Klötze l Obwohl die Ansicht aus dem Mittelalter stammt, sehen die Menschen in Schornsteinfegern immer noch Glücksbringer. Der Aberglaube ist darin begründet, dass der Schornsteinfeger damals durch seine Kehrarbeit die heimischen vier Wände schützte und somit Glück ins Haus brachte. Schließlich fingen die Häuser zu jener Zeit viel leichter und häufiger Feuer. Wenn es um die reine Kehrarbeit geht, erfüllen die Schornsteinfeger heute noch immer diese Aufgabe, jedoch ist ihr Tätigkeitsfeld um einiges größer. Manchmal geht es auch in Arbeitshose, T-Shirt und ohne Zylinder auf Tour.

Diese umfasst im Kehrbezirk von Felix Raffel und Alexander Trentz die Ortschaften Klötze, Gladdenstedt, Nettgau, Wendischbrome, Mellin, Böckwitz, Steimke, Jahrstedt, Kunrau, Kusey, Immekath, Ristedt, Neu-Ristedt, Dönitz, Schwarzendamm, Altferchau, Rappin und Nesenitz. Gut die Hälfte sei Kehrarbeit, sagt Raffel. Dann sieht man den Meister und/oder seinen Gesellen – meistens sind sie jeweils allein unterwegs – in traditioneller schwarzer Kluft und mit Zylinder hoch oben auf den Dächern stehen, mit der Kehrleine hantieren und Schornsteine fegen.

Schwindelfreiheit Bedingung

Gut die Hälfte sei Kehrarbeit, sagt Raffel. Dann sieht man den Meister und/oder seinen Gesellen – meistens sind sie jeweils allein unterwegs – in traditioneller schwarzer Kluft und mit Zylinder hoch oben auf den Dächern stehen, mit der Kehrleine hantieren und Schornsteine fegen. Schwindelfrei müssen sie dafür sein, schließlich sind die Gebäude auch mal gut und gerne 15 Meter hoch. Schwindelfrei müssen sie dafür sein, schließlich sind die Gebäude auch mal gut und gerne 15 Meter hoch.

Bilder

So weit oben erwartet die Männer aber nicht nur Arbeit, sondern auch der ein oder andere Ausblick, der sich nur wenigen bietet. „In Klötze ist der Blick über die Altstadt, also Mittelstraße, Grünstraße und Schulstraße sehr schön“, findet Felix Raffel. Auf den Dörfern fasziniere die Sicht in die Ferne. „Da bleibe ich auch mal fünf Minuten auf dem Dach sitzen, um das zu genießen.“ Die Jahreszeit sei da fast egal, „Hauptsache es ist nicht verregnet oder verschneit“.

Wie oft Schornsteine und Kaminrohe von Ruß befreit werden müssen, richtet sich nach der Häufigkeit der Nutzung. „Ein Kaminofen, der zum Zuheizen benutzt wird, sollte schon zweimal im Jahr gekehrt werden“, sagt der Fachmann. Ansonsten werde die Brandlast mit der Zeit immer höher, „weil der anhaftende Ruß sich entzünden und es zu einem Schornsteinbrand kommen kann.“ „Und dann wird es richtig gefährlich.“ Stimmt also, dass sie durch ihre Arbeit immer noch Häuser vor Schornsteinbränden bewahren und Glücksbringer sind … und sie deshalb kaum vor verschlossenen Türen stehen. Außerdem haben sie sich zuvor schon per Postkarte angemeldet oder einen konkreten Termin vereinbart.

Neutrale Berater

Der Arbeitstag für Meister und Geselle beginnt um 6.45 Uhr. Kurz wird besprochen, was für den Tag ansteht und worauf bei bestimmten Grundstücken besonders geachtet werden muss. Ebenso werden die Touren für die anderen Aufgaben geplant, wie etwa das Überprüfen von Öl- und Gasheizungen. Außerdem sind die Männer gefragt, wenn es bei Neubauten um die Errichtung von Feuerstätten geht, um Möglichkeiten der Energieeinsparung und dergleichen. „Dabei sind wir neutrale Berater, da wir ja nichts verkaufen und auch nicht für spezielle Produkte werben.“

Ebenso verhalte es sich in Sachen Rauchwarnmelder. Ein weiteres Tätigkeitsfeld ist das Ausstellen von Energiepässen. Durch regelmäßige Schulungen und die guten Vernetzungen der Kollegen innerhalb der Innung seien sie immer auf dem neuesten Wissensstand. Das Schöne an seinem Beruf sei, dass kein Tag dem anderen gleiche. „Man hat mit so vielen Menschen zu tun und muss sich immer wieder auf sie einstellen. Es wird nie langweilig“, sagt Felix Raffel. Auch deshalb, weil vor Ort selten ausschließlich die reine Schornsteinfeger-Arbeit im Mittelpunkt steht. „Manchmal geht es nebenbei um Wetter, Krankheit, Nachbarn, man ist auch ein bisschen Seelsorger.“ Dieser Mix aus allem mache das Besondere an seinem Beruf aus.

Kehrbezirk als Glücksfall

Seine Ausbildung absolvierte Felix Raffel von 2010 bis 2013 im elterlichen Betrieb in Arendsee. Im Anschluss ging es für ein Jahr zur Meisterschule nach Ulm. Danach hat er zwei Jahre in Goslar gearbeitet und bekam auf seine Bewerbung hin im November 2016 den frei gewordenen Kehrbezirk in Klötze. 2017 stellte er Alexander Trentz als Gesellen ein. Ich hatte ohnehin geplant, wieder zurück in die Altmark zu kommen, dass ausgerechnet hier ein Bezirk frei war, ist ein echter Glücksfall gewesen“, blickt der 28-Jährige zurück.

Apropos Rückblick: Schornsteinfeger werden, stand nie ganz oben auf der Wunschliste. Über Umwege wurde es dann doch der Traumberuf. Raffel: „Ich habe meine Berufung gefunden. Etwas anderes könnte ich mir nicht mehr vorstellen.“