Böckwitz l Seit 38 Jahren wohnt Hartmut Jakobs in Zicherie. Gleich nebenan liegt Böckwitz. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Deutschland von den Siegermächten in die Bundesrepublik und die DDR aufgesplittert. Einst gingen die Kinder aus Zicherie in Böckwitz zur Schule und die Bauern aus Zicherie brachten ihre Milch zur Molkerei nach Böckwitz. Überhaupt bestanden im Doppeldorf engste Kontakte, sei es durch Freundschaft, Verwandtschaft oder geschäftliche Beziehungen. Dann wurden die Menschen durch die Grenze voneinander getrennt, es kam zu Enteignungen und Zwangsumsiedlungen. Von all dem und noch viel mehr berichtet die Grenzausstellung im Böckwitzer Museum. Am Donnerstag stattete Andreas Ebel, Landrat des Landkreises Gifhorn, der Einrichtung im Rahmen seiner Sommertour einen Besuch ab. „Ich bin zum ersten Mal hier“, sagte Ebel, der vom Gifhorner Kreisrat Rolf Amelsberg begleitet wurde. Auch die Bromer Samtgemeindebürgermeisterin Manuela Peckmann gehörte zum Tross. So ganz neu war das Thema für Ebel aber nicht. Schließlich, so verriet der 47-Jährige, war er als junger Mann beim Bundesgrenzschutz in Gifhorn.

Böckwitz ist prädestiniert

Hartmut Jakobs, der Mitglied im Böckwitzer Museumsverein ist und dort gelegentlich Führungen übernimmt, kam gleich zur Sache: „Ich habe ein kleines Attentat auf Sie vor“, sagte er in Richtung Ebel. Das war natürlich nicht wörtlich zu nehmen, aber Jakobs erklärte, worum es ihm ging. Dazu holte der 68-Jährige etwas aus. So gab es früher auf westlicher Seite ein Kuratorium, das es sich zur Aufgabe gemacht hatte, die Bevölkerung auf die deutsche Teilung hinzuweisen. „Zicherie war dafür prädestiniert.“ Und so wurden 1959 zwei Baracken aus Wolfsburg in Zicherie aufgebaut, die den Besuchern als Anlaufstelle dienen sollten. Daraus wiederum erwuchs 1978 die Politische Bildungsstätte in Zicherie, deren Geschäftsführer Jakobs mal war. Dort wurden vor allem Schüler und Jugendliche über die Grenze informiert. Doch nach der Wende, so schilderte Jakobs, waren diese Bildungsstätten, von denen es auch welche in Duderstadt und Schnackenburg gab, von der niedersächsischen Landesregierung nicht mehr gewollt. 1994 kam das Aus. Erst einige Jahre nach der Wiedervereinigung, nämlich 1996, entstand das Museum in Böckwitz, das sich zunächst auf die Geschichte der Landwirtschaft konzentrierte. Die Grenzausstellung kam später dazu. Vielleicht eher zufällig, weil man damals einen Platz für die Überbleibsel aus dem längst aufgelösten Bromer Zollamt gesucht hat. „Es fehlte eine klare Struktur, ein richtiges Konzept“, beklagte Jakobs.

Mittlerweile, so wusste er, spielt die Landwirtschaft im Böckwitzer Museum nur noch eine Nebenrolle, während das Hauptaugenmerk auf die Grenz­ausstellung gelegt wird. Jakobs betonte, dass Böckwitz, wo die Menschen in besonderer Weise betroffen waren, genau der richtige Ort dafür ist, um an die deutsche Teilung zu erinnern.

Landrat ist gesprächsbereit

Allerdings, so ließ Jakobs durchblicken, ist das Thema viel zu bedeutsam, als dass es wie bisher von einem kleinen Verein, der nur aus wenigen Mitgliedern meist höheren Alters besteht, auch in den kommenden Jahren noch in angemessener Weise dargestellt werden könnte. Dem Böckwitzer Museumsverein, so machte der studierte Sozialwissenschaftler deutlich, ist das keineswegs zum Vorwurf zu machen, weil es ihm an Geld und Personal mangelt und er als Pächter im Grunde nicht der Herr im eigenen Hause ist. Daraus folgernd gibt es auch kaum Chancen auf Fördermittel. Jakobs meinte, dass es allmählich Zeit wird, sich über die Zukunft des Böckwitzer Museums grundlegende Gedanken zu machen. Dazu müsste es ein klares Bekenntnis seitens des Altmarkkreises Salzwedel und auch des Landkreises Gifhorn geben. „Es wäre schön, wenn man sich zusammentut“, sagte Jakobs und plädierte für einen Wechsel der Trägerschaft. Im Nachhinein bedauerlich findet er, dass die Grenzanlagen in Böckwitz samt und sonders verschwunden sind. „Das war von den Einwohnern so gewollt.“ Verständlich, in Anbetracht der persönlichen Schicksale, doch der Grenzlehrpfad ist zwei Kilometer entfernt, wie Jakobs den Gästen mitteilte.

Dann kam er zum eingangs angekündigten „Attentat" und Jakobs regte an, dass das Böckwitzer Museum zu einer Außenstelle des Bromer Burgmuseums wird. Auf direkte Nachfrage verneinte Andreas Ebel übrigens, dass es bezüglich des Böckwitzer Museums unter seiner Ägide, die am 1. November 2014 begann, jemals eine Kontaktaufnahme von der Stadt Klötze oder dem Altmarkkreis Salzwedel gegeben hat.

Im Folgenden zeigte Jakobs den Besuchern die Grenzausstellung. Danach gab der Gifhorner Landrat eine Stellungnahme ab. Er erklärte zunächst, dass Böckwitz außerhalb seiner Zuständigkeit liegt. Gleichwohl: „Die deutsche Teilung ist eine prägende Epoche der deutschen Geschichte. Wenn man diese Erinnerungen auch für nachfolgende Generationen bewahren will, dann muss man sich dafür einsetzen und das, was hier in Böckwitz aufgebaut wurde, erhalten.“ Ebel fügte hinzu: „Ich bin gesprächsbereit.“ Der Gifhorner Landrat erklärte, dass der Leiter des Bromer Burgmuseums, Dr. Christoph Schmidt, kürzlich verabschiedet wurde. Darüber hinaus geht Irene Siemann, die sich als Geschäftsführerin der Bildungs- und Kultur GmbH um die Museen im Landkreis Gifhorn kümmert, im Februar 2019 in den Ruhestand. Der oder die Nachfolger/in soll laut Ebel die Möglichkeit bekommen, über die neue Leitung des Burgmuseums zu entscheiden. „In diesem Zuge“, so stellte er in Aussicht, „könnte man darüber nachdenken, ob das Böckwitzer Museum zu einer Außenstelle von Brome wird.“