Drömling l Es mag vielleicht verwundern, aber ja, Pferde eignen sich besonders gut zur Landschaftspflege. Im Bezug auf Klima und Nahrung sind sie nämlich ziemlich anspruchslos. Davon kann man sich jetzt am Germenauer Heuweg im Norddrömling überzeugen. Dort wurde am Donnerstag die halboffene Weidelandschaft Jahrstedt-Steimke eingeweiht. Hier wird die ganzjährige, extensive Weidehaltung von Pferden ermöglicht. Betreut wird dieses Projekt der „tierischen Landschaftspflege“ in einer länderübergreifenden Zusammenarbeit vom Zweckverband Natur- und Kulturlandschaft Drömling/Sachsen-Anhalt mit Hauptsitz in Kunrau und Landwirt Henning Flegel aus dem niedersächsischen Zicherie.

Fördermittel von der EU

Als Modellprojekt für alternative Landnutzungsmöglichkeiten unter den naturräumlichen Gegebenheiten des Niedermoorgebietes wurde die Einrichtung dieser halboffenen Weidelandschaft am Germenauer Heuweg in die Leader-Förderung aufgenommen. „2017 haben wir den Antrag eingereicht, 2018 kam der Bewilligungsbescheid“, erklärte Susanne Steckel vom Zweckverband. Daraufhin erfolgte zeitnah die öffentliche Ausschreibung, den Zuschlag bekam eine regionale Firma. Außerdem wird das Vorhaben aus Mitteln des Europäischen Landwirtschaftsfonds zur Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) und des Landes Sachsen-Anhalt gefördert.

Die Fläche am Germenauer Heuweg ist 20 Hektar groß. Ringsum wurde auf 2,5 Kilometer Länge ein Zaun gezogen, die Pfähle sind aus Rubinienholz, es gibt einen stromführenden Draht, informierte Steckel. Das Areal ist über vier Tore zugänglich. Auf der Fläche befinden sich je zwei Tränkanlagen und Unterstände für die Pferde. Außerhalb wurden für Besucher zwei Info-Tafeln aufgestellt, auf denen die Prinzipien der halboffenen Weidelandschaft sowie der Landwirtschaftspflege mit Pferden erklärt werden (siehe Infokasten).

Stuten und Hengst aus der Slowakei

Pächter der Fläche ist Landwirt Henning Flegel aus Zicherie. Er hat im April bei einem international anerkannten Zuchtgestüt in der Slowakei sechs Stuten und einen Hengst der Rasse Huzule erworben. Eine Stute war bereits vor Ort, daher beweiden nun seit dem 8. Mai insgesamt sieben Stuten und ein Hengst die Fläche.

Als halboffene Weidelandschaften werden ganzjährig extensiv genutzte Standorte bezeichnet. Die Besatzstärke ist niedrig, wenige Tiere beweiden eine große Fläche. Zur Beweidung eignen sich unter anderem widerstandsfähige Pferderassen, wie eben Huzule. Durch das Fraßverhalten der Tiere entsteht ein Mosaik aus unterschiedlichen Vegetationsstrukturen, das für die Artenvielfalt bedeutsam ist.