Kunrau l Sehr genau hinschauen muss, wer Sabine Langer bei ihrem Hobby im Wald entdecken will. Denn die 35-Jährige trägt meist einen Tarnanzug. Und das nicht ohne Grund: Denn als Natur- und Wildtierfotografin muss sie darauf achten, dass die scheuen Tiere des Waldes nicht weglaufen, bevor sie den Auslöser ihrer Kamera drücken kann. Apropos Kamera: Auch die bleibt nicht ungetarnt. Das lange Teleobjektiv ist mit Flecktarn-Stoff umwickelt, damit es nicht auffällt.

Begonnen hat die Fotografin, die aus Bösdorf bei Oebisfelde stammt und nun im niedersächsischen Grußendorf lebt, mit ihrem Hobby vor drei Jahren. Nach einem Unfall sei sie damals oft durch die Wälder gelaufen und habe dabei viel gesehen, was sich gut fotografieren ließe, wie sie sagt. Sie sparte sich eine erste Kamera zusammen und legte los. „Erst habe ich nur geknipst“, gesteht sie. Doch dann wurde alles professioneller. Mittlerweile habe sie eine Profikamera.

Viele Wildwechsel sind bekannt

In Sachen Natur und Tiere war sie allerdings kein Amateur. „Ich bin im Drömling aufgewachsen und mein Vater ist Ranger.“ So war ihr das Interesse für die Natur wohl schon in die Wiege gelegt. „Das Wissen über die Tiere ist auch die Grundlage für die Wildlife-Fotografie“, ist sich Sabine Langer, deren Lieblingstier der geheimnisvolle und verschmitzte Fuchs ist, sicher. „Ich gehe vor wie ein Jäger und weiß, wann wo was zu sehen ist.“

Bilder

Unterwegs ist die Fotografin hauptsächlich im Drömling, ihrem Hauptgebiet. „Der Drömling ist ein Riesenkomplex“, weiß sie aus Erfahrung. Doch auch in die Heide an der Grenze zwischen Niedersachsen und Sachsen-Anhalt verschlage es sie manchmal. Die Gegend rund um Celle war bislang das weiteste Ziel, das sie als Fotografin angesteuert habe. Manchmal ziehen Gleichgesinnte gemeinsam mit ihr los.

Gute Stellen, an denen sie sich postieren kann, kenne sie im Drömling schon. „Ich habe meine Wildwechsel“, so Langer. Die meisten Tiere würden regelmäßig am gleichen Standort zu finden sein. In den Bestand gehe sie aber nicht hinein, betont die 35-Jährige. Sie halte Abstand und mache sich praktisch unsichtbar. „Ohne Tarnung geht es nicht.“ Eine Mütze setze sie sich auf, Parfüm sei tabu. „Häufig liege ich im Busch.“ Auch bei Wind und Wetter. Bequem sei das nicht immer, da sie versuche, die Tiere in Augenhöhe abzulichten. Dafür liegt die Fotografin auch schon mal auf dem Bauch oder kniet eine Zeit lang. Besonders schwer sei es, Damwild vor die Linse zu bekommen. „Die bemerken den Menschen eigentlich immer. Das ist eine Herausforderung.“ Wie viele Bilder sie in den vergangenen Jahren schon geschossen hat, habe Langer noch nicht überschlagen. Pro Motiv, so rechnet sie vor, wären es wohl zwischen fünf und zehn Fotos.

Gefahr nicht ausgeschlossen

Sabine Langers Rezept für tolle Naturfotos? „Eine Prise Geduld und riesig viel Glück.“ Denn garantiert ist der Erfolg nicht. „Manchmal komme ich auch ohne etwas nach Hause, manchmal ist es so viel, dass ich gar nicht mehr heim möchte“, beschreibt sie die Gegensätze. Aufregend sei es aber immer, in den Wald zu gehen. Ganz ungefährlich ist es aber auch nicht. Gerade jetzt, wo die ersten Wildschweine mit ihren Frischlingen unterwegs seien. Fast sei sie schon einmal von einer Bache angegriffen worden, erinnert sich Langer. „Es sind halt wilde Tiere, man weiß nie, wie sie reagieren.“

Zieht sie los, kann es länger dauern. Im Durchschnitt sei sie nicht unter zwei Stunden wieder zurück, schätzt sie. Bei einer längeren Tour könnten es schon mal sechs Stunden sein. „Manchmal gehe ich auch morgens um 5 vor der Arbeit los.“ Dann komme sie gegen 8 Uhr zurück, um sich für die Arbeit als Friseurin umzuziehen und zurechtzumachen. „Das ist ein super Ausgleich.“

Ihr Ziel sei es, ihr Wissen über die Tiere weiterzugeben und den Menschen wieder die Natur nahezubringen. Dazu nutzt Sabine Langer etwa ihre Facebookseite, auf der sie Fotos und Infos zu den jeweiligen Tieren postet. Ein Buch hat sie ebenfalls schon geschrieben. Kürzlich hielt sie auf dem Kreativhof in Kunrau einen dreistündigen Vortrag vor 32 Zuhörern. Ihr erster richtig großer Auftritt, wie sie sagt. Zuvor sei sie in Kitas zu Gast gewesen. Dort werde sie bald wieder etwas erzählen.

Und aus dem Hobby wird wohl langsam ein bisschen mehr, ein Kleingewerbe sei mittlerweile angemeldet. Freude würde ihr eine eigene Ausstellung bereiten. In Planung sei eine solche aber noch nicht.