Klötze l Es ist eine Art kleiner Urwald, der da in der besten Innenstadtlage von Klötze gewachsen ist: Im Gauß‘schen Park an der Bahnhofstraße schossen in den vergangenen Jahren unzählige Büsche und Bäume ungehindert in die Höhe. Doch mit dem Wildwuchs soll nun Schluss sein. Am Mittwochmorgen wurde eine große Esche am Rand des Geländes gefällt. „Es war der erste Baum, der wegkommt“, sagte Thomas Ochmann vor Ort im Gespräch mit der Volksstimme.

Der 43-jährige Klötzer hat das Gelände im Jahr 2017 gekauft. Zuvor gehörte es einer Erbengemeinschaft, wie er berichtete. Sein großes Ziel sei nun, den Park, durch den Ochmann schon als Kind gelaufen sei, wieder schön herzurichten und für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Ein Spielplatz wird gewünscht

Um das zu erreichen, arbeitet der Privatmann mit der Stadt Klötze zusammen, die sich finanziell beteiligt. Für dieses Jahr sind im städtischen Haushalt 105.000 Euro an Investitionsmitteln für das Park-Projekt vorgesehen. Es kommen 70.000 Euro an Fördermitteln aus dem Programm „Stadtumbau Ost“. Das Gelände solle in privater Hand bleiben und von der Öffentlichkeit genutzt werden können, hieß es am Mittwoch. Ochmann findet es toll, dass sich die Stadt beteiligt.

„Ich habe das Gefühl, die ganze Stadt wartet darauf“, sagte der Eigentümer mit Blick auf das „riesen Projekt“, wie er es nannte. Die Arbeiten könnten schon in diesem Jahr losgehen. Ganz genau stehe aber noch nicht fest, wie der Park eines Tages aussehen soll. Eine Bedingung sei für Ochmann aber, dass ein Spielplatz eingerichtet wird. Es gebe sonst nämlich keinen in der Stadtmitte. Eltern müssten bislang mit ihren Kindern auf den Platz in Klötze-Süd ausweichen, begründete er. Wege und Bänke dürften ebenfalls nicht fehlen.

Bäume müssen weichen

„Möglichst sollte der alte Baumbestand erhalten werden“, sagte der 43-Jährige. Das gehe aber nicht bei jedem Baum. Ein entsprechendes Gutachten läge bereits vor. Demnach müsste gut die Hälfte von den größeren Bäumen weichen.

Als gefährlich sei auch die große, gut 20 Meter hohe Esche eingestuft worden, die am Mittwoch gefällt wurde. Trockene Äste hatten in den Bereich der angrenzenden Bahnhofstraße hineingeragt. Die Fällung war nur noch an diesem Tag möglich. Um Gefahren für Fußgänger und Autofahrer auszuschließen, hatte die Stadt Klötze für die Zeit der Arbeiten eine gut vierstündige Sperrung der Bahnhofstraße in diesem Bereich angekündigt. Eingerichtet wurde zudem eine Umleitung. Doch zu größeren Einschränkungen kam es augenscheinlich nicht. Nach gut zehn Minuten, so berichtete Thomas Ochmann, hatten die Mitarbeiter einer Kalbenser Firma den großen Baum zu Boden gebracht. Der Verkehr rollte am Vormittag wieder durch die Bahnhofstraße.

Geschichtsträchtiges Gebäude

Neben dem Grundstück mit einer Größe von rund 3500 Quadratmetern hat Thomas Ochmann auch noch ein angrenzendes Haus gekauft, das ein wichtiger Zeuge der Klötzer Stadtgeschichte ist. „Auf dem Fundament wurde Klötze gegründet“, wusste Ochmann über das Gebäude zu berichten und ergänzte: „Unten gibt es noch 1,30 Meter dicke Wände.“ Kein Wunder, immerhin soll sich dort einst die erste befestigte Burg befunden haben. Später sei dort das Amtshaus gewesen. Dreimal sei das Gebäude im Laufe der Jahre abgebrannt und wieder aufgebaut worden. Wann das derzeitige Haus an dieser Stelle errichtet wurde, konnte Thomas Ochmann nicht genau sagen. Er wusste aber, dass es seit gut 25 Jahren leer steht.

Verschiedene Ideen, was man mit dem Haus anstellen könnte, hat Ochmann schon. So könnten etwa Wohnungen entstehen, nannte er als Beispiel. Denkbar wäre auch, Zimmer zu vermieten. Für das Haus solle zudem ein eigener Platz vom Park abgetrennt werden. „Vielleicht könnte es auch ein Café geben“, fuhr er fort. Ausgegoren seien die Pläne noch nicht, Gespräche mit der Denkmalbehörde müssten geführt werden. „Ich habe eine Familie, die will ich nicht in den Ruin treiben“, gab der Klötzer, der nicht nur gelernter Koch, sondern auch studierter Finanzwirt mit dem Schwerpunkt Immobilien ist, zu bedenken.