Böckwitz l Fortbestand oder Auflösung? Laut Tagesordnung sollte diese alles entscheidende Frage am Donnerstagabend bei der Mitgliederversammlung des Böckwitzer Museumsvereines beantwortet werden. Wer aber gedacht hat, dass daran ein überbordendes Interesse besteht, wurde enttäuscht. Lediglich 13 Personen fanden sich im Aufenthaltsraum des Museums ein. Namentlich waren das Ingrid Schumann (Vorsitzende, Mitglied seit 1999), Jürgen Bammel (Gründungsmitglied und seit 2017 Kassenwart), Willi Schütte (Gründungsmitglied und früherer Eigentümer des Museumsgeländes), Astrid Heers (heutige Eigentümerin des Museumsgeländes), André Homeyer (stellvertretender Ortsbürgermeister von Jahrstedt), Jens Winter (Vorsitzender des Museums- und Heimatvereines Brome), Johannes Fäsche (1997 erste ABM-Kraft im Museum), Reiner Schumann (Ehrenmitglied), Margarete Meyer (Gründungsmitglied), Michael Sperling (Mitglied seit 2006), Uwe Harms (CDU-Landtagsabgeordneter) sowie Verena Treichel vom Kreativhof in Kunrau und Mirjam Anschütz vom Freiland-Verein in Poppau. „So eine starke Beteiligung hatten wir schon lange nicht mehr“, stellte Bammel leicht ironisch fest und erinnerte an die beiden schwach besuchten Mitgliederversammlungen vor zwei Jahren, denen jeweils nur sieben Personen beigewohnt hatten.

Zunächst herrschte eine eher gedrückte Atmosphäre. Und das lag nicht nur an den Schweigeminuten für Monika Grölle und Hartmut Leneke. Winter erklärte, im Auftrag des Landkreises Gifhorn anwesend zu sein, um für den Fall der Vereinsauflösung die Rückführung der Grenzausstellung nach Brome zu überwachen. Die Exponate befinden sich nämlich nur leihweise in Böckwitz. Bammel teilte mit, den Posten des Kassenwartes aus privaten Gründen nicht länger ausüben zu wollen. Und auch Ingrid Schumann hielt an ihrem bereits 2018 verkündeten Rücktritt fest. Vier bis fünf Stunden bringe sie täglich im Museum zu, es gebe keine Unterstützung. Sie sei gerne Vorsitzende gewesen, „aber ich schaffe das nicht mehr, bin auch gesundheitlich angeschlagen“, ließ sie wissen.

Ihr Bericht für 2018 fiel kurz und knapp aus: Frühlingsfest, Kräutertag, Herbstmarkt, Erntedankgottesdienst. Die Organisation von Veranstaltungen sei sehr aufwändig, aufgrund von kurzfristigen Absagen zum Teil niederschmetternd und generell nicht gerade ihre Lieblingsbeschäftigung, räumte Schumann ein. 2019 blieb das Museum geschlossen, im Grunde habe der Verein sich nur noch um die seit längerem angemeldeten Gruppen gekümmert, aber eine gestiegene Aufmerksamkeit registriert, auch von Funk und Fernsehen.

Bammel erwähnte, dass die Kassenführung seit dem Ausscheiden von Christel Kaufmann im Mai 2015 bis zu seinem Amtsantritt im Juli 2017 in den Händen von Ingrid Schumann gelegen habe. Es sei schwierig gewesen, alles wieder ins Reine zu bringen, Kontoauszüge hätten nachträglich angefordert werden müssen. Der Kassenbestand, so führte Bammel weiter aus, sei von mehr als 10 000 Euro im Jahr 2014 auf zuletzt 5500 Euro gesunken, bei den Mitgliedsbeiträgen habe es Einbußen gegeben. Jährlich seien etwa 5500 Euro für Strom, Wasser, Miete und Versicherungen zu leisten. „Das läuft auf eine Zahlungsunfähigkeit hinaus“, befürchtete Michael Sperling angesichts dieser Fixkosten. „Die Ausstellung muss versichert sein, sonst geht sie automatisch nach Brome zurück“, meinte er, sprach von einem „finanziellen Desaster“ und konstatierte: „Ohne Einnahmen muss man den Betrieb einstellen.“

Bei einer Enthaltung von Bammel wurde der Vorstand, der zuletzt nur noch aus ihm und Schumann bestand, entlastet. „Diese Zwei-Mann-Show darf es nicht mehr geben“, betonte Bammel und forderte eine handlungsfähige Führungsriege mit mindestens zehn engagierten Mitstreitern im Hintergrund. Im Weiteren nannte er einige Zahlen, „die einem die Augen öffnen und nachdenklich stimmen“. Demnach seien vier Vereinsmitglieder über 80 Jahre alt, vier über 70, neun über 60. Seine Schlussfolgerung: „Es muss im Vorstand einen harten Schnitt geben“, mit jungen Leuten in der ersten Reihe, die willens und in der Lage seien, andere zu begeistern. „Das kann ich nicht“, bekannte Ingrid Schumann.

Für einen „Neustart“ plädierte auch Verena Treichel und schloss nicht aus, Verantwortung übernehmen zu wollen. Allerdings bräuchte sie zunächst genauere Einblicke. „Der Verein hat Potenzial“, gebe derzeit jedoch ein schlechtes Bild nach außen ab und habe es versäumt, junge Mitglieder zu werben, bemängelte Treichel, die „1000 Ideen im Kopf“ habe, um den Museumsverein wieder wachzuküssen. Kritik übte sie daran, dass im Hintergrund schon über einen neuen Standort für die Ausstellung nachgedacht werde.„Das ist ein Arschtritt für das Ehrenamt und alle, die hier ganz viel Herzblut reingesteckt haben“, sagte sie. Ohne ins Detail zu gehen, bestätigte Bammel, dass es Gespräche gebe, wie die Ausstellung auch ohne Verein erhalten werden könnte.

Dass sich der Böckwitzer Museumsverein von Grund auf ändern und ein neues Konzept entwickeln müsste, betonten auch Uwe Harms, Jens Winter und Michael Sperling, der angab, sich im Verein bisher nie wirklich willkommen und glücklich gefühlt zu haben. Verena Treichel pflichtete dem bei: „Alles, was man hört, ist keine Motivation, um einzutreten.“

Zur Bildung eines neuen Vorstandes kam es nicht. Theoretisch, so wurde erläutert, müsste in diesem Fall ein kommissarischer Vorstand eingesetzt, zu weiteren Versammlungen eingeladen und der Verein schließlich aufgelöst werden.

Doch so weit kam es nicht. Vielmehr herrschte Aufbruchsstimmung. Über eine Namensänderung für den Verein wurde ebenso diskutiert wie über eine Satzungsänderung, etwa, um den Vorstand zu verkleinern. Der müsse aktuell aus drei Mitgliedern plus Beisitzern bestehen, hieß es. Man müsse aber froh sein, wenn sich überhaupt jemand bereit erklärt.

Verabredet wurde, dass Schumann und Bammel vorerst weiter am Ruder bleiben. Am 30. Oktober um 19 Uhr soll es eine weitere Mitgliederversammlung mit nur zwei Tagesordnungspunkten geben. Erstens: Vorstandswahl. Und zweitens, falls es dazu nicht kommt: Vereinsauflösung. „Wir sollten nicht weiter rum-eiern“, mahnten Bammel und Winter, zumal sich über kurz oder lang das Finanzamt und das Amtsgericht einschalten würden, um den Museumsverein unter Zwangsverwaltung zu stellen und aus dem Vereinsregister zu löschen.

„Aufbruch oder nichts. Es gibt keinen Mittelweg“, konstatierte Sperling. Der Versicherungsfachmann lehnte eine Vorstandstätigkeit zwar ab, bot aber seine administrative und kaufmännische Hilfe an. Verena Treichel kündigte an, derweil in die Öffentlichkeit gehen und Netzwerke aufbauen zu wollen. Und Margarete Meyer – „mir würde es in der Seele weh tun, wenn sich der Verein auflöst“ – versprach, alle 27 verbliebenen Vereinsmitglieder persönlich um ihr Erscheinen am 30. Oktober zu bitten. „Dann sehen wir vielleicht wieder ein Licht am Ende des Tunnels“, hoffte Bammel.