Klötze l „Wenn wir einen lieben Menschen verlieren, ist es vielen Hinterbliebenen ein Bedürfnis, den Ort des Sterbens mit Licht zu versorgen“, sagt Anke Uhle. Die Frau aus Klötze weiß, wovon sie spricht. Am 22. August 2017 verlor sie ihren Sohn Pascal bei einem Verkehrsunfall auf der Landstraße zwischen Kusey und Klötze.

Der Ort ihrer Trauer ist jedoch nicht der Friedhof, sondern die Unfallstelle an dem stattlichen Baum im Straßengraben. Blumen und Kerzen sind dort abgelegt. Die Freunde des damals 22-Jährigen haben ihrem Kumpel Utensilien wie Sonnenbrillen und Basecaps gebracht.

Verhalten macht fassungslos

Damit auch in der Weihnachts- und nun tristen Winterzeit ein Licht für den Verstorbenen leuchtet, hat Anke Uhle eine Laterne mit einer Altarkerze aufgestellt. Was sie jedoch nicht fassen kann ist, dass die Laterne bereits zweimal gestohlen wurde. Die erste Laterne hat sie in der Adventszeit aufgestellt. „Aber nach Weihnachten war sie weg, hat sie irgendeiner mitgenommen“, erklärt sie.

Anke Uhle kaufte eine neue Laterne, stellte sie zu Beginn des neuen Jahres wieder auf und hätte die Sache mit dem Diebstahl auf sich beruhen lassen, wenn nicht auch die zweite Laterne innerhalb nun viel kürzerer Zeit wieder von der Unfallstelle verschwunden wäre. Das mache sie nicht nur unendlich traurig, sondern auch fassungslos.

Anzeige erstattet

Jetzt steht wieder eine Laterne an Pascals Unglücksort, „und ich bitte sehr darum, dass sie stehen bleibt“, sagt die trauernde Mutter. Nicht nur, dass sich Fremde einfach an eines anderen Eigentum bedienen, bestürzt sie, sondern dass durch den Diebstahl „auch der Ort der Trauer geschändet wird“.

Die Diebstähle will sie deshalb nun nicht mehr auf sich beruhen lassen, sondern hat bereits Anzeige bei der Polizei erstattet und dabei erfahren, dass es sich auch um eine Störung der Totenruhe handelt. Anke Uhle sagt: „Es gibt Deins und Meins. Und ich bitte darum, meine Laterne für meinen Sohn in Zukunft dort stehen zu lassen.“