Anbau von Energiepflanzen macht Milchviehhaltung immer teurer

Warum Raimund Punke Kühe mit Bierresten füttert

Von Martin Rieß

Die Energiepflanzen, die als nachwachsende Rohstoffe angebaut werden, sind zum Konkurrenten für die Lebensmittelproduktion geworden. Raimund Punke von der Klötzer Milcherzeuger-Genossenschaft sieht zudem falsche Subventionsansätze als Gefahr für die Milchviehhaltung.

Klötze-Nord. Trockenheit während der Wachstumszeit und Nässe zum Erntetermin - diese Faktoren haben in diesem Jahr den Bauern die Ernte von Raps, Roggen, Gerste und Weizen verdorben (die Volksstimme berichtete).

Doch es sind nicht allein diese Faktoren, die den Milchbauern in der Region zu schaffen machen. Denn dass die Produktion für die Erzeuger immer teurer wird, ist nicht allein die Schuld der Ertragseinbußen von teilweise mehr als 60 Prozent auf den heimischen Äckern. Vielmehr gehe es um die Biogasanlagen, die in der Region sprießen, meint Raimund Punke, Geschäftsführer der Milcherzeugergenossenschaft Klötze. "Für bedrohlich halte ich vor allem die Anlagen mit einer Leistung von zwei Megawatt und mehr." Denn im Gegensatz zu den kleineren Anlagen, in denen im Wesentlichen die Abfälle eines normalen Landwirtschaftsbetriebes weiterverwertet werden können, müssen für solch große Anlagen eigens Getreide oder andere Feldfrüchte angebaut werden. Damit gibt es eine Konkurrenz für die Abnehmer von Futterpflanzen - und die Preise steigen.

Zwar gibt es Alternativen für das teure Futtergetreide. Punke nennt in diesem Zusammenhang Reste aus Brauereien und Zuckerfabriken: Biertreber und Zuckerrübenhackschnitzel. Wenn die Tierhalter Verhandlungsgeschick beweisen, können sich die Kühe auch eine solche Kost schmecken lassen. Doch ob diese Quellen auf Dauer eine Alternative bieten, ist alles andere als sicher.

"Eine Kuh muss jeden Tag gefüttert und gemolken werden"

Immerhin könnten auch solche pflanzlichen Rückstände mehr und mehr ins Visier der Produzenten von Strom aus Biomasse geraten. Punke: "Und im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen können wir natürlich nicht einfach so unsere Produktion herunterfahren. Eine Kuh muss jeden Tag gefüttert und gemolken werden." Als "völlig unsinnig" bezeichnet der Geschäftsführer Vorschläge, die Milchkühe einfach weniger zu füttern, damit sie dann auch weniger Milch geben. "Das wäre ja Tierquälerei und angesichts der hierzulande gezüchteten Rinderrassen auch gar nicht möglich", so Punke.

Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren liegt derzeit immerhin der Milchpreis auf einem recht hohen Niveau. Punke sagt: "Das ist ein wesentlicher Grund dafür, dass wir auch unter den derzeitigen Bedingungen gut zurechtkommen." Doch sicher sind die Milchpreise kaum. Die seien seinerzeit von den Großhandelsketten gedrückt worden. Punke: "Das war doch ein Machtspiel mit uns Milcherzeugern!" Eine Neuauflage des Machtspiels ist kaum ausgeschlossen.

Was könnte also der Ausweg sein? Von Subventionen hält Raimund Punke nicht viel: "Da richtet man sich dann mit ein, das bringt nichts." Wenn allerdings Subventionen abgeschafft werden sollen, dann müsse überall mit dem gleichen Maß gemessen werden. Punke: "Mit Blick auf die europäische Förderpolitik muss ich allerdings sagen: ,Davon kann keine Rede sein.\'" Denn große Betriebe werden aufgrund von Kappungsgrenzen weniger bezuschusst als kleine. Punke: "Der Aufwand, Milchkühe zu halten, hat aber nichts mit der Größe des Betriebes zu tun." Bestes Beispiel sei gerade die Milcherzeugergenossenschaft Klötze. In dem Betrieb werden 1200 Milchkühe gehalten und ebensoviele Tiere aufgezogen von 40 Mitarbeitern. Punke: "Wenn wir auf Pflanzenproduktion umstellen müssten, dann würde unser Unternehmen mit wesentlich weniger Mitarbeitern auskommen."

Zwar ist eine solche Umstellung derzeit keineswegs ein Thema für den Geschäftsführer der Genossenschaft - doch immer wieder müsse nach neuen Ideen gesucht werden, wie der Betrieb profitabel weiterarbeiten kann.

"Inzwischen sind Energiepflanzen zum Konkurrenten geworden"

Unterstützung fordert Punke von der Politik ein. Sie müsse die richtigen Rahmenbedingungen schaffen. Und zwar nicht nur in Sachen Gleichbehandlung zwischen großen und kleinen Betrieben, vor allem auch, was den Anbau von Energiepflanzen angeht. "Derzeit läuft auf jeden Fall einiges falsch", so die Einschätzung von Punke. Denn nicht nur die Altmark sei auf dem Weg zu einer Mono-Kulturlandschaft, wenn nur auf wenige Bioenergiepflanzen gesetzt werde. "Inzwischen entwickeln sich Energiepflanzen zum Konkurrenten der Nahrungsproduktion - selbst wenn immer das Gegenteil behauptet wird", so der Klötzer Genossenschafts-Geschäftsführer. Wichtig sei nicht zuletzt, Beschränkungen für den Zuckerrübenanbau aufzuheben. Punke: "Nicht nur, dass sie beispielsweise in diesem Jahr sehr gut wachsen, vielmehr binden sie Kohlendioxid so gut wie kaum eine andere Pflanze."