Jübar l Das Thema seines aktuellen Buchprojekts ist für Hartmut Bock keineswegs neu. „Seit 30 Jahren beschäftige ich mich mit Aberglauben, Sitten und Gebräuchen in der Altmark. Jetzt soll das Material zusammengestellt werden“, erklärte der Jübarer Hobbyhistoriker der Volksstimme. Ziel sei es, das Buch im nächsten Herbst im Rahmen der Publikationsreihe des Diesdorfer Freilichtmuseums herauszugeben.

Den Schwerpunkt soll das Brauchtum in der nordwestlichen Altmark bilden, es werden aber auch Traditionen aus der mittleren und östlichen Altmark berücksichtigt. Ob Bärenleier, Osterfeuer, Martinssingen, Maibaumaufstellen, die verschiedenen Arten von Fasslom, aber auch Weihnachts- und Osterbräuche, der Aberglauben rund um den Jahreswechsel und vieles mehr, alles soll in dem Buch seinen Platz finden. Dazu kommen familiäre Bräuche, etwa bei Geburten, Taufen, Hochzeiten oder Beerdigungen. Und sogar neumodische Traditionen wie Halloween oder das Fegeritual für unverheiratete 30-Jährige will Hartmut Bock nicht unter den Tisch fallen lassen.

Das Besondere an dem Werk: Es soll ein Quellenbuch werden. „Das heißt, dass ich die jeweilige Originalquelle im Wortlaut übernehme“, erläuterte Bock. Es gebe zahlreiche Schriftzeugnisse über das altmärkische Brauchtum aus dem 19. bis 21. Jahrhundert, darunter von Johann Friedrich Danneil und Pastor Johann Heinrich Friedrich Krüger aus Lagendorf. Anhand der Quellen könne man vergleichen, wie sich die Bräuche teilweise über die Jahrhunderte in den Orten erhalten haben.

Das Quellenmaterial, das aus mehreren Seiten, aber auch nur aus einem Satz bestehen kann, soll chronologisch geordnet und jeweils der Verfasser genannt werden. „Es bildet den Hauptteil des Buches“, so Bock. Daneben will der Jübarer einen Aufsatz über „Sitten und Bräuche und ihre Veränderungen im Laufe der Zeit“ verfassen, und auch von Diesdorfs Museumschef Jochen Hofmann wird ein Beitrag über die Brauchtumsforschung beigesteuert. Dazu kommt ein umfangreiches Ortschafts- und Sachwortverzeichnis.

Ein wertvoller Fundus, der ebenfalls Eingang in das Buchprojekt finden wird, sind die Ergebnisse einer Fragebogenaktion, die 1988/89 durchgeführt wurde. „Damals haben wir alle Bürgermeister in den altmärkischen Kreisen angeschrieben und ihnen Fragen zu den Bräuchen im Jahreslauf in ihren Orten gestellt“, erinnert sich Bock. Bis zu 70 Prozent der Bögen seien „mehr oder weniger gewissenhaft ausgefüllt“ zurückgekommen und die Antworten inzwischen tabellarisch erfasst.