Magdeburg l Neben der „Meile der Demokratie“ hat sich in den vergangenen Jahren das gemeinsame „Singen für eine weltoffene Stadt“ zu einem öffentlichen Höhepunkt im Gedenken an die Stadtzerstörung entwickelt. Für Ansammlungen Tausender Menschen – zumal singend – bietet die Corona-Pandemie in diesem Jahr aber keinen verantwortbaren Raum. Friedenslieder sollen am 16. Januar dennoch in Magdeburg erklingen – in möglichst vielen Haushalten. Die Initiative weltoffenes Magdeburg organisiert eine Liveschaltung von der Eröffnung der Aktionswoche am 16. Januar ab 18 Uhr auf verschiedenen Internetseiten und im Offenen Kanal und lädt die Magdeburger zum häuslichen Mitsingen und Innehalten ein.

Gesundheitsamt sieht Demos kritisch

Ein Grund für die in jüngerer Vergangenheit jährlich wachsende Zahl von Veranstaltungen für Toleranz, ein friedvolles Miteinander und eine weltoffene Stadt waren die jährlichen Aufmärsche aus zahlreichen Bundesländern angereister Rechtsradikaler am 16. Januar in Magdeburg. Auch in diesem Jahr hat die neonationalistisch geprägte Initiatve „Ehrenhaftes Gedenken“ einen Aufzug am Tag der Zerstörung angemeldet – um 15.30 Uhr ab Hauptbahnhof. Daneben hat die Polizei bis gestern allein 18 weitere Anmeldungen für Demonstrationen und Mahnwachen am 16. Januar in Magdeburg verzeichnet, sämtlich von Initiativen die den Neonazis die Stadt nicht als Bühne für ihren marzialisch anmutenden Fackelzug überlassen wollen.

Darunter sind Mahnwachen und Andachten am Dom und am Nicolaiplatz, die Kundgebung „Pappesatt! Gegen Faschismus auf allen Ebenen. Für Solidarität und Selbstbestimmung“ bereits am Vorabend des 16. Januar am Universitätsplatz (18 bis 21 Uhr) und ganztägig angelegte Gegenproteste rund um den Rechtenaufmarsch in der Innenstadt.

Strenge Auflagen erwartet

Zwar sind auch in Zeiten der Pandemie Demonstrationen unter freiem Himmel gestattet, dennoch sieht der Magdeburger Gesundheitsamtsleiter Eike Hennig große Probleme mit der Vielzahl und dem erwarteten Ausmaß der Aktionen zum 16. Januar. Das Amt muss zu jeder Anmeldung eine Bewertung hinsichtlich der Corona-Gefährdungen an die Polizei als Versammlungsbehörde abgeben. Hennig sagte gestern auf einer Pressekonferenz im Rathaus, wenn jeder Haushalt nur noch eine weitere Person treffen dürfe, sei es nicht vermittelbar, 500 Personen für eine Veranstaltung auf dem Domplatz zu erlauben.

Sein Ziel, so Henning, sei eine Begrenzung der Teilnehmerzahl auf maximal 100 Personen je Veranstaltung. Dazu solle eine Maskenpflicht auferlegt und für einige Veranstaltungen auch eine Namensliste der Teilnehmer anfordert werden. Hennig wollte gestern noch die neue Landesverordnung und die darin enthaltenen Auflagen abwarten und die angemeldeten Veranstaltungen erst im Nachgang abschließend bewerten.

Auch Verbot ist möglich

Die neue Verordnung wurde am frühen Nachmittag im Volltext öffentlich. Sie lässt ein Verbot von Versammlungen mit mehr als zehn angemeldeten Teilnehmern sowohl unter freiem Himmel als auch in geschlossenen Räumen zu, ebenso eine Beschränkung oder eine Erteilung von Auflagen zum Infektionsschutz – je nach Einschätzung der Gesundheitsbehörden.

Aktuelle Informationen zur Veranstaltungswoche gibt es auf der Homepage der Initiative Weltoffenes Magdeburg.