Siedengrieben l Der Spaten war am Montagnachmittag ein gefragtes Werkzeug in Siedengrieben – viele Frauen, Männer und sogar Kinder einer gut 20-köpfigen Gruppe hielten einen in der Hand. Versammelt hatte sich die Runde auf einer Wiese hinter dem Trafoturm am Ortsausgang in Richtung Beetzendorf. Dorthin hatte die Bürgerinitiative (BI) Pro Erdkabel eingeladen, um ein Zeichen gegen den geplanten Bau der 110-Kilovolt-Freileitung zu setzen, die der Energieversorger Avacon zwischen Kunrau und Tylsen errichten will. Passend zur Forderung der Aktivisten, stattdessen ein Erdkabel zu verlegen, sollte ein symbolischer erster Spatenstich erfolgen, um einen Anfang zu machen. Den Ort Siedengrieben habe die BI ausgewählt, da die Bewohner von der geplanten Freileitung sehr betroffen seien. Die Leitung würde nach jetzigen Planungen an einigen Häusern vorbeilaufen.

„Das Wetter ist gut. Es schneit nicht und es gibt auch keinen Bodenfrost“, scherzte Enrico Lehnemann, Mit-Initiator der Bürgerinitiative, mit Blick auf den Regen, der vom Himmel fiel. Doch das nasse Wetter stand dem Plan nicht im Wege: Gemeinsam sollte ein Loch auf der Wiese gebuddelt werden, um zu demonstrieren, wie einfach sich ein Kabel im altmärkischen Boden verlegen lässt.

Unterstützung durch Lokalpolitik

Doch bis es soweit war, blickte Enrico Lehnemann für die Teilnehmer der Aktion, unter ihnen waren etwa der Bürgermeister der Stadt Klötze, Uwe Bartels, sowie sein Beetzendorfer Amtskollege, Lothar Köppe, auf die bisherige Arbeit der BI zurück. Die Arbeit einer BI sei das Salz in der Suppe der Demokratie, zitierte er dabei einen Vergleich, den eine Mitstreiterin von ihm einmal aufgestellt habe. „Manchmal muss man die Suppe aber nicht ganz versalzen“, so Lehnemann. Manchmal helfe es auch, gerade so viel Salz zu streuen, dass ein anderer Geschmack entstehe, blieb er im Bild. Dieses Ziel verfolge die BI. So fordern die Aktivisten, ein Erdkabel zu verlegen.

Seit 2012 plane Avacon den Bau der Leitung, 2016 sei die Öffentlichkeit informiert worden, rief Lehnemann in Erinnerung. Vorgestellt wurden die Pläne in verschiedenen Ortschaften. Im März, so blickte Lehnemann zurück, sollte es einen Infoabend in Beetzendorf geben. „Auch kritische Bürger sollten zu Wort kommen.“ Der Energieversorger hatte diesen Termin aber abgesagt. Kurz darauf schlossen sich 24 Männer und Frauen zur Bürgerinitiative zusammen.

Das Landschaftsbild in der Region sei einmalig, sagte Lehnemann, ein Erdkabel daher ein guter Kompromiss. Doch der Energieversorger habe sich in letzter Zeit nicht viel bewegt, kritisierte er. „Die Stimmen aus der Region werden jetzt lauter.“ Auch von Seiten der Lokalpolitik erhalte die BI Unterstützung. Der Klötzer Stadtrat habe etwa kürzlich eine Resolution verabschiedet, in der ebenfalls ein unterirdisches Kabel gefordert wird. „Das Salz streuen hat sich gelohnt“, griff Lehnemann sein anfängliches Bild wieder auf. Die Politik habe sich hinter die Bürger gestellt. Dann kamen die Spaten zum Einsatz.

Einen Dämpfer erhielt die BI in der vergangenen Woche, als der Energieversorger Avacon eine Einladung der Aktivisten zu einem Rund-Tisch-Gespräch, das für den 14. September in Kunrau geplant war, ausgeschlagen hatte (die Volksstimme berichtete). Als Grund dafür nannte Avacon-Pressesprecherin Corinna Hinkel die „fehlende Diskussionsgrundlage“. Zudem bat die Avacon darum, von weiteren Einladungen abzusehen.

Absage der Avacon

Diese Absage sei für die Mitglieder der BI unerwartet erfolgt, sagte Enrico Lehnemann am Dienstag im Gespräch mit der Volksstimme. „Wir werden reagieren. In welcher Form, wissen wir aber noch nicht“, erklärte Lehnemann. Eine Antwort habe die Gruppe noch nicht an den Energieversorger rausgeschickt, nachdem der Brief mit der Absage eingegangen ist. „Wir sind kreativ“, zeigte sich Lehnemann kämpferisch. Bei der nächsten öffentlichen Versammlung der BI am 23. August in Jeeben wolle man über das Vorgehen in dieser Angelegenheit beraten. Es gebe schon Ideen, die aber noch nicht öffentlich gemacht werden sollen.

„Wir sind nach wie vor gesprächsbereit und warten darauf, dass sich die Avacon mit uns an einen Tisch setzen wird.“ Dies sei der Gruppe im April zugesagt worden. Das „Mauern“ der Avacon sei unverständlich, sagte Enrico Lehnemann.