Klötze l Nicht nur in der Wirtschaft gibt es einen Fachkräftemangel. Auch die Kirche muss damit zurechtkommen. Das ist aber gar nicht so einfach. Dafür gibt es aktuell gleich mehrere Beispiele. So wird nach dem Abschied von Martin Zander schon seit mehreren Monaten ein neuer Gemeindepädagoge für Kusey gesucht. Kandidaten seien aber Fehlanzeige, wie Superintendent Matthias Heinrich auf Anfrage der Volksstimme mitteilt.

Besser sieht es in Klötze aus, wo seit Mitte 2017 ein Nachfolger für den langjährigen Pfarrer Johannes-Michael Bönecke gesucht wird. Vertretungsweise ist hier seit dem 1. Januar Michael Nolte für die Gläubigen im Einsatz. Er sei auch der einzige Bewerber für die vakante Pfarrstelle in Klötze, wie Heinrich verriet. Dass die Kirche nicht gleich Nägel mit Köpfen macht und Nolte direkt einstellt, habe kirchenrechtliche Gründe, wie Heinrich erklärt. „Das Bewerbungsverfahren ist unterbrochen und wird im Herbst fortgesetzt.“ Andere Interessenten für die Pfarrstelle in Klötze habe es nicht gegeben. Und wird es auch nicht, da weitere Bewerbungen nicht zugelassen seien, wie Heinrich erläutert. Der Superintendent sagt es zwar nicht, aber angesichts dieser Faktenlage scheint es logisch, dass Michael Nolte über kurz oder lang der neue Klötzer Pfarrer wird. Einstweilen hat der Quarnebecker noch Zeit, sich weiter an den Pfarrbereich zu gewöhnen. War er von der Landeskirche ursprünglich nur für ein halbes Jahr beauftragt worden, so verlängere sich die Vertretung bis Ende des Jahres, wie Heinrich informiert.

Bevorzugt werden urbane Regionen

Ob und wann das leer stehende Klötzer Pfarrhaus wieder bezogen werden kann, steht derweil noch in den Sternen. Das Gebäude ist sanierungsbedürftig. Es gibt Mängel im Fachwerk, die Heizung hat die besten Zeiten hinter sich und es fehlt eine moderne Wärmedämmung. Außerdem soll noch eine separate Wohnung eingerichtet werden. „Die Maßnahme ist noch in der Planungsphase“, teilt Heinrich mit. Zwar hätten bereits Untersuchungen zum Baugrund stattgefunden und auch der Denkmalschutz sei involviert, jedoch sei es ziemlich kompliziert, „ein altes Haus den heutigen Standards anzupassen“, wie der Superintendent anmerkt.

Indes ist auch kein Nachfolger für Steimkes Pfarrer Bernd Schulz in Sicht, der am 31. August in den Ruhestand gehen wird. „Auch für diese Stelle hat sich niemand beworben“, bedauert Heinrich, der einräumt, dass auch Pfarrer, ähnlich wie Ärzte, eher urbane Regionen bevorzugen. „Es ist wie bei anderen Berufsgruppen auch. Die meisten Leute, die sich für eine Arbeit auf dem Land begeistern können, stammen auch vom Land. Alle anderen legen Wert auf eine bessere Infrastruktur“, weiß der Superintendent. Hinzu käme der generelle Personalmangel. „Es gibt weniger Pfarrer als freie Stellen.“

Ausschuss wird tagen

Sollte es für Steimke und Kusey nicht doch noch Aspiranten geben, ist guter Rat teuer. „Ende April tagt der Stellenplanausschuss“, berichtet Heinrich. Dann würden auch Alternativen ausgelotet. „Wir machen uns Gedanken in jede Richtung“, blickt der Superintendent voraus.