Immekath l Bereits vor fast vier Jahren, nach der überraschenden Schließung des damaligen Fricopan-Werkes mit 500 Mitarbeitern zum 31. August, hatte die Paradiesfrucht GmbH Salzwedel das fast zwei Hektar große Gelände gekauft. „Wir hatten in Salzwedel geplant, ein neues Kühlhaus zu bauen“, sagte Geschäftsführer Bernd Wiesner im Gespräch mit der Volksstimme. Doch nach dem Aus für Fricopan stand das große Kühlhaus in Immekath mit einer Lagerkapazität von 4500 Tonnen leer. Das war der Hauptgrund, das gesamte Gelände zu erwerben, erklärte Bernd Wiesner. Denn ein Kühlhaus-Neubau in Salzwedel, so der Geschäftsführer, wäre wesentlich teurer geworden. Zumal in Immekath alle Anschlüsse vorhanden waren.

Neben dem Kaufpreis, bei dem Stillschweigen zwischen dem Verkäufer und dem neuen Eigentümer mit Hauptsitz in Drochtersen bei Stade vereinbart worden ist, hat Paradiesfrucht laut Bernd Wiesner eine zweistellige Millionensumme in Immekath als Investition geplant. Einige Produktionshallen sind bereits auf den neuesten Stand gebracht. Seit einigen Tagen läuft dort ein Testbetrieb zur Gefriertrocknung.

In dem Klötzer Ortsteil soll, sagt Bernd Wiesner, ab April die Produktion von gefriergetrockneten Lebensmitteln aus Obst- und Gemüsesorten beginnen. Bislang diente der Standort mit etwa 30 Mitarbeitern nur zur Lagerung von Früchten. Mit der Produktionsaufnahme sind weitere etwa 50 Arbeitskräfte notwendig. Schon seit Monaten ist das Unternehmer dabei auf dem deutschen, aber auch dem osteuropäischen Arbeitsmarkt Frauen und Männer zu finden.

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Deutscher Arbeitsmarkt erfüllt Erwartungen ni

Gesucht werden unter anderem Maschinenführer, Lagerarbeiter und Facharbeiter für Lebensmitteltechnik. Die Nachfrage nach neuem Personal ist groß und Bernd Wiesner betont, dass der deutsche Arbeitsmarkt die Erwartungen nicht allein erfüllen kann. Aus diesem Grund werden bereits seit Monaten Frauen und Männer unter anderem aus Polen umworben, die in Immekath arbeiten sollen. Auch einige der früheren 500 Fricopaner haben nach der Schließung einen neuen Arbeitsplatz bei Paradiesfrucht in Salzwedel oder auch in Immekath gefunden. Allerdings ist die Arbeit mit den Tiefkühlbackwaren nicht mit den der Gefriertrocknung zu vergleichen.

Einige Arbeitnehmer hatten sich nach der Fricopan-Schließung im August 2016 auch schon um­orientiert und wieder einen Job gefunden, so Bernd Wiesner. Er ist sich aber sicher, dass das Unternehmen für die Salzwedeler Außenstelle in Immekath genügend Personal findet, um im April die Produktion komplette aufnehmen zu können. Dabei ist vorgesehen, dass überwiegend große Mengen von Erdbeeren und anderen Beeren sowie Kirschen in Immekath gefriergetrocknet werden. „Das Gros der Verpackung bleibt weiter in Salzwedel“, informiert der Geschäftsführer.

Neben dem Standort Immekath hat das Unternehmen, das seit 2004 in Salzwedel mit aktuell 250 Beschäftigten tätig ist, noch ein Werk in Polen und den Stammsitz in Drochtersen.

Zusatzprämien für die Mitarbeiter

Was die Kritik der Gewerkschaft an der Bezahlung der Angestellten und die Streiks in der Vergangenheit betrifft, hat der Geschäftsführer eine klare Meinung. Wiesner weiß selbst, dass es längst nicht ausreicht, Mindestlohn zu zahlen, um geeignetes Personal zu bekommen. Wie er sagte, gab es zum 1. Januar eine Lohnerhöhung von acht Prozent. Zudem hat er selbst eine Gesundheitsprämie von monatlich 150 Euro pro Angestellten eingeführt. Das heißt, wenn ein Mitarbeiter einen Monat nicht krank ist, bekommt er 150 Euro zusätzlich auf den Bruttolohn.

Auch Arbeitnehmer, die namentlich nicht genannt werden möchten, sind mit den Bedingungen zufrieden. Ein Mann arbeitet seit vier Jahren in dieser Firma. „Wir bekommen immer pünktlich Geld und ich hatte in der Zeit auch schon zwei Lohnsteigerungen“, betont er.

Wie Bernd Wiesner weiter anmerkte, hält das Unternehmen einen Betriebsrat vor. Franziska Müller ist dazu für die Betriebsratsarbeit freigestellt.