Kunrau l Auf dem Kreativhof in Kunrau fühlen sich Besucher aus dem In- und Ausland pudelwohl. Um zu verstehen, warum das so ist, genügt ein Blick in die prall gefüllten Gästebücher. „Wir haben die Zeit bei euch sehr genossen“, heißt es da zum Beispiel von Silke und Michel aus dem Saarland. Sie schwärmen von den „sehr netten“ Gastgebern und hoffen auf ein baldiges Wiedersehen. Ingrid aus Niedersachsen spricht von einem „Paradies“, erinnert sich an überaus gesellige Stunden und findet: „Solche optimistischen und offenen Mitmenschen braucht das Land.“

Die Rede ist in diesen Beiträgen von Familie Bartels, die es Touristen unter dem Motto „Landvergnügen“ ermöglicht, kostenlos auf ihrem Grundstück zu übernachten. Doch dabei bleibt es nicht. Sofern die Gäste es wünschen, werden sie sogar in die Familie integriert, inklusive der Teilnahme an den Mahlzeiten, es gibt Wegbeschreibungen und Tipps für Ausflüge. Auch hier ist Familie Bartels oft mittendrin, statt nur dabei, wenn es etwa ins Kunrauer Schloss, das Böckwitzer Museum, zum Kanufahren auf die Ohre, zur Schatzsuche (Geocoaching) oder in den Drömling geht. Rolf Bartels und Verena Treichel haben sich extra zum Natur- und Landschaftsführer ausbilden lassen und die Prüfung mit besonderem Erfolg bestanden. Außerdem darf sich Verena Treichel wohl auch bald Waldpädagogin nennen. Dazu macht sie jetzt ein Praktikum bei einem Förster.

Familie sprüht vor Ideen

Das Kreativhof-Team nimmt diese Mühen gerne auf sich. Zum einen, weil es ihm persönlich Spaß macht. Und zum anderen, um Touristen etwas bieten zu können. Es will ihnen aus nächster Nähe die Schönheiten der Gegend zeigen. „Viele wissen gar nicht, was es hier alles zu entdecken gibt“, sagt Renate Bartels und nennt in ihrer Aufzählung als Erstes den Drömling. Dass der etwas „ganz Besonderes ist“, hat laut Verena Treichel unlängst erst ein Künstler aus Berlin festgestellt, der mit dem Rad auf dem Grünen Band unterwegs war und auf dem Campingplatz der Familie nächtigte. „Du wirst hier ein Teil der Natur“, ist Verena Treichel überzeugt. Ihr und ihrer Familie ist ein Anlieger, dass die Altmark nicht zur touristischen Diaspora wird, sondern dass alle an einem Strang ziehen, um den Landstrich zu einem lohnenswerten Reiseziel zu machen.

Familie Bartels geht hier mit gutem Beispiel voran und sprüht vor Ideen. So finden auf dem Kreativhof unter anderem Kurse, Workshops und allerlei Veranstaltungen, wie etwa die Staudenbörse, der Irische Abend oder die Adventsscheune, statt. Demnächst beteiligt sich der Kreativhof auch wieder am Kunstfestival „Wagen und Winnen“. Hinzu kommt die Kooperation mit der Naturparkverwaltung Drömling, zuletzt gab es im Rahmen dessen eine Eulen-, Kranich- und Fledermauswanderung. Darüber hinaus ist Familie Bartels im Organisations-Team für das länderübergreifende Drömlingsfest, das im Juni 2019 seine Premiere in Kunrau feiern soll.

Publikumspreis

Für dieses Engagement, das weit über den eigenen Tellerrand hinausgeht, erreichte der Kreativhof im Frühling 2018 den zweiten Platz beim Marketing-Award „Leuchttürme der Tourismuswirtschaft“. Nun wurde er von der Stadt Klötze für den „Vorreiter“, den Tourismuspreis des Landes Sachsen-Anhalt, vorgeschlagen. „Wir könnten uns gut vorstellen, dass Ihr Angebot mit dem Kreativhof in Kunrau zu den ‚Vorreitern 2018‘ gehört und würden uns freuen, wenn Sie sich entsprechend bewerben würden“, heißt es dazu in einer E-Mail des stellvertretenden Bürgermeisters Christian Hinze-Riechers.

All zu große Chancen rechnet sich Verena Treichel wegen der Teilnahme von großen Tourismus- und Marketingbüros zwar nicht aus, „aber das ist trotzdem eine gute Gelegenheit, um den Bekanntheitsgrad des Kreativhofes und der Umgebung zu steigern“. Erstmals wird im Wettbewerb um den „Vorreiter“ auch ein Publikumspreis ausgelobt. Der Sieger erhält ein umfangreiches Marketingpaket im Wert von 7000 Euro. Bis zum 27. November kann abgestimmt werden. Wer den Kreativhof in Kunrau unterstützen möchte, kann dies über www.sachsen-anhalt-tourismus.de/vorreiter-voting oder www.kreativhof38.de tun. Verena Treichel hat hier einen Link zum Publikumspreis eingerichtet. Dort wird übrigens nach dem Alter des Bauhauses gefragt. „Die Antwort ist 100“, verrät Verena Treichel.

Wenn Mientje aus Amsterdam davon erfährt, dann wird sie bestimmt für den Kreativhof voten. Immerhin kam sie in diesem Sommer neben vielen anderen in den Genuss der Bartelschen Gastfreundschaft und schrieb ins Gästebuch: „Ein bisschen am Deutsch und ein bisschen am Englisch. Am Fahrrad the best place to be. 24 Kilometer extra gemacht. Thank you so much for the bockwurst and the bed and the coffee in the morning.“ Sollte Familie Bartels mal in Amsterdam eine Übernachtungsmöglichkeit benötigen, dann kann sie sich gerne bei ihr melden, fügte Mientje hinzu. Verena Treichel, die Tochter des Hauses, nahm dieses Angebot neulich nach einem Konzertbesuch in der niederländischen Hauptstadt gerne an.