Hohentramm l Rings um Hohentramm gibt es jede Menge Wiesen. Ideale Voraussetzungen also für Meister Adebar, genau hier ein Nest zu beziehen. Doch so einfach ist das offenbar nicht. Auf dem Mast im Ort, der mit einer Nisthilfe ausgestattet ist, hat sich seit geschätzt sieben, acht Jahren kein Storch mehr dauerhaft niedergelassen. „Möglicherweise suchen die Störche eher nach einem fertigen Nest, wo sie nicht mehr so viel Arbeit haben“, vermutet Norman Schulz. Zusammen mit seinen Mitstreitern von der örtlichen Jagdgenossenschaft ging er deshalb das Projekt „Neues Zuhause für Adebar“ an.

„Wir haben Verbindung mit dem Storchenbeauftragten für den nördlichen Altmarkkreis, Thomas Koberstein, aufgenommen und uns informiert“, berichtete Schulz. Dieser habe auch ein Metallgestell für das neue Nest zur Verfügung gestellt. Die Jagdgenossen fertigten das Nistgeflecht an, das einen Boden aus „Karnickeldraht“ erhielt und mit Füllmaterial ausgepolstert wurde.

Doch das Aufbringen auf den alten Standort im Dorf scheiterte am Einspruch einiger Anwohner, die Verschmutzungen durch den Kot der Tiere befürchteten. „Also brauchten wir einen neuen Platz“, erzählte Norman Schulz. Der war schnell nördlich des Dorfes gefunden, auf einer Wiesenfläche, auf der sich früher der inzwischen abgerissene Offenstall befand. „Er liegt in der Einflugschneise der Störche, ist nicht so nah an der Straße und gehört vor allem der Gemeinde, die ihn uns zur Verfügung gestellt hat“, berichtete der Hohentrammer.

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Avacon stellt Mast bereit und übernimmt Aufba

Das einzige Problem: Hier gibt es keinen erhöhten Standort, auf dem das Nest installiert werden könnte. Hilfe nahte vom Energieversorger Avacon. Der hat in letzter Zeit etliche alte Betonmasten für die Stromleitungen in den Orten demontiert und stellte den Hohentrammern einen der Riesen unentgeltlich zur Verfügung. Und auch die Bauarbeiten wollten die Mitarbeiter der Gardelegener Niederlassung und ihres Kakerbecker Partnerbetriebes übernehmen. „Eine schöne Geste“, freute sich Norman Schulz.

Der erste Anlauf zum Nestaufbau scheiterte noch wegen der gerade einsetzenden Corona-Pandemie. Doch am Mittwochvormittag war es endlich soweit. Mit schwerer Technik rollten die Arbeiter auf das Wiesengrundstück. Zunächst galt es, das Loch auszuheben, in das der Betonmast eingesetzt wird. Bis auf eine Tiefe von zwei Metern musste der Bagger das Erdreich entfernen.

Gut befestigt

Währenddessen begann die Montage des eigentlichen Nestes, das einen Durchmesser von 1,30 Meter hat. Es wurde auf den eine Tonne schweren Mast aufgesetzt und mittels dreier Streben, eines Ringes aus Metall und mehrerer Schrauben befestigt.

Dann konnte es losgehen. Ein Spezialkran hievte das 13 Meter lange Betonmonstrum, das früher für Mittelspannungs-Stromleitungen benutzt wurde, in die Höhe und bugsierte es samt Nest genau in das ausgehobene Loch. Nachdem das Erdreich wieder angefüllt und verdichtet war, stand das neue Storchen-Zuhause wie eine Eins.

Zu guter Letzt fuhren Norman Schulz und Jagdgenossenschafts-Chef Ulrich Hehlig mit dem Steiger nach oben und polsterten das Nest aus. „Der Storch braucht jetzt nur noch einzuziehen. Mehr Service geht nicht“, hieß es derweil unten von denjenigen, die dem Schauspiel zusahen.

Hoffen auf Jungstörche, die auf Wohnungssuche

Allerdings machen sich die Hohentrammer keine Illusionen. „Dieses Jahr wird wohl kein Storch mehr das Nest beziehen und hier brüten“, meinte Ulrich Hehlig. Dafür sei die Zeit schon zu sehr fortgeschritten, zumal man durch die Corona-Pandemie wertvolle Wochen verloren habe. Aber spätestens im nächsten Jahr, wenn die Störche im Frühjahr aus ihren Winterquartieren im Süden zurückkehren, hoffen die Einwohner des kleinen Beetzendorfer Ortsteils, dass sich Jungtiere auf der Suche nach einem Zuhause für die neue Familie genau hier niederlassen.