Katastrophe

Mit Eimern gegen den Brand gekämpft

Vor 150 Jahren standen zwei Straßenzüge in Klötze in Flammen. Angefangen hat die Katastrophe in der Kirchstraße.

Von Tobias Roitsch

Klötze l Die Bürger von Klötze waren im Kampf gegen die Flammen auf sich allein gestellt: Eine gut ausgebildete Feuerwehr, wie es sie heute in der Purnitzstadt gibt, konnte an jenem 2. August 1865, als ein Großbrand in Klötze wütete, noch nicht alarmiert werden. Und so breitete sich das Feuer, das auf einem Hof in der Kirchstraße ausgebrochen war, rasch aus. Erst auf die andere Straßenseite, später auch auf die benachbarte Neustädter Straße, wie der langjährige Klötzer Chronist Heinrich Bettinghausen in einem Volksstimme-Artikel aus dem Jahr 1965, anlässlich des 100. Jahrestages der Katastrophe, berichtete.

Wie viele Gebäude dabei tatsächlich zerstört wurden, darüber gibt es in verschiedenen Quellen unterschiedliche Angaben. So ist in einer Chronik der Stadt von 26 Hofstellen zu lesen, die in der Kirch- und in der Neustädter Straße ganz oder teilweise niedergebrannt sind. In einer anderen Chronik, die zum 800-jährigen Bestehen der Stadt im Jahr 1944 im Klötzer Wochenblatt erschienen ist, wird hingegen von 35 Wohn- und 27 Nebengebäuden berichtet, die zerstört wurden. Demnach hätten die Flammen nur zwei Stunden gebraucht, um alles in Schutt und Asche zu legen. Von Toten oder Verletzten wird aber in keiner der Quellen berichtet.

Die leichte Fachwerkbauweise der Häuser, so schilderte es Bettinghausen 1965, hätte die schnelle Ausbreitung der Flammen befördert. Entgegenzusetzen hatten die Klötzer Bürger dem nur wenig, wie Bettinghausen in seinem Artikel weiter schrieb: „Mit Eimerketten von Mann zu Mann oder anderen primitiven Mitteln versuchten die Einwohner, der entfesselten Naturgewalten Herr zu werden – vergebens.“

Der Eimer war damals das wichtigste Hilfsmittel bei der Brandbekämpfung. Jeder Hausbesitzer war verpflichtet, bis zu drei Eimer anzuschaffen, wie im Klötzer Wochenblatt von 1944 nachzulesen ist. Dort findet sich auch eine Auflistung der übrigen Ausrüstung, mit der die Bürger während des Brandes im August 1865 in den Kampf zogen: sechs lange Feuerleitern, drei Wasserfässer und eine Feuerspritze. Erst 15 Jahre später, im Januar 1880, bekam die Stadt eine Freiwillige Feuerwehr.