Klötze l Früher machte er das beruflich, seit 2007 reist Steffen Clauss in ehrenamtlicher Mission quer durch Sachsen-Anhalt und Teile von Sachsen und Thüringen, um Kinder im Alter von vier bis zehn Jahren vor möglichen Konflikt- und Gefahrensituationen zu bewahren. An fünf Tagen pro Woche besucht er für die „AG Schutzengel“ Kindergärten und Schulen, spricht mit Kindern, Eltern, Lehrern und Erziehern. Und jeden Sonntag bietet Clauss eine individuelle Beratung im Kriminalpanoptikum Aschersleben an. Er tut das alles, damit Kinder keine Opfer werden, nicht entführt werden. Am Donnerstag war der Polizeihauptkommissar außer Dienst, der in der Nähe von Halle wohnt, im Klötzer Hort zu Gast.

Heile Welt gibt es nicht

Eine heile Welt gibt es leider nicht, weiß Steffen Clauss. Dennoch sollten Kinder nicht in Angst leben, sondern sich in ihrem Lebensumfeld frei entfalten können. Dabei seien Eltern oft unsicher, wie viel Freiraum sie ihren Kinder lassen können, ohne sich Sorgen um deren Sicherheit machen zu müssen. Wichtig sei es, dass Eltern mit ihren Kindern über Gefahren sprechen, wobei keinesfalls Ängste geschürt werden sollten, empfiehlt der 67-Jährige. Vielmehr sollten sich Kinder sicher und geborgen fühlen und trotzdem erkennen, dass man manchmal vorsichtig und aufmerksam sein muss.

Wenn das Kind zu unerlaubten Handlungen aufgefordert wird, laute das Schlüsselwort stets „Nein“, betont Clauss. Dem Kind sollte veranschaulicht werden, dass es über seinen eigenen Körper selbst bestimmen darf. Eltern sollten mit ihrem Kind über Ängste sprechen, diese möglichst entkräften und das Selbstvertrauen des Kindes in die eigenen Fähigkeiten bestärken, rät der einstige Polizeibeamte.

Eltern müssen wissen, wo ihr Kind ist

Wobei: Das Feindbild vom bösen fremden Mann sei fehl am Platz, denn nur fünf Prozent der Täter verkörperten diesen Typus. „60 Prozent der Täter kommen aus der eigenen Familie“, informiert Claus. Dem Kind sollte verständlich gemacht werden, dass die Eltern seinen Aufenthaltsort immer kennen müssen.

Bekannte Märchen schaffen eine gute Gesprächsgrundlage, um mit Kindern über ihr Verhalten in möglichen Gefahrensituationen zu sprechen, erklärt Clauss. Auch er selbst ging im Klötzer Hort spielerisch an das Thema heran. Die Kinder schlüpften in die Rollen von Polizist, Bösewicht, Opfer, Detektiv, Richter und Augenzeuge und spielten einen Kriminalfall nach. Dann lernten die Mädchen und Jungen mithilfe von Handpuppen, wie man sich richtig oder falsch verhält. Dabei wurde die Fiktion in die Realität übertragen. Die Kinder erfuhren, dass man nicht auf jede Frage antworten sollte. Demnach ist es in Ordnung, jemanden den Weg zu erklären, aber was die eigene Familie betrifft und beispielsweise den Wohnort, ist tabu.

Darüber hinaus warnte Clauss die Kinder davor, von fremden Menschen Geschenke anzunehmen. Es sei denn, die Eltern, Lehrer oder Erzieher sind damit einverstanden. „Auf dem Schulgelände oder im Kindergarten entscheiden die Lehrer oder Erzieher“, machte der „Kinderpolizist“ deutlich.