Schwiesau l Das Leben in Schwiesau könnte für Axel Ackermann und seine Lebensgefährtin Heike Allenstein richtig idyllisch sein. Ihr kleines Häuschen steht am Rande des Dorfes, auf einer Seite umgeben von Feldern und Natur. Auf der anderen Seite stehen die Eigenheime der Nachbarn. Doch ruhig verläuft das Leben für das Paar schon lange nicht mehr, wie es berichtete.

Die beiden sind in einen gut vier Jahre dauernden Streit im Dorf verwickelt. Mehr noch: Axel Ackermann gilt als derjenige, der für die nächtlichen Angriffe auf ein Ehepaar aus dem Dorf verantwortlich gemacht wird. „Selbst meine Kollegen in Klötze wissen, dass ich der Hauptbeschuldigte bin“, sagte der 58-Jährige im Gespräch mit der Volksstimme. Länger hinnehmen will er das nicht mehr. Deshalb bat er von selbst darum, nun seine Sicht der Dinge schildern zu können.

„Es kann nicht sein, dass er beschuldigt wird“, ergänzte Axel Ackermanns Lebensgefährtin Heike Allenstein, die ebenfalls beim Gespräch dabei war. Diese Behauptungen müssten aufhören, wünschte sich die 49-Jährige.

Rückblick: Vor einiger Zeit hatte sich der Schwiesauer Ortschaftsrat eingeschaltet, um die Lage zu beruhigen. Bislang ohne Erfolg. Die Volksstimme berichtete in den vergangenen Monaten mehrmals über den Fall, der über einen Nachbarschaftsstreit hinausgeht.

Seit Ende 2016 wird dabei ein zugezogenes Ehepaar terrorisiert. Mehrfach flogen nachts Nägel auf das Grundstück, Glühbirnen zerplatzten auf der Einfahrt und Asche wurde vor dem Haus ausgeschüttet. Und auch der Lastwagen des Ehemannes, der nachts mit Genehmigung auf dem Gelände eines Landwirtschaftsbetriebes parkt, war bereits Ziel von Attacken. Unter anderem wurden die Bremsschläuche durchgeschnitten.

In dem Dorf am Rande der Einheitsgemeinde Stadt Klötze mit knapp 320 Einwohnern sind die Vorfälle Gesprächsthema. Für viele gelte er als Verdächtiger, so Axel Ackermann. Doch er weist jegliche Schuld von sich, betonte der Schwiesauer. Sie und ihr Partner würden im Dorf gemieden und häufig nicht angesprochen, fasste Heike Allenstein die Lage zusammen.

Und wie kommt man auf Ackermann? Dass es Streit mit dem terrorisierten Ehepaar aus dem Dorf gibt, verheimlichte Axel Ackermann im Gespräch nicht. „Ich streite nicht ab, dass es um den Lkw geht“, gab er offen zu und bezog sich dabei auf den Lastwagen des angegriffenen Ehemannes. Das Fahrzeug wurde schon öfters beschädigt. Abgestellt wird es auf einem Firmengelände, das genau gegenüber vom Haus von Axel Ackermann und Heike Allenstein liegt. Durch das Schlafzimmerfenster, das in Richtung Straße zeigt, dringe der Lärm des Lasters, wenn er morgens das Betriebsgelände verlässt. Dann sei der Schlaf vorbei, trotz dreifach verglaster Fenster.

Seit 2016 fühlen sich Ackermann und Allenstein durch den Lkw belästigt, wie sie sagten. „Wir wohnen hier zur Miete“, erklärte Axel Ackermann, bauliche Veränderungen am Haus, die für mehr Ruhe sorgen könnten, dürfte das Paar also nicht einfach so vornehmen. „Wir waren auch schon vor Gericht“, so Heike Allenstein. Eine Empfehlung sei damals gewesen, den Lastwagen vielleicht woanders zu parken, teilte sie mit. Passiert sei das nicht.

Wenn ein anderer Stellplatz gefunden werden könnte, fände das Paar das nicht schlecht. Zumal andere Nachbarn aus der Straße wohl auch ein Problem mit dem Krach hätten. „Die sagen nur nichts“, so Ackermann. „Wir kriegen hier keine Ruhe“, das hätte sie auch schon von anderer Stelle gehört, berichtete Heike Allenstein. Denn fahren würde auf der Straße durch das Wohngebiet nicht nur der Lastwagen des Geschädigten, sondern auch noch weitere, was ebenfalls störe. „Aber kein anderer ist so früh unterwegs, er ist der erste, der losfährt“, sagte Axel Ackermann.

Seit 2017 lässt sich Ackermann anwaltlich vertreten. Mehrmals sei er angezeigt und die Ermittlungen seien eingestellt worden. Ein Schlichtergespräch hätte keinen Erfolg gebracht. „Ich gebe hier andauernd Geld aus, das ist nicht mehr normal“, sagte Ackermann. Und die Kosten werden wohl weiter steigen.

„Wir wollen einen Privatdetektiv einschalten, der Grund in die Sache bringt“, kündigte der Schwiesauer an. Die von Ortsbürgermeister Manfred Hille angekündigte Idee, eine Bürgerwehr zu gründen, die nachts Patrouille laufen könnte, sah Axel Ackermann skeptisch. „Der Schuss geht nach hinten los“, war er sich sicher und ergänzte: „Wir sind daran interessiert, dass Ruhe reinkommt.“ Auch er und seine Lebensgefährtin seien betroffen, bei ihnen sei in der Vergangenheit ebenfalls schon mal etwas über den Zaun geschmissen worden. Längere Zeit sei das aber nicht mehr passiert.

Überhaupt fänden sie es schwierig, wenn sich der Ortschaftsrat in das Thema einschalte. Das Gremium sollte sich um die Kommunalpolitik kümmern, wie es hieß. Man habe das Gefühl, dass der Rat einseitig agiere. Ein früheres Gespräch mit Ratsmitgliedern hätte keinen Erfolg gebracht. Die Fronten sind verhärtet.

Haben Axel Ackermann und Heike Allenstein darüber nachgedacht, vielleicht aus dem Dorf wegzuziehen? „Nein, ich lebe schon immer hier und muss mich nicht von anderen rausekeln lassen“, machte Allenstein ihren Standpunkt deutlich. Axel Ackermann lebt seit 20 Jahren in Schwiesau, gemeinsam habe sich das Paar etwas aufgebaut. Und so lange es leise ist, ist es auf dem Grundstück auch sehr idyllisch.