen zu bewegen und sich nicht allein auf die Stellenausschreibung verlassen zu müssen. Ob es dieses Gespräch inzwischen gegeben hat, ist nicht bekannt. Ebenso wenig, was aus der angekündigten Kooperation mit Salzwedel und Stendal geworden ist. Überlegt wurde, sich an den Ausbildungskosten von Fachkräften zu beteiligen. Diese könnten dann den Winter über in den dortigen Schwimmhallen arbeiten und den Sommer über in Klötze und Kunrau.

Klar scheint, dass auf der Suche nach Fachpersonal besondere Anstrengungen und kreative Ideen erforderlich sind. Im September hatte Hauptamtsleiter Matthias Reps mitgeteilt: „Wir werden unsere Bemühungen verstärken und sowohl überregional werben, als auch die Gespräche mit der Arbeitsagentur suchen, um dann Fördermöglichkeiten oder geeignete Bewerber zu finden.“

Allen Wasserratten sei gewünscht, dass die Bemühungen von Erfolg gekrönt sein werden. Denn Fakt ist auch, dass die Bäder in Klötze und Kunrau geschlossen bleiben (müssen), wenn der Badebetrieb nicht von qualifiziertem Fachpersonal abgesichert werden kann.