Wenze l Dicke Holzbalken stützen seit Ende 2019 den schiefen Wenzer Kirchtum. Es wird auch noch eine Weile dauern, bis die Balken endgültig verschwinden. Denn mit der Komplettsanierung des historischen Turmes könnte, wenn alles nach Plan läuft, frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2021 begonnen werden, informierte der Baureferent im Kreiskirchenamt Salzwedel, Rainer Wellkisch, auf Volksstimme-Nachfrage.

Derzeit, so sagte er, erarbeitet ein Planungsbüro ein Konzept, in dem geklärt wird, was die Kirchturmsaníerung kostet und wie der Turm neu gebaut werden kann. Zudem soll ein Antrag bei der Leader-Aktionsgruppe gestellt werden, damit der Löwenanteil der Kosten abgedeckt werden kann. Nach ersten Schätzungen geht Rainer Wellkisch von einer Sanierungssumme im höheren sechsstelligen Bereich aus. Wie hoch die Summe genau ist, soll sich in dem Konzept wiederfinden. Das Papier soll noch in diesem Jahr vorliegen, erklärte Rainer Wellkisch. Wenn die Finanzierung mit Fördergeldern der Europäischen Union steht, kann der Baustart für den geschichtsträchtigen Fachwerkturm an der Landesstraße 20 beginnen.

Die Wenzer Einwohner haben bereits signalisiert, das Bauvorhaben mit Spendengeldern zu unterstützen, damit ihr Wahrzeichen wieder in neuem Glanz erstrahlen kann. Dabei wird das Abtragen des Turmes bis auf eine gewisse Höhe favorisiert, damit er im Anschluss wieder gerade nach oben gemauert werden kann, wie Rainer Wellkisch erläutert. Auch das Kirchenschiff ist im Zuge des schiefen Turmes bereits an einigen Stellen in Mitleidenschaft gezogen worden. Somit muss es 2021 auch in diesem Bereich einige größere Sanierungsarbeiten geben, kündigte er an.

Turm soll erhalten bleiben

Im Laufe der vergangenen 30 Jahre hatte sich der 1746 erbaute Turm immer weiter vom 1768 erbauten Kirchenschiff entfernt. Um einen kompletten Einsturz des Baudenkmals zu verhindern, wurde der Turm Ende 2019 abgestützt. Nicht nur, weil er drohte einzustürzen. Im Zuge der Sicherungsmaßnahme wurde auch ein Sperrzaun von vier Metern um die Immobilie gezogen, da sich schon Holz- und Mörtelteile aus dem Fachwerk gelöst hatten und auf den Boden gefallen waren. Passanten waren gefährdet und sollten geschützt werden. Das Läuten der Kirchturmglocken und das Betreten des Turmes wurden seit dieser Zeit verboten.

Die Sanierung des schiefen Turmes beschäftigt die Einwohner und den Gemeindekirchenrat schon seit einigen Jahren. Eine Instandsetzung war auf Grund fehlender finanzieller Mittel der Kirchengemeinde und anderer Beteiligter immer wieder verschoben worden. Nun scheint die Sanierung in den richtigen Bahnen zu laufen und ein Baubeginn ist zumindest in Aussicht gestellt.

In der Diskussion um den schiefen Turm stand kurzzeitig sogar ein Abriss. Doch die Wenzer stehen zu ihrem Gotteshaus und wollen das historische Gebäude samt Turm auf jeden Fall für die nachfolgenden Generationen erhalten. Das war das einhellige Ergebnis einer Zusammenkunft 2019 mit Pfarrer Thomas Piesker in der Kirche.