Klötze l An einem sonnigen Frühlingstag endete am 11. April 1945 die Zeit der Nazi-Diktatur in Klötze. Damit waren die Schrecken des Krieges für die Bürger der Stadt bereits gut einen Monat vor der endgültigen Kapitulation der deutschen Wehrmacht am 8. Mai 1945 vorbei – von den Nachwirkungen abgesehen, die noch folgen sollten. Der 8. Mai ging als „Tag der Befreiung“ in die Geschichtsbücher ein, damals endete der Zweite Weltkrieg in Europa. In einigen Ländern ist es ein Gedenktag. Heute jährt sich das historische Ereignis zum 75. Mal.

„Die Stadt befand sich wie in einem Fieber“, schrieb der langjährige Ortschronist Heinrich Bettinghausen über den 11. April 1945, als amerikanische Panzer und Soldaten Klötze erreichten. „Die Stunde null für Klötze im April 1945“ lautet der Titel des Berichts, den Bettinghausen im Jahr 1995 verfasste und der sich heute im Bestand der Ortschronisten befindet. Unter anderem berief er sich dabei auf die Aussagen von Zeitzeugen und beschrieb die Stimmung und die Gefühlslage der Menschen.

Überall weiße Fahnen

„Am Mittag herrschte gespannte Ruhe in der Stadt. Man fühlte sich zwischen den Fronten und die ‚Nazigesetze‘ galten nicht mehr“, wie es heißt. Am Abend dann fuhren amerikanische Panzer durch Klötze, zwischen 17 und 18 Uhr seien die schweren Fahrzeuge vom Bahnhof her sowie durch die Oebisfelder Straße gerollt. „Überall hingen weiße Fahnen (Betttücher, Tischdecken) aus den Fenstern. Es war die ‚Stunde null‘ – die Nazizeit war für Klötze vorbei. Nach anfänglichem Zögern kamen die Einwohner aus den Kellern. Sie schauten verbittert oder auch teilweise hoffnungsvoll auf die vielen Militärfahrzeuge, vollbesetzt mit Soldaten, denn zu Fuß lief bei den Amerikanern wohl keiner“, fasste Bettinghausen die Ereignisse des historischen Tages zusammen. Die dröhnenden Panzer bekamen den Straßen nicht gut. Auf Laternenpfähle, Litfaßsäulen oder Straßenbäume sei kaum Rücksicht genommen worden, wie es weiter heißt. „Auch das Klötzer Straßenpflaster nahm erheblich Schaden.“

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Einen großen Kampf um Klötze gab es an jenem 11. April 1945 nicht, wie in einer anderen Quelle zu lesen ist. Der deutsche „Volkssturm“, in Klötze gab es laut Bettinghausen „fünf Kompanien mit fast 500 nicht mehr wehrdienstfähigen älteren Männern beziehungsweise noch nicht wehrpflichtigen Jugendlichen“, hatte sich nicht mehr auf Gefechte eingelassen. Beschossen hätten die Amerikaner allerdings noch einen flüchtenden deutschen Lastwagen in der Kirchstraße. Dabei sollen Menschen ums Leben gekommen sein. Eröffnet wurde das Feuer von den Amerikanern einige Tage nach dem Einmarsch, am 13. April. Die Artillerie feuerte in den Klötzer Wald, wo sich einige deutsche Einheiten befanden.

Endete der Zweite Weltkrieg für die Klötzer kampflos, so begann das letzte Kriegsjahr 1945 für die Altmärker mit Luftangriffen. Bomben fielen etwa am 16. Januar auf Klötze und sorgten zwischen Feldstraße und Turnplatz für Zerstörung, wie Heinrich Bettinghausen 1999 in einem Volksstimme-Beitrag erinnerte. Dabei bezog er sich auf die Aufzeichnungen des Zeitzeugen und Chronisten Adolf Thie. Weitere Luftangriffe folgten, besonders verheerend war der Angriff am 22. Februar 1945: „Im Bombenhagel US-amerikanischer Bomber sterben 25 Einwohner. Deren Häuser an der oberen Kirch-, Berg- und Hindenburgstraße (heute Triftstraße) erhalten Volltreffer. Der Luftangriff galt wahrscheinlich einem auf dem Bahnhof abgestellten Zug mit Kesselwagen“, schrieb Bettinghausen und ergänzte: „Unweit des Bahnhofs werden knapp 100 Bombeneinschläge registriert.“

324 Klötzer fielen im Krieg

Auch in dem einige Kilometer entfernten Kusey starben an dem Tag viele Menschen, als Bomben auf das Dorf abgeworfen wurden. Jedes Jahr wird am 22. Februar in beiden Orten an die schrecklichen Ereignisse erinnert. Der letzte Luftalarm in Kriegszeiten wurde am Abend des 10. April in Klötze ausgelöst, am nächsten Tag sollten die Amerikaner einmarschieren. „Schon am 8. Mai waren alle Kampfhandlungen eingestellt worden – der Zweite Weltkrieg ist zu Ende“, ist in Bettinghausens Beitrag zu lesen. Lange blieben die Amerikaner nach der Besetzung nicht. Ab 1. Juni 1945 hatten die Briten das Sagen, doch auch sie wurden bereits am 1. Juli von den Sowjets abgelöst. „Soweit bekannt“, so schrieb Bettinghausen weiter, hätten 324 Klötzer Männer im Zweiten Weltkrieg ihr Leben verloren.