Kunrau l Einen Eindruck, wie es um das Getreide rund um Kunrau derzeit steht, bekamen die Teilnehmer eines Feldtages am gestrigen Donnerstagnachmittag. Eingeladen hatte der Landwirtschaftliche Betrieb (LB) Kunrau dazu Verpächter und Mitglieder. Der Leiter der Pflanzenproduktion, Andreas Diebe, erklärte bei der Gelegenheit im Gespräch mit der Volksstimme, wie es derzeit um Gerste, Weizen, Roggen und Co. auf den Flächen des Betriebs bestellt ist.

Aktuell sehe es danach aus, dass mit einer normalen Ernte zu rechnen sei, aber keiner hervorragenden, so Diebe. Die Situation sei besser als im Dürrejahr 2018. Noch nicht wieder aufgefüllt sei das Wasser-Defizit, das durch die Trockenheit im vergangenen Jahr zu verzeichnen gewesen war.

Andreas Diebe hatte genaue Zahlen zum Niederschlag parat. Bis zum 13. Juni 2018, so berichtete er, habe es 225 Millimeter Regen gegeben. 2019 seien es bislang 254 Millimeter. „Es hat nicht so kontinuierlich geregnet, wie die Pflanzen es gebraucht hätten“, sagte Andreas Diebe zur aktuellen Situation.

Auch in diesem Jahr habe es schon Durststrecken gegeben, im April und im Mai seien Defizite beim Niederschlag zu verzeichnen gewesen. „Die kriegen wir nicht mehr weg“, sagte Diebe und ergänzte: „Wir können nichts mehr ändern.“ Die Kornfüllungsphase sei abgeschlossen, jetzt würde sich entscheiden, wie schwer die Körner werden.

Wenn er sich etwas wünschen könnte, so Diebe, dann wären es an jedem dritten Tag rund zehn Millimeter Regen. Starker Regen hingegen würde auf den leichten Böden, die es in der Region gibt, oft viele Schäden anrichten.

Hilfe aus dem Dürretopf beantragt

Es wäre schön, wenn schon der 20. Juli wäre und die erste Gerste geschnitten wäre, sagte der Leiter der Pflanzenproduktion. Das würde aus finanzieller Sicht die Lage entspannen. Da wirkt das trockene Jahr 2018 noch nach. Damals seien durchschnittlich 26 Dezitonnen Getreide pro Hektar geerntet worden. Normal wären 50 Dezitonnen gewesen. Es habe also nur das halbe Geld gegeben. Derzeit kämpfe der Betrieb darum, Gelder aus einem staatlichen Dürretopf zu bekommen. Beantragt sei die Unterstützung, alle Mitglieder müssten dafür aber mit ins Boot geholt werden und persönliche Angaben machen. Derzeit seien es 133 Mitglieder. Es werde versucht, alle rund 30 Mitarbeiter des Betriebs zu halten. Größere Investitionen seien 2018 auf Eis gelegt worden.

Insgesamt bewirtschaftet die LB Kunrau 1600 Hek­tar Ackerland. Auf 178 Hektar, so zählte Andreas Diebe auf, wachse derzeit Wintergerste, auf 112 Winterraps, auf 180 Winterweizen, auf 125 Sommergerste, auf 355 Winterroggen und auf 357 Hektar Mais. Weitere 120 Hektar seien für Feldgras reserviert, das für die Kühe des Betriebs benötigt wird. Zweimal hätte in diesem Jahr schon das Gras geschnitten werden können. Auf 64 Hektar stünde Luzerne, ebenfalls für die Milchkühe. Rund 300 Hektar Land befänden sich im Eigentum der LB Kunrau, der Rest werde gepachtet.

Bei dem Feldtag ging es mit Kremsern an einigen Flächen entlang. Hinterher wurde gegrillt. Der Tag sei als Dankeschön für die Verpächter und Mitglieder gedacht.