Klötze l Vier Männer sind derzeit als Hüter der Klötzer Stadtgeschichte im Einsatz. Bernd Granzow, Reinhard Wegner, Ulrich Kipp und Dirk Spaehn sind die berufenen Ortschronisten in der Kernstadt. Was die Ehrenamtlichen genau machen, erklärten sie bei der jüngsten Sitzung des Klötzer Ortschaftsrates. Schnell wurde klar: Das Hobby, das die vier in ihrer Freizeit pflegen, scheint manchmal ein Vollzeitjob zu sein.

Die meiste Zeit würden sie in Heimarbeit verbringen, teilte Reinhard Wegner mit. Er las die zwei Berichte vor, die die Chronisten für die Sitzung geschrieben hatten. Eine Mammut-Aufgabe stellt die Aufarbeitung des vorhandenen Archiv-Materials aus Papier dar. „Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, den riesigen Berg an Unterlagen zu sichten, zu ordnen und zu digitalisieren“, wie es hieß. Gemeint sind damit die zahllosen Fotos und Dokumente, die der frühere Ortschronist Heinrich Bettinghausen über Jahre zusammengetragen und in etlichen Ordnern abgeheftet hatte. „Da der Umfang der Unterlagen so groß ist, ist das Ende nicht absehbar“, wurde mit Blick auf die bereits begonnene Digitalisierung der alten Bilder und Unterlagen mitgeteilt.

Vier Mitglieder teilen sich die Aufgaben

„Herr Bettinghausen hat Aktenordner angelegt, die uns als Chronisten in die Lage versetzen, eine neue Chronik von 1901 bis 2000 zu erarbeiten. Von 1901 an gibt es schon vorgefertigte Unterlagen“, hieß es im Bericht. Der Anfang sei bereits gemacht. Zurzeit würden die vorhandenen Daten zusammengetragen und sortiert. „Am Ende soll es eine druckreife Fassung geben.“

Bilder

Die vier Mitglieder haben sich die anfallenden Aufgaben aufgeteilt. Der „Digitalmeister“ in der Runde, so Wegner, ist Dirk Spaehn. Er schenkte der Stadt Klötze vor einigen Monaten die notwendige Technik: einen Laptop, eine Festplatte, einen Flachbett-Scanner und einen Laserdrucker. Verwendet werden dürfen die Geräte nur von den Ortschronisten in ihrem „Stübchen“. Dabei handelt es sich um einen Raum im Obergeschoss der Klötzer Stadt- und Kreisbibliothek an der Breiten Straße. Spaehn scannt zurzeit die Unterlagen aus dem Archiv ein. Mehr als 10 000 digitale Kopien fertigte er so bereits an.

Für die Sammlung von Zeitungsausschnitten ist Bernd Granzow verantwortlich. Dabei pflege er sein umfangreiches Wissen zur Stadtgeschichte und halte Kontakt zu vielen Bürgern. Ulrich Kipp forsche in zugänglichen historischen Beständen „zur ersten standfesten urkundlichen Erwähnung von Klötze und der Burg Klötze“, wurde berichtet. Sein Faktenwissen sei – ebenso wie das von Bernd Granzow und Dirk Spaehn – bei der inhaltlichen Erfassung der bereits gefertigten digitalen Kopien unbedingt erforderlich. Denn mit dem Einscannen allein ist die Arbeit nicht erledigt. Jede Datei muss mit Schlagworten versehen werden, um sie später mit einem Computer-Programm finden und nutzen zu können.

Unterstützung aus der Bevölkerung

Der Vierte im Bunde, Reinhard Wegner, sagte über sich selbst, dass er im Bezug auf fachliche Fragen zur Region ein „ziemlicher Embryo“ sei. Der Grund: Erst seit Mai 2018 sei er Klötzer. Zunächst bildeten Wegner und Granzow ab Januar 2019 ein Chronisten-Duo, später stießen Kipp und Spaehn dazu. Im Team kümmert Wegner sich um internetgestützte Arbeiten im Hintergrund, wie er sagte: „Ich halte uns Chronistenbrüder auf allen Kanälen zusammen und darf als Erster von uns externe Anfragen entgegennehmen.“ Denn einige Interessenten haben sich in den vergangenen Monaten bereits hilfesuchend an die Chronisten gewandt und stellten Anfragen zu verschiedenen Themen-Bereichen. Die Anfragen seien zur „ersten Zufriedenheit“ behandelt worden, teilte Reinhard Wegner mit.

Doch die Ortschronisten erhalten auch Unterstützung aus der Bevölkerung. So würden nicht nur Sachspenden für das Archiv eingehen, sondern es werde auch ganz praktische Hilfe angeboten. So habe sich ein Mann nach einem Aufruf der Gruppe bereit erklärt, alte Videokassetten zu digitalisieren, nannte Wegner ein Beispiel und ergänzte: „Diese DVDs werden nun auch inhaltlich erschlossen.“