Immekath l Die Finger huschen flink über die weißen Tasten, zwischendurch greift eine Hand nach oben, um an einem Register zu ziehen, die Füße treffen zielsicher die Pedale aus Holz am Boden, während die Augen konzentriert auf die Notenblätter gerichtet sind – das Spielen auf der Orgel verlangt von Friedhelm Klopp vollen Körpereinsatz und Konzentration. So entlockte der Organist der Königin der Instrumente in der Immekather Kirche am Sonnabend wunderschöne Töne. Töne, die von der Troch-Orgel so wohl schon lange nicht mehr zu hören gewesen sein dürften.

Denn der Zahn der Zeit hatte an der Orgel aus dem Jahr 1868 genagt, immer mehr Register verstummten. Vor rund drei Jahren stand fest, dass eine Restaurierung dringend nötig ist. Auch wegen der großen Spendenbereitschaft aus der Bevölkerung konnte das Projekt in Angriff genommen werden. Nun sind die Arbeiten abgeschlossen, die Orgel erstrahlt wieder in neuem Glanz und hat ihre Stimme zurück. Offiziell eingeweiht wurde sie schon Mitte August im Rahmen des Immekather Musiksommers. Eine weitere Feier gab es nun am Sonnabend in der Kirche.

Weniger Druck nötig

„Herr Klopp hat heute wohl am meisten zu tun“, sagte Gemeindepädagogin Barbara Rein, als sie die rund 90 Gäste in dem Immekather Gotteshaus begrüßte. Sie gestaltete einen Familiengottesdienst zum Orgelfest. „Die Kinder werden jetzt viele alte Lieder kennenlernen, die ihre Urururgroßeltern schon hier in der Kirche gesungen haben“, blickte sie voraus. Begleitet wurde der Gesang an der Orgel von Friedhelm Klopp. Er spielte auch, als die Mitglieder des gemischten Chores Immekath ihre Lieder anstimmten. Deutlich wurde dadurch, welche klangliche Bandbreite nun möglich ist.

Und so hatte der Organist am Sonnabend tatsächlich alle Hände voll zu tun. Doch sein Fazit fiel positiv aus. „Die Orgel spielt wunderbar, es gibt einen herrlichen Druckpunkt“, schwärmte Friedhelm Klopp. Jetzt sei das Spielen wesentlich angenehmer, da weniger Druck auf die Tasten ausgeübt werden müsse.

Weiteres Konzert angekündigt

Möglich sei es nach der Restaurierung auch, extra leise zu spielen, erklärte er weiter. „Das Register war vorher noch nicht da.“ Da alles noch „ziemlich nagelneu“ sei, funktioniere aber noch nicht jedes Register so, wie es soll. Die Mechanik der Orgel müsse sich eben erst noch einlaufen, wie der Motor eines neuen Autos, lautete ein Vergleich. Aber auch Friedhelm Klopp müsse jetzt viel üben, nannte er eine Aufgabe, die er sich selbst stellt.

Im  Jahr 2018 wird die Orgel 150 Jahre alt und soll dann wieder einen großen Auftritt haben, sagte Klopp. Im Juli, so verriet er schon, werde das Orgel-Duo Iris und Carsten Lenz aus Wiesbaden bei einem Konzert vierhändig und vierfüßig auf dem Instrument spielen. Eine Zusage dafür habe das Paar schon gegeben. Nötig seien auch weiterhin Spenden für die Restaurierung. Zwar sei der größte Teil der Gesamtkosten von mehr als 80.000 Euro gesichert, doch ein kleiner Betrag sei immer noch offen.