Kunrau l So viel steht fest: Neugierige Blicke von Menschen mögen Kraniche nicht. Kommen die Zweibeiner ihnen zu nahe, breiten die großen Vögel einfach ihre Flügel aus und fliegen davon. Diese Erfahrung mussten auch die mehr als 30 kleinen und großen Naturfreunde machen, die am Sonnabendnachmittag an einer Kranichwanderung in Kunrau teilnahmen. So hieß es gebührenden Abstand halten. Doch mithilfe von Ferngläsern, die viele dabei hatten, war das kein Problem.

Organisiert wurde die Wanderung vom Team des örtlichen Kreativhofes in Zusammenarbeit mit der Naturparkverwaltung Drömling. Nach einer Wanderung Anfang Februar – damals drehte sich alles um das Thema Eulen – war dies nun schon die zweite gemeinsame Veranstaltung. Angelockt hatte das Angebot dabei nicht nur Kunrauer. Mitgewandert sind unter anderem auch Teilnehmer aus Apenburg, Wasbüttel, Mieste, Recklingen und Tülau, wie Verena Treichel vom Kreativhof-Team berichtete.

Während sich die Partner aus Kunrau um die Route gekümmert hatten, übernahm Thomas Klöber von der Naturparkverwaltung die Führung und berichtete den Wanderern unterwegs viel Wissenswertes über die Kraniche.

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Gut fünf Kilometer waren zu absolvieren. „Wir sind den Weg vorher abgefahren, um möglichst viele Flächen mit Kranichen zeigen zu können“, erklärte Verena Treichel. Die Chancen, die Vögel zu sehen, standen gut, hieß es vor dem Abmarsch.

Vom Schloss in den Drömling

Denn zuvor seien am Sonnabend schon welche gesichtet worden. Und so setzte sich die Gruppe am Kunrauer Schloss in Bewegung. Zunächst ging es in Richtung Hahnenberg, dann wurde auf einen Feldweg entlang der Waldkante abgebogen. „Normalerweise hätten wir jetzt schon erste Kraniche gesehen“, sagte Thomas Klöber bei einem Halt. Durch die kalten Temperaturen, die noch in der Region herrschten, würden manche noch einmal in wärmere Ecken fliegen. Zwischen 2000 und 2500 Kraniche gibt es manchmal im Drömling, berichtete der Fachmann von der Naturparkverwaltung. Zwei große Schlafgewässer würden von den Vögeln im Norddrömling genutzt. „Wir könnten sie einfliegen sehen“, stellte Klöber der Gruppe in Aussicht.

36 Brutpaare

Durch den Schutz, der den Kranichen zuteil wurde, hätten die Vögel enorm profitiert. Etwa im Drömling, wie Thomas Klöber deutlich machte: Gab es im Jahr 1990 ein Brutpaar, seien es dort 2017 36 Brutpaare gewesen. Ein Tümpel mit Schilf reiche den Tieren schon, um sich wohlzufühlen.

Zwischendurch erzählte Klöber auch von anderen tierischen Bewohnern, die es in der Region gibt. So seien etwa Fischotter wieder häufiger zu sehen, auch am Tage. Vor einigen Jahren hätte man häufig nur Spuren finden können.

Ferngläser dabei

Am Ziel angekommen, zeigte sich, dass die Wanderer an diesem Tag tatsächlich Kraniche zu Gesicht bekommen werden. Auf einem Acker zwischen Kunrau und dem Nachbarort Jahrstedt machten Hunderte der Vögel Rast. Aus nächster Nähe konnten die Naturfreunde die Tiere aber nicht bewundern. Trotz des großen Abstandes von einigen Hundert Metern machten sich kleine Gruppen von Kranichen davon. Viele Teilnehmer hatten für diesen Fall vorgesorgt und griffen zu den Ferngläsern, die sie mitgebracht hatten und überbrückten so die große Distanz.

Manche der Tiere seien beringt, erklärte Thomas Klöber. Auf diese Weise lasse sich herausfinden, wo ein Kranich geboren wurde und welche Strecken er zurücklegt. Als Beispiel nannte er den Fall eines Geschwisterpaares, das 2016 bei Hannover geschlüpft ist, 2017 in der Region Drömling erfasst und im September noch einmal in Frankreich gesehen wurde.

Bis zu 3000 Tiere auf Futterflächen

Auf den Nahrungsflächen, die bis Steimke reichten, würden derzeit 2000 bis 3000 Tiere sitzen. Abends könne man gut zusehen, wie sie zu ihren Schlafplätzen in den Drömling fliegen.

Mit den gewonnenen Eindrücken machten sich die Wanderer nach einigen Minuten im kalten Wind wieder auf den Rückweg. Zur Stärkung gab es einen kleinen Imbiss.

Hätte das Wetter am Sonnabend nicht mitgespielt, war schon ein Plan B vorbereitet. Statt die Kraniche in der freien Wildbahn zu beobachten, hätten sich die Teilnehmer einen Vortrag zum Thema im Schloss angehört. Der Zweckverband hätte dort die Räume der Ökoschule zur Verfügung gestellt, wie Verena Treichel berichtete.

Im April zu den Fledermäusen

Als eine dritte und vorerst letzte Wanderung in Kooperation mit der Naturparkverwaltung wird es am 27. April noch eine Tour zum Thema Fledermäuse geben, kündigte sie an. Mit Blick auf die positiven Rückmeldungen der Teilnehmer könnte die Zusammenarbeit in Zukunft fortgeführt werden, Ideen gebe es schon, sagte Verena Treichel.