Schwiesau l Oben ist der Berg, unten das Tal. Das Wasser schießt hinunter, sammelt sich auf der Straße, kann nicht abfließen und landet schließlich auf dem eigenen Grundstück. So muss man sich die Situation von Familie Heinemann in Schwiesau vorstellen. Ihr Zuhause befindet sich direkt an der Kreuzung zwischen Eckernkamp und Zichtauer Straße. Nicht weit entfernt ist der Kahnbergweg. Von dort und von der Zichtauer Straße strömt das Wasser herab „und trifft sich genau hier bei uns an der Ecke“, sagt Günter Heinemann. Bei starken Regengüssen werde aus der Landesstraße 19 ein regelrechter See und im Winter eine Eisfläche. Das Wasser steige, weil die Gullys verstopft seien, überwinde den Bürgersteig und gelange ohne Mühe auf den Hof von Familie Heinemann. Damit es nicht auch noch den Heizungskeller erreicht, hat Günter Heinemann vor der Öffnung einen Sockel errichtet. Eine kleine Maßnahme mit großem Effekt, die Schlimmeres verhindern soll. Doch in der Pflicht sieht der 67-Jährige nicht nur sich selbst, sondern auch die öffentlichen Stellen. „Es hieß, dass etwas getan werden soll, aber irgendwie geht es da nicht weiter“, sagt Günter Heinemann und spricht von einem „Dornröschenschlaf“.

Bei Planung nicht an Entwässerung gedacht

Früher hat es diese Misere nicht gegeben. Damals, so erinnert sich Heinemann, habe sich entlang der Zichtauer Straße noch ein Graben befunden, in den das Wasser ablaufen konnte. Doch je mehr Flächen seit den 1990er Jahren versiegelt wurden, sei es bei der Errichtung des Gehweges oder beim Ausbau der Ortsdurchfahrt, desto prekärer sei die Lage geworden. Nach Ansicht von Günter Heinemann und seiner Frau Hannelore handele es sich um Planungsfehler. „Wir haben von Anfang an auf das Problem hingewiesen. Aber an die Entwässerung hat keiner gedacht“, ärgert sich das Ehepaar.

Hinzu käme, dass nicht nur Wasser zu Tal schießt, sondern mithin auch Schlamm, der sich in den Gullys festsetze. „Der ganze Modder landet bei uns auf dem Grundstück“, sagt Hannelore Heinemann und wundert sich, dass nach starken Regenfällen, wenn sich auf der Landesstraße ein See bildet, sich aufgrund des Aquaplanings noch kein schwerer Unfall ereignet hat. Vor der Zukunft ist ihr Angst und Bange. Schließlich würden die Wetterkapriolen zunehmen. Und damit auch die Sorge um das Grundstück. „Wir trauen uns gar nicht mehr, in den Urlaub zu fahren“, beschreibt Hannelore Heinemann den Zwiespalt.

Nachdem sich das Ehepaar mehrfach an die Obrigkeit gewandt hat, schien im Mai 2018 endlich Bewegung in die Sache zu kommen. Damals, so weiß Günter Heinemann nach einem Blick in seine Unterlagen, hätten sich Vertreter der Landesstraßenbaubehörde, der Stadt Klötze und des Schwiesauer Ortschaftsrates zu einem Ortstermin getroffen und beratschlagt. Das Dilemma sei zwar von allen erkannt worden, jedoch, so der Tenor, müsste Grundlegendes geändert werden, damit es zu keinen Überflutungen mehr kommt.

Schadensvermeidung Ziel der Bodenordnung

Genau das ist auch ein Ziel des Bodenordnungsverfahrens, das im Mai 2013 eingeleitet worden war. Demnach sollen Maßnahmen ergriffen werden, um die durch Starkregenereignisse hervorgerufenen Schäden zu vermindern beziehungsweise zu vermeiden. Laut Günter Heinemann sei mal von einem Auffangbecken auf dem Kahnberg die Rede gewesen. Aber ob und wann tatsächlich etwas in dieser Richtung geschieht, ist ihm nicht bekannt. Eines ist für ihn und seine Frau aber klar: „Wir wollen das Wasser nicht auf unserem Grundstück haben.“ Um das zu erreichen, gebe es ihrer Ansicht nach nur zwei Varianten: Entweder, man sorgt dafür, dass das Wasser erst gar nicht zu Tal schießt. Oder man lenkt es an ihrem Grundstück vorbei. Und das möglichst bald. „Es kann doch nicht sein, dass wir jahrelang vertröstet werden“, verliert Hannelore Heinemann allmählich die Geduld.