Zweckverband stellt Pläne für das Naturschutzgroßprojekt vor

Schlammpeitzger und Quappe bekommen Treppe

Von Martin Rieß

Vorangehen soll es in diesem Jahr mit dem Naturschutzgroßprojekt Drömling. Der Zweckverband hat gestern im Schloss Kunrau vor Experten die Pläne für das kommende Jahr vorgestellt. Es sollen ein neues Feuchtbiotop und eine Fischtreppe angelegt werden, außerdem sollen am Moordammgraben die Durchlässigkeit verbessert und am Grenzgraben Mulden geschlossen werden.

Kunrau. Wie weiter im nördlichen Drömling? Vertreter von Kommunen und Verbänden trafen sich gestern im Kunrauer Schloss. Matthias Kausche, Geschäftsführer des Zweckverbandes Naturschutzprojekt Drömling, hatte sie eingeladen. Thema waren die Projekte im Droemling in den kommenden Monaten. Der Bauingenieur Lars Deuter aus Quedlinburg erläuterte die Details der einzelnen Vorhaben.

So soll im Jahrstedt-Böckwitzer Drömling unweit der ehemaligen Eisenbahnstrecke ein neues Feuchtbiotop entstehen. Dies soll ein Nebenprodukt sein, denn benötigt wird der Boden von dieser Stelle woanders: Der Grenzgraben zwischen Jahrstedt und Parsau auf niedersächsischer Seite soll hergerichtet werden. Mulden sollen zugeschüttet werden, Wälle angelegt werden, wo das Wasser aus der Kernzone des Naturschutzgroßprojektes hinauszulaufen droht.

Die Vertreter von niedersächsischer Seite ließen sich versichern, dass der Hochwasserschutz unter den Vorhaben nicht leiden wird. Tatsächlich ist das erklärte Ziel des Zweckverbandes, das Wasser zu regulieren: hoher Wasserstand in der Kernzone des Naturschutzprojektes, ein niedrigerer Wasserstand auf den bewirtschafteten Flächen ringsum.

3000 Kubikmeter Boden werden bewegt

Derzeit gehen die Planer von 3000 Kubikmetern Boden aus, der für den Grenzgraben bewegt werden muss. Dies bedeutet nicht zuletzt für die Wege in dem Gebiet eine große Belastung. Daher kam die Anregung von niedersächsischer Seite, einen Teil des Aushubs von ihrer Seite der Landesgrenze zu nehmen. Denn unweit des Grenzgrabens ist bereits seit einem Jahr Boden abgelagert, über dessen weitere Verwendung bislang keine Klarheit herrschte. Lars Deuter und Matthais Kausche zeigten sich wohlwollend-aufgeschlossen gegenüber dieser Idee - verbunden wären damit nämlich nicht zuletzt kürzere Transportwege.

Von besonderem Interesse für die Niedersachsen ist der Grenzgraben, weil die Arbeiten von niedersächsischer Seite aus erfolgen sollen. Der Zugang über das Gebiet von Sachsen-Anhalt ist für Baufahrzeuge nämlich nicht möglich.

Neue Wehre sollen an anderer Stelle die Durchlässigkeit fürs Wasser gewährleisten. Insbesonder im Moordammgraben soll das Wasser wieder fließen können.

Doch es ist nicht allein das Wasser, das neue Wege in das Naturschutzgebiet finden soll. Auch Fische sollen besser vorankommen. Für sie soll an einem bereits bestehenden Dreifachwehr unweit von Buchhorst eine neue Fischtreppe entstehen. Ein Durchfluss des Wehres soll für den Auf- und Abstieg der Schuppentiere hergerichtet werden. Wie zu erfahren war, wird diese Anlage angesichts schwankender Wasserstände nicht ständig von wandernden Fischen genutzt werden können. Eine andere Lösung sei aber angesichts der Besonderheiten des Drömlings nicht möglich, und eine Verbesserung zur bisherigen Situation stellt die neue Fischtreppe allemal dar.

Profitieren sollen von diesem neuen Bauwerk Fischarten wie die Quappe, der Bitterling und der Schlammpeitzger. Sie alle sind in Deutschland vielerorts vom Aussterben bedroht. Nicht zuletzt sollen natürlich von einer intakten Fischwelt auch andere Tiere profitieren: Bereits in einer zum Abschluss der ersten Phase des Großprojektes herausgegebenen Broschüre verweist der Zweckverband auf die guten Lebensbedingungen von Störchen und Kranichen.

Arbeiten sollen im August beginnen

Derzeit laufen die Vorbereitungen für die Ausschreibungen. "Wir hoffen, dass die Arbeiten dann im August beginnen können", sagte Matthias Kausche. Zunächst werde es auf Anregung der Nachbarn aus Niedersachsen darum gehen, den unteren Bereich des Grenzgrabens herzurichten. Denn wenn Anfang Oktober die jährliche Flutung in diesem Gebiet beginnt, könnte dies die Arbeiten erschweren.

www.droemling.de