Klötze l Da kommt man schon beim Zuschauen ins Schwitzen: Das angewinkelte linke Bein ziehen die mehr als 20 Frauen nach oben, berühren mit dem Knie dabei den Ellenbogen. Anschließend das Gleiche mit dem rechten Bein. Und das mehrmals hintereinander. Es wird auf der Stelle marschiert oder der Oberkörper nach unten gebeugt und mit den Händen die Fußspitzen berührt. Den Takt gibt die Musik aus dem CD-Player vor, die durch die Klötzer Zinnberghalle tönt. Welche Bewegungen ausgeführt werden sollen, sagt hingegen Angelika Heise an. Sie ist quasi die Vorturnerin in der Frauensportgruppe mit dem passenden Namen „Bauch, Beine, Po“ und hat sich die Übungen ausgedacht. Die Mitglieder, alle im Alter von 40 bis 65 Jahren, treffen sich immer dienstags für eine Stunde in der Sporthalle. Angefangen hat alles vor 30 Jahren, im August 1988, als Klötze noch in der DDR lag.

So lange hält Petra Böhm der Gruppe bereits die Treue. Neue Leute wollte sie ursprünglich kennenlernen, blickt sie zurück. Denn 1988 sei sie von Salzwedel in die Purnitzstadt gezogen. „In der Zeitung habe ich dann die Anzeige gelesen, dass eine Gymnastikgruppe gegründet wird“, sagt Böhm. Sie sei hingegangen und mittlerweile drei Jahrzehnte lang dabei geblieben. Ebenfalls Mitglied der ersten Stunden ist Karin Steinfeld. Andere sind schon seit vielen Jahren dabei.

Immer poppige Musik

Rückblickend habe sich im Laufe der Zeit nicht viel geändert. Trainiert wird schon seit jeher zur Musik. „Damals hatten wir auch schon poppige Musik“, sagt Petra Böhm über die Treffen in der DDR-Zeit. An die Titel könne sie sich nicht mehr erinnern, auch aktuelle Songs aus dem Westen seien dabei gewesen. „Wir haben keine Arien oder Volksmusik gehört“, stellt sie klar.

Ach, und Stulpen habe auch keiner mehr getragen, die Aerobic-Welle, die in den 1980ern um die Welt schwappte, sei da schon Geschichte gewesen. Die Übungen von heute seien mit denen von damals vergleichbar, am Motto „Bauch, Beine, Po“ habe sich nichts geändert. „Das ist richtig anstrengend, danach ist man fertig“, sagt Petra Böhm. Dennoch schwört die Klötzerin, die nächstes Jahr 60 wird, auf die Übungen. „Der Sport hält jung und fit“, zeigt sie sich überzeugt. In der Zeit der politischen Wende hätten die Mitglieder sich keine Gedanken darüber gemacht, dass die Gruppe aufhören könnte. Der politische Umbruch sei bei den Sportlerinnen nicht so zu spüren gewesen.

Nicht nur sportlich ein Team

Einschneidende Veränderungen beschränkten sich auf den Übungsort, dreimal zogen die Frauen innerhalb von Klötze um. Erst, so erinnert sich Petra Böhm, trainierte man in der Jahn-, dann in der Hegefeld-Sporthalle. Seit einiger Zeit ist die Zinnberghalle das sportliche Zuhause der Frauen.

Etwas, dass nach der Wiedervereinigung besser geworden sei, fällt Petra Böhm dann doch noch ein: und zwar der Sekt. Gründe, die Gläschen klingen zu lassen, gibt es in der Sportgruppe immer mal wieder. Nach Weihnachten gibt es ein Treffen, ebenso zum Jahresabschluss vor der Sommerpause. Bei runden Geburtstagen wird gerne mal was ausgegeben. Jüngst wurde das 30-jährige Bestehen der Gruppe gefeiert. Dafür ging es mit dem Bus in ein Salzwedeler Bowlingcenter – denn ein bisschen Sport muss schließlich sein. Mit tollem Essen sei es ein lustiger Abend gewesen, wie sich Vorturnerin Angelika Heise erinnert. Für die finanzielle Unterstützung der Stadt Klötze, vom VfB 07 Klötze und vom Kreissportbund möchten sich die Sportlerinnen bedanken.

Eingehen auf Bedürfnisse

Angelika Heise selbst ist schon seit 23 Jahren dabei, vor zwölf Jahren hat sie die Gruppe, die zum VfB 07 Klötze gehört, übernommen und trainiert sie seitdem. Jedes Jahr erstellt sie ein neues Übungsprogramm, bei dem alle Muskelgruppen beansprucht werden sollen. „Dabei geht es darum, die Problemzonen ein bisschen im Zaum zu halten“, so Heise, die neben der Gründerin Margit Strelow erst die zweite Vorturnerin ist. „In diesem Jahr sind wir etwas flotter unterwegs“, sagt Angelika Heise und meint damit die schnellere Musik, die bei den Übungsabenden läuft. Es seien Titel, die auch im Radio zu hören sind. Sie überlege sich immer, welche Übungen dazu absolviert werden könnten. Eine ausgebildete Trainerin ist sie nicht. Insgesamt 23 Mitglieder zählt die Gruppe heute, rund 20 von ihnen seien immer dabei. Eigentlich ist die Runde damit voll, sagt Angelika Heise. „Es sind alles supernette Mädels, wir sind eine coole Truppe“, freut sie sich.

Lob gibt es auch für die Vorturnerin aus der Runde ihrer Mitstreiterinnen. „Die behalten wir“, sagt Petra Böhm und lobte, dass Angelika Heise ein gutes Ohr für jeden einzelnen habe. „Wir werden alle nicht jünger, tun jemandem die Knie weh, geht sie darauf ein“, nennt Böhm ein Beispiel. Ihr Wunsch von vor 30 Jahren, neue Leute kennenzulernen, habe sich durch die Mitgliedschaft in der Gruppe „Bauch, Beine, Po“ übrigens erfüllt, es seien Freundschaften entstanden, so Böhm.