Kunrau l Er war in den 1980er Jahren Sänger, Texter und Komponist bei der DDR-Band „Stern Meißen“, ist als Solokünstler unterwegs und war schon an vielen musikalischen Projekten beteiligt – Falkenberg hat sich in den vergangenen Jahrzehnten einen Namen gemacht. Und unter diesem hat Ralf Schmidt, so heißt der Musiker im bürgerlichen Leben, auch Fans in der Altmark gewonnen. Die kamen am Samstagabend im Kunrauer Schlosskeller auf ihre Kosten, als Falkenberg auf Einladung des Kulturklubs Drömling sein Album „Menschen auf Brücken“ präsentierte.

Die Gefahr, ausgebuht zu werden

Bei dem knapp zweistündigen Auftritt im gut gefüllten Schlosskeller sang Falkenberg aber nicht nur mit kräftiger Stimme seine teils nachdenklich stimmenden Lieder, die er am Klavier, mit der Gitarre und der Mundharmonika begleitete. Zwischendurch äußerte er sich immer wieder kritisch zu bestimmten Themen. Etwa zur Konkurrenz zum Fernsehen, in der Künstler wie er stehen. „Wenn man auf der Bühne ist, kann man froh sein, wenn sich Menschen noch aus ihren Sitzlandschaften erheben“, sagte der Musiker und meinte die Couch vor dem Fernseher.

In seiner Kindheit, so erinnerte er sich, sei es immer noch ein Familienerlebnis gewesen, einen Film im Fernsehen anzuschauen. Heute jedoch seien die gezeigten Filme nur noch „der Klebstoff für die Werbeblöcke“. In seinem Lied „Die Leere überbrücken“ setzt sich der Musiker dann auch kritisch mit dem Thema auseinander. Gott sei ein flaches Rechteck, heißt es da. Geführt würde ein Weltkrieg gegen den Verstand, vom Grundrauschen der Existenz ist die Rede. Doch er könne nicht immer nur meckern, sondern müsste auch Lösungen anbieten, warf Falkenberg im Lied ein. Da er Pazifist sei, fielen radikale Lösungen wie etwa ein Baseball-Schläger aus, scherzte er. Sein friedlicher Vorschlag lautete deshalb: „Finde die Taste in die Freiheit.“

Angst vor der Angst

Und kritisch ging es weiter. So griff der Musiker die scheinbar allgegenwärtige Angst als Thema auf. „Wir leben in einer Welt der abstrakten Ängste“, sagte er und ergänzte, dass viele Menschen sogar Angst vor Dingen haben, die sie gar nicht kennen. Angst vor Milben in den Kissen, der Inflation und der Gesamtsituation, hieß es dazu in einem Lied. Doch zu viel Angst sei gefährlich, denn sie mache die Menschen klein und gemein und fresse die Freiheit auf, sang er.

Ebenfalls gefährlich sei es, wenn Protestwähler auf die Versprechen von Populisten hereinfielen. Diese „Menschensammler“, „Lügenverkäufer“ und „Täuscher“ nahm Falkenberg am Sonnabend ebenfalls musikalisch aufs Korn. Er singe Lieder vor Leuten, die doch sowieso seiner Meinung seien, sei ihm mal bei einem Konzert gesagt worden, erinnerte sich Falkenberg anschließend. „Kunst ist immer politisch“, machte er seinen Standpunkt deutlich. Und so müsse man bei kritischen Liedern auch immer damit rechnen, ausgebuht zu werden. Ein Dienstleister, der es allen recht macht, wolle er nicht sein. Gebuht hat das Kunrauer Publikum nicht. Vielmehr schenkte es dem Musiker kräftigen Applaus.