Klötze l Benita und Andre Marwedel aus der Klötzer Schützenstraße hielten lange Zeit auf ihrem Grundstück direkt neben dem Tierpark Schafe. Die Wollträger sollten das Gras kurz halten. 2015 dann das Unglück: „Wahrscheinlich ein Wolf hat hier einige Schafe gerissen“, erinnert sich Benita Marwedel im Volksstimme-Gespräch. Zwar ist es nicht bewiesen worden, aber auch für ihren Mann Andre steht fest: „Das war ein Wolf. Der hat die Schafe nur gerissen, weggeschleppt und nicht gefressen.“

Nun war guter Rat teuer. „Wir hatten die Schafe mit der Flasche groß gezogen und mussten dann die Kadaver sehen“, bedauert Benita Marwedel. Das wollten beide nicht und verkauften ihre Schafe kurzerhand. Wer aber sollte jetzt den Rasen stutzen? Rinder waren nicht das Richtige. „Emus und Strauße fand ich schon immer faszinierend“, schwärmt die junge Frau. Sie informierte sich gründlich über deren Haltung und die Unterschiede.

Im Juni 2017 war es dann so weit. Die Familie hatte sich für Emus entschieden und sechs Küken auf einer Farm nahe Oschersleben gekauft. „Die waren von Anfang an so zutraulich“, schwärmt sie. „Nur 20 Zentimeter hoch. Die sahen aus wie Frischlinge“, sagt Andre Marwedel.

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Zwar leben die Emus nun schon seit Juni in Klötze, weil sie aber so klein waren, durften sie nicht gleich über das ganze Grundstück laufen und wurden deshalb auch anfangs von Tierparkbesuchern nicht bemerkt.

Jetzt ist das anders: Die neugierigen Vögel sind vom Tiergehege aus neben dem Teich zu sehen. Sie kommen auch an den Zaun und lassen sich aus der Nähe bestaunen.

„Die sind so toll, toben wie Kinder.“ Manchmal, wenn sie aufgeregt sind oder sich erschreckt haben, würden sie regelrecht tanzen, beschreibt die „Straußen-Mutter“.

Ob Hahn oder Henne ist unklar

Schon jetzt sind die Vögel gut eineinhalb Meter groß. Innerhalb von 18 Monaten seien sie mit 1,50 bis 1,90 Meter ausgewachsen, in zwei bis drei Jahren geschlechtsreif, berichtet Benita Marwedel. Ob sie dann auch Eier legen und Nachwuchs ausbrüten, ist noch nicht sicher, weil derzeit niemand sagen kann, wer Henne und wer Hahn ist. Hat die Familie Pech, laufen auf ihrem Grundstück nur Emu-Männer oder nur Emu-Frauen umher.

„Erst in zwei bis drei Jahren, wenn sie zum letzten Mal ihr Federkleid wechseln, wird erkennbar, wer Junge und wer Mädchen ist“, erklärt Benita Marwedel.

Schön anzusehen sind die großen Vögel. Lustig sind sie auch. Doch haben sie darüber hinaus einen Nutzen? Kann man sie wie Strauße essen? „Emus kann man auch essen“, sagt die Expertin, um gleich klarzustellen: „Unsere sind aber nicht zum Essen da.“

Dennoch werden Emus in der Welt verwertet. „Emu-Öl wird in der Kosmetik verwendet. Das ist sehr teuer“, weiß Benita Marwedel. „Die Federn, das Leder, eigentlich wird alles verwertet.“

Für Emus entschieden hat sich die Familie, „weil sie im Gegensatz zu Straußen lammfromm sind“. „Emus beziehen sich auf den Menschen. Strauße bleiben dagegen immer Wildtiere.“ Benita Marwedel ist überzeugt: „Meine Emus haben sogar eine Chance gegen den Wolf. Wenn sie sich bedroht fühlen, greifen sie an und treten mit ihren kräftigen Zehen zu.“ Auf eigenem Territorium dulden sie auch keine kleineren Tiere. Sie sind sehr neugierig und interessiert an allem, was glitzert. Das picken sie dann gerne an, inklusive der Kameras von neugierigen Journalisten. Bis zu 50 Kilometer pro Stunde können sie laufen. „Wer nicht fliegt, muss laufen können“, lacht Benita Marwedel. Auch baden die Emus gern in ihrem kleinen Teich.

Benita Marwedel ist von ihren Lieblingen des Lobes voll: „Ich kann mit den Emus richtig kuscheln. Wir haben nicht einen Tag bereut, sie gekauft zu haben.“