Klötze l Klaus A. (Name ist geändert) sitzt heute Abend in seiner Zwei-Raum-Wohnung allein vor dem Fernseher. Der heute 66-Jährige ist seit einigen Jahren geschieden und lebte über zehn Jahre lang von Arbeitslosengeld II. Vor drei Jahren schickte ihn das Jobcenter mit 63 Jahren ohne Aussicht, einen neuen Arbeitsplatz zu erhalten, in Rente. Das Geld reicht vorne und hinten nicht. Mittwochs ist er Stammkunde bei der Klötzer Tafel. So auch am 18. Dezember als sich die Tür an der Breiten Straße zum letzten Mal in diesem Jahr für Bedürftige öffnete. Denn erst am 8. Januar kann der 66- Jährige erst das nächste Mal wieder zur Tafel gehen.

Südfrüchte von der Klötzer Tafel

Klaus A. stellt sich dort regelmäßig an, um sich mit den wichtigsten Lebensmitteln und anderen Dingen des täglichen Lebens für die Feiertage und den Jahreswechsel einzudecken. Dabei dabei sind auch Südfrüchte wie Weintrauben und Apfelsinen. Auch etwas Schokolade nimmt er für das Fest mit. Tafelchefin Susanne Pfaffelhuber vom Diakonischen Werk Salzwedel bedauert, dass die Tafel gerade vor Weihnachten keine Stollen und reichlich Schokolade an die Bedürftigen ausgeben kann. Sogar das Brot ist vor den Feiertagen knapp geworden.

„Ob ich mir am Heiligen Abend ein warmes Essen koche, dass weiß ich noch nicht“, erzählt der 66-Jährige. Seine geringe Rente von knapp 800 Euro mit Zuschüssen reicht nur für das Nötigste zum Leben. Große Sprünge kann der Vater von drei Söhnen auch an den Feiertagen nicht machen. Er wird die meiste Zeit vor seinem Fernseher sitzen. Den hat er übrigens von Freunden vor Jahren geschenkt bekommen. „Nichts Besonderes, 80 Zoll“, wie er ausdrücklich betont.

Mit knapp 50 Jahren verlor Klaus A. seinen Arbeitsplatz in der Baubranche. Dann folgte eine Anstellung als Ein-Euro-Jobber bei der ABS Drömling in Klötze. Als die Maßnahme von der Arbeitsagentur auslief, erhielt der kräftige Mann zunächst Arbeitslosengeld I, und im Anschluss bekam er mit Anfang 50 nur noch Hartz-IV. Dann folgten über zehn Jahre als Arbeitslosengeld-II-Empfänger und mit 63 Jahren der Eintritt in die Rente.

Über die Weihnachtsfeiertage wird ihn in Klötze keines der drei Kinder besuchen. Ein Sohn wohnt mit seiner Familie in Hamburg, der andere in Frankfurt/Main und der jüngste Sohn muss über Weihnachten in Salzwedel arbeiten, erzählt der Altmärker. Da bleibt der Rentner über Weihnachten allein. „Vielleicht gehe ich zu Bekannten. Doch eigentlich möchte ich über die Feiertage niemanden nerven, weil die auch ihre Kinder und Enkelkinder zu Besuch haben. Da störe ich nur“, meinte der Mann, der mit seinem Schicksal nicht hadert und sich an die Lebensumstände mittlerweile gewöhnt hat.

Auch mit Geschenken sieht es zum Weihnachtsfest eher bescheiden aus. Da seine Kinder und das eine elfjährige Enkelkind den 66-Jährigen nicht besuchen, bekommen weder der Senior noch die Kinder etwas Eingepacktes geschenkt. Die Ausnahme bildet da ein anderes Enkelkind. Das hat sich zum Fest von seinem Opa aus Klötze Melonenkuchen gewünscht. Den hat Klaus A. extra bei einem Bäcker anfertigen lassen und vor wenigen Tagen ich Richtung Frankfurt/Main geschickt. Damit bringt er seinem Enkelkind am heutigen Heiligabend die Augen zum Leuchten.

Sollten die drei Kinder mit ihren Familien Klaus A. in seiner Klötzer Zweiraum-Wohnung einmal besuchen, dann müssten sie zum Übernachten in eine andere Unterkunft ausweichen. Auch beim Thema Versorgung ist der Rentner dann in Not. „Alle kann ich nicht versorgen. Meine Kinder müssten sich selbst Lebensmittel in Klötze kaufen oder mitbringen. Soviel gibt meine geringe Rente unter 700 Euro nicht her“, bedauert er und schaut auf das heutige Weihnachtsfest.